Totengedenktage im Überblick

Im Oktober und November häufen sich die Totengedenktage. Das haben wir zum Anlass genommen, Ihnen in einige dieser Gedenktage aus aller Welt in chronologischer Reihenfolge vorzustellen vorzustellen. Ende Oktober und Anfang November folgen gleich drei Festtage aufeinander. Wir beginnen chronologisch richtig mit dem 31. Oktober, der den meisten von Ihnen als "Halloween" bekannt ist. Seinen Ursprung hat dieses Fest allerdings in einem anderen Feiertag …
 

Halloween



Kürbisfigur mit herbstlicher Dekoration zu Halloween (Foto: Christine Kulgart)

Epische Schlachten und sterbende Helden
Das Fest Samhain ("Vereinigung") gehört zusammen mit Imbolc (Reinigungsfest), Beltane (Sommeranfang) und Lughnasadh (Herbstbeginn) zu den vier großen irisch-keltischen Feiertagen. In Wales nennt man es Nos Calan gaeaf ("Nacht des Winteranfangs"). Uns ist es besser bekannt als das englische Halloween. Samhain ist fest mit der keltischen Mythologie verbunden, denn an diesem Tag ist der Schleier zwischen den Welten angeblich besonders dünn. So steht den Menschen das Elfenreich offen und dem Unterweltsgott Cenn Crúach werden Blutopfer dargebracht. Allerdings bildet Samhain den dunklen Pol des Jahres und steht somit Beltane, dem hellen Pol, gegenüber. Im Mittelpunkt des Festes steht der Tod und die Begegnungen der Lebenden mit den Toten. An diesem Tag sterben die Helden in der Mythologie und epische Schlachten werden ausgetragen. Moderne Halloween-Riten gehen wohl auch auf die düsteren Aspekte des Samhain-Fests zurück.

Süßes oder Saures?
Der Name "Halloween" geht auf "All Hallow’s Eve", den Tag vor Allerheiligen zurück. Ursprünglich im katholischen Irland verbreitet, diente das keltische Totenfest, das das Ende des Sommers ankündigte und mit Freudenfeuern gefeiert wurde, als Vorlage für viele Bräuche. Irische Auswanderer verbreiteten die diese ab dem 19. Jahrhundert. Von ihnen stammt auch die Tradition, ausgehölte Kürbisse aufzustellen. Die Fratzen darauf sollen böse Geister fernhalten. Ein weiterer Halloween-Brauch ist das Umherziehen von Tür zu Tür, um Süßigkeiten zu erbetteln. Dieser Brauch wird "trick or treat" ("Streich oder Leckerbissen") genannt. Zudem verkleiden sich Kinder und Erwachsene als Geister, Vampire oder andere schaurige Gestalten.

Zwischen Kommerz und Okkultismus
Mit der Beliebtheit von Halloween steigt auch die Kritik – kirchliche Institutionen lehnen das Fest ab, da es als "okkult" gilt. Auch kommt es immer wieder zu Vandalismus und deshalb zu vermehrten Polizeieinsätzen. Viele bemängeln auch den kommerziellen Charakter, den das Fest durch immer mehr Halloween-Ausstattungen wie z.B. Kochbücher und Lebensmittel erhält.

 

Allerheiligen und Allerseelen


Beispiele für den Mainzer Newweling

 Die beiden christlichen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen dienen dem Totengedenken. In Österreich, Liechtenstein, katholisch geprägten Teilen der Schweiz, Luxemburg, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Polen, Ungarn, Kroatien, Slowenien, der Slowakei, Litauen, den Philippinen und den katholischen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag.

Der "Herrentag aller Heiligen"
Allerheiligen ist ein christliches Fest, an dem man aller Heiligen gedenkt. Allerdings nicht nur jenen Menschen, die auch heilig gesprochen wurden, sondern jedem, der als heilig erachtet wird. Es gilt als Hochfest der katholischen Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es immer schwieriger, jedem Heiligen an einem besonderen Tag zu gedenken. Deshalb rief man ab dem 4. Jahrhundert den "Herrentag aller Heiligen" aus. Papst Gregor IV. legte den 1. November als Gedenktag fest. Ende des 10. Jahrhunderts kam, ausgehend von der Benediktinerabtei Cluny, Allerseelen am 2. November als Gedenktag aller Toten dazu, die sich noch nicht bei Gott, sondern im Purgatorium, dem Fegefeuer, befinden.

Allerheiligengestecke und Hefeteig-Striezel
Der bekannteste Brauch zu Allerheiligen ist wohl das Allerheiligengesteck, mit dem die Gräber am Nachtmittag des 1. Novembers (oder bereits vorher) verziert werden. Immergrüne Pflanzen, Zapfen, Beeren, getrocknete Blumen, gefärbte Pflanzenteile, Schleifen, Bänder und kleine Dekorationsartikel gehören zu den Bestandteilen eines solchen Gestecks, welchem in Größe und Form kaum Grenzen gesetzt sind. Die Gestecke sind so zusammengestellt, dass sie auch einen längeren Zeitraum überstehen. Außerdem werden Kerzen auf die Gräber gestellt. Teilweise wird die für Allerseelen vorgesehene Grabsegnung auch schon an Allerheiligen vorgenommen. Als traditionelles Gebäck zu diesem Feiertag gibt es Allerheiligenstriezel aus Hefeteig, den Tauf- oder Firmpaten ihren Patenkindern überreichen.

Allerheiligen gehört zu den sogenannten stillen Feiertagen. An diesem Tag dürfen keine Tanzveranstaltungen stattfinden oder laute Musik gespielt werden.

Seelen im Fegefeuer
Durch Gebete und Friedhofsbesuche gedenken Katholiken am 2. November den Verstorbenen. Dieser Feiertag geht auf den Abt Odilo Cluny zurück. Nach altem Volksglauben steigen die Seelen der Verstorbenen an Allerseelen aus dem Fegefeuer, um sich eine Weile auszuruhen. Deshalb stellt man mancherorts Nahrungsmittel auf die Gräber, damit sich die Verstorbenen stärken können. Traditionelle Lebensmittel sind Allerseelenbrote und –zöpfe, Seelenbrezeln und – wecken, Gebildebrote und kleine Mürbeteigkekse. Falls dies nicht schon am Vortag geschehen ist, folgt die Grabsegnung. Früher ließ man die Gräber von Selbstmördern aus, denn es hieß, die Kinder würden dann die gleiche Tat begehen.

Der Mainzer Newweling
Eine regionale Besonderheit zum Totengedenken ist der Newweling, eine traditionelle, kegelförmige Mainzer Kerze. Er besteht aus spiralförmig gedrehten und mit Kerzenwachs überzogenen Dochten. Traditionell werden die Farben Rot, Weiß, Blau, Gelb und Grün für das Kerzenwachs verwendet, wodurch sich das charakteristische, bunte Gesamtbild ergibt. Laut dem Mainzer Wörterbuch leitet sich der Name von dem Wort "Nebel" ab und spielt auf das trübe Wetter im November an. Seit den 1970er-Jahren wird der Newweling nur noch von der Mainzer Wachswarenfabrik Tusar hergestellt.


Día de los Muertos


Typische "Calaveras de Dulce" (Foto: Tomás Castelazo)

Während wir in Deutschland Allerheiligen und Allerseelen feiern und diese besinnlich zelebriert werden, ist der Día de los Muertos ("Tag der Toten") in Mexiko ein Fest, das sich über drei Tage erstreckt. Die Aktivitäten vom 31. Oktober bis zum 2. November folgen dabei einem genauen Verlauf.

Rückkehr der Toten in Etappen
Am ersten Tag der Festlichkeiten dekoriert man die Wohnungen und teilweise auch öffentliche Plätze mit Gabentischen und Altären, den sogenannten "Ofrendas". Diese werden mit Heiligenbildern, Kerzen und Fotos der Verstorbenen geschmückt. Auch die "Flor de Muertos" (Blume der Toten), die gelbe Ringelblume Cempasúchil, ist Teil der typischen Dekorationen. Die Farben Gelb und Orange dominieren, da sie den Toten angeblich als Wegweiser zu den Ofrendas dienen. An diesem Tag kehren auch die "Angelitos", die Seelen der verstorbenen Kinder, zurück. Ab dem 1. November, dem "Tag des Hundes", kommen auch die restlichen Toten zu ihren Familien zurück und erholen sich an der Ofrenda von ihrer langen Reise. Auf den Straßen herrscht nun ein buntes Treiben. Am 2. November enden die Feierlichkeiten mit der Verabschiedung der Toten. Dafür kommt die Familie am Grab zusammen, um bei Kerzenschein gemeinsam zu singen und zu beten. Um Mitternacht ist das Fest dann offiziell beendet.

Zuckerschädel und Calaveras
Der Día de los Muertos ist ein fröhliches Fest. Schon Tage vorher werden sogar die Friedhöfe bunt dekoriert und die Familien scheuen keine Kosten. Zum Fest gehören typische Süßigkeiten wie Totenköpfe, Skelette und Särge aus Marzipan, Zuckerguss oder Schokolade. Diese sogenannten Calaveras de Dulce werden an geliebte Menschen verschenkt und gemeinsam mit dem "Pan de Muerto", einem Kuchen, verspeist. Die Skelett-Karikaturen des Künstlers José Guadalupe Posada, kurz Calaveras genannt, erfreuen sich mittlerweile weltweiter Beliebtheit. Das Ursprungswerk war die "Calavera Catrina", ein Skelett in aristokratischer Kleidung. "Catrina" ist eine abwertende, sarkastische Bezeichnung für eine wohlhabende Person. Auch Tim Burton ließ sich von den Calaveras inspirieren, als er die Figuren des bekannten Films "The Nightmare before Christmas" zeichnete.

Vereinigung der Familie
Nach dem Kalender der Azteken fand der Día de los Muertos zwischen Ende Juli und Anfang August statt. Im Rahmen der Conquista, der Eroberung und Erschließung des mittel- und südamerikanischen Festlandes im 16. Und 17. Jahrhundert, wurde er allerdings auf Allerheiligen ("Día de los Santos") verschoben. Heute vermischen sich indigene und christliche Traditionen zu einem der wichtigsten Feste in Mexico. Der Tag der Toten wird sehr ernst genommen, die Vereinigung der Familienmitglieder – egal ob tot oder lebendig – und Liebe und Freundschaft, die auch über den Tod hinaus erhalten bleiben, stehen im Vordergrund.

 

Totensonntag


Totengedenken am Totensonntag früher (Foto: Bundesarchiv, Eva Brüggmann)

 In der evangelischen Kirche in Deutschland und in der Schweiz feiert man anstatt Allerseelen den Totensonntag. Er fällt grundsätzlich auf den letzten Sonntag vor dem ersten Advent, und somit immer auf Termine zwischen dem 20. und 26. November. Neben dem Totengedenken stehen das Jüngste Gericht und das ewige Leben bei Lesungen zu diesem Gedenktag im Mittelpunkt. Wie auch Allerseelen gehört der Totensonntag zu den stillen Feiertagen, es darf also keine laute Musik in Gaststätten gespielt werden.

Ein Gedenktag muss her
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bestimmte am 25. November 1816 den Sonntag vor dem 1. Advent in den evangelischen Teilen preußischer Gebiete zum "allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen". Gründe für diese Anordnung waren unter anderem das Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege, die Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise und das Fehlen eines Totengedenkens im evangelischen Kirchenjahr.

Gedenktag der Entschlafenen
Bekannt ist der Feiertag auch als "Letzter Sonntag des Kirchenjahrs", "Sonntag vom Jüngsten Tage", "Ewigkeitssonntag" und "Gedenktag der Entschlafenen". Katholiken begehen an diesem Tag den "Christkönigssonntag". Zu den Bräuchen am Totensonntag gehört das Verlesen der Namen der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahrs und das Schmücken der Gräber mit Gestecken und Blumen.

 

Volkstrauertag


Typisches Grabgesteck (Foto: 4028mdk09)

Seit 1952 wird der Volkstrauertag zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Erstmals hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Einführung des Volkstrauertags 1919 als Gedenktag für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen. Erst am 28. Februar 1926 wurde der Volkstrauertag tatsächlich zum ersten Mal begangen. Man wollte damit alle Deutschen an das Leid des Krieges erinnern und das Volk einen.

Wandel zum "Heldengedenktag"
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Volkstrauertag in "Heldengedenktag" umbenannt und zu einem staatlichen Feiertag erklärt. Nun sollte nicht mehr der Toten gedacht, sondern die Helden des Krieges geehrt werden. Zudem wurde der Tag auf den 16. März bzw. den Sonntag davor verlegt. Der letzte Gedenktag dieser Art fand 1945 statt.

Zurück zum Ursprung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ließ man die ursprüngliche Tradition des Volkstrauertags wieder aufleben.  Die erste zentrale Veranstaltung zum Gedenktag fand 1950 im Bundestag in Bonn statt. In der DDR wurde der "Internationale Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg" eingeführt.

Zentrale Gedenkstunde im Bundestag
Um die Abgrenzung zum "Heldengedenktag" zu verdeutlichen, verlegte man den Gedenktag ans Ende des Kirchenjahres, da diese Zeit besonders im Zeichen von Tod und Ewigkeit steht. Nun gedenkt man den "Toten zweier Kriege an den Fronten und in der Heimat", und somit den Opfern der Gewaltherrschaft aller Nationen. Auch heute noch führt man am Volkstrauertag Gedenkstunden und Kranzniederlegungen durch. Die zentrale Gedenkstunde findet im Deutschen Bundestag statt.


Text: Christine Kulgart

(Veröffentlicht am 25. Juli 2019)