Vorbildliche Grabgestaltung: Mustergräber auf LaGa, BuGa & igs

2019: BUGA Heilbronn
Vom 11. bis 21. März hat die Firma Erdmann Natursteine aus Bad Berka die Mustergräber auf dem Bundesgartenschaugelände in Heilbronn aufgestellt. 67 Grabflächen - aufgeteilt in Urnen-, Einzel-, Doppelgräber und Bereiche für freie Formen - hat das Unternehmen mit unterschiedlichen Ausstellungsbeiträgen bestückt. Trotz widriger Witterung in den ersten Tagen konnten die Arbeiten gemäß den Vorgaben der BUGA-Gesellschaft planmäßig ausgeführt und abgeschlossen werden. Während der ersten Woche haben drei Kollegen des Steinmetzbetriebs Hoff (Pößneck) die vier Mitarbeiter der Firma Erdmann tatkräftig unterstützt, um den vorgesehenen Zeitrahmen von zehn Tagen einzuhalten. 

Die BUGA öffnet am 17. April 2019 ihre Tore. Im Grabmal-Ausstellungsteil wird das Steinmetzhandwerk auch mit einer "lebenden Werkstatt" vertreten sein. Die Betreuung organisiert der in der BUGA-Stadt Heilbronn ansässige LIV Baden-Württemberg, der vom BIV Teilaufgaben hinsichtlich der Präsentation vor Ort übernommen hat. Der LIV sucht noch Steinmetze, die die "lebende Werkstatt" während der BUGA besetzen und über das Schaffen der Steinmetze informieren. Weitere Details gibt es beim LIV Baden-Württemberg: www.steinmetz-steinbildhauer.de


Steinmetze und Friedhofsgärtner zeigen auf den Landesgartenschauen, Bundesgartenschauen und Internationalen Gartenschauen gemeinsam, was sie können.


Grabmalbereich auf der Landesgartenschau in Tirschenreuth

BuGa, LaGa oder igs – jedes Jahr strömen mehrere Hunderttausend Besucher auf die länderweiten, bundesweiten oder gar internationalen Gartenschauen und nutzen die Ausstellungen, um sich über Themen rund um Gartengestaltung zu informieren. 

Ein sehr gut besuchter Teilbereich widmet sich jedes Mal dem Thema Grabgestaltung. Mustergräber, die in Zusammenarbeit von Steinmetzen und Friedhofsgärtnern gestaltet wurden, zeigen hier, zu was die beiden Gewerke fähig sind und bilden einen besonderen Anziehungspunkt. 

Die Sonderschauen erinnern an Zeiten, in denen der Friedhof eine so wichtige kulturelle und künstlerische Einrichtung war, dass vieles aus dieser Zeit bis heute erhalten ist und unter Denkmalschutz steht.

Wettbewerb für Grabmale
Im Vorfeld der Veranstaltungen wählt eine Jury des Bundesinnungsverbands Deutscher Steinmetze (BIV) in einem Wettbewerb die Grabmalentwürfe aus, die später in der Ausstellung zu sehen sein werden. Hier spielt v.a. die gestalterische Qualität eine Rolle, sowie das Bemühen, den Besuchern ein möglichst breites Spektrum an Steinen zu offerieren.
 

Das VSBS-Qualitätszeichen
Der Verband Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister - kurz VSBS - lobt jedes Jahr den Qualitätszeichen-Wettbewerb aus - und das schon seit den 1940er Jahren. Mit den geeigneten Mitteln sollen das handwerkliche und künstlerische Grabmalschaffen im Bild-hauer- und Steinmetzberuf gefördert und gute Arbeiten auf dem Friedhof hervorgehoben werden. Eine Arbeit erhält das Qualitätszeichen, wenn eine schöpferische Leistung vorhanden ist und wenn Material, Form, Bearbeitung, Inschrift und gegebenenfalls Motiv in harmonischem Einklang stehen. Das Grabmal soll seiner Bestimmung gerecht werden und persönlich gestaltet sein. Nachbildungen, soweit sie von der Jury erkannt werden können, sollen zurückgewiesen werden. Die Bewertung und die Auswahl der Jury erfolgt nach bestimmten Kriterien. Teilnahmeberechtigt sind Grabmalschaffende aus allen deutschsprachigen Ländern, also nicht nur solche aus der Schweiz selber, sondern auch aus Deutschland, Österreich, dem Fürstentum Liechtenstein und Italien (Südtirol). Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.vsbs.ch.


Team aus Steinmetz und Friedhofsgärtner
Die Umsetzung obliegt immer einem Team aus Steinmetz und Friedhofsgärtner. Eine zweite Jury prämiert dann die ausgeführten Mustergräber. Die Preisverleihung erfolgt auf der Gartenschau. Wer welches Mustergrab aus welchem Material gestaltet hat und wie es bearbeitet wurde, können Besucher auf einem Schild an jedem Mustergrab nachlesen.

   
Drei auf der BUGA 2011 mit Gold ausgezeichnete Grabmale von Rainer Kuehn, Manfred Messing und Lucia Torge (v. l.)
 
Kostengünstige pflegeleichte Grabgestaltung
Neben handwerklich aufwendigen und gestalterisch hochwertigen Einzel-, Urnen- oder Doppelgrabmalen werden auf den Gartenschauen auch Beispiele für kostengünstige pflegeleichte Grabgestaltung gezeigt, wie zum Beispiel Memoriam-Gärten. Das Memoriam-Garten-Konzept sieht vor, dass für jeden Bestatteten Namen- und Lebensdaten hinterlegt werden, anonyme Bestattungen gibt es keine. Mit dem Kauf einer Grabstelle erwerben die Hinterbliebenen auch den Grabstein und die Grabbepflanzung. Die Instandhaltung und Pflege übernehmen die Genossenschaften der Steinmetze und der Gärtner. Damit werden Hinterbliebene weitestgehend von der Pflege entpflichtet – für einen Festpreis für die gesamte Grablaufzeit. 


Gemeinschaftsgrabanlage "Ort der Begegnung"
 


Der Memoriam-Garten auf der Landesgartenschau in Nagold


Medaillen auf der BUGA
Die besten Steinmetze werden auf der BuGa traditionell mit Medaillen und Auszeichnungen für ihre Arbeiten geehrt. Vor der Vergabe, die anonym und gewerkübergreifend erfolgt, begutachten die Juroren die ausgestellten Werke allein, ehe sie sich zusammensetzen und die Arbeiten gemeinsam besprechen und bewerten. Symbolik und handwerkliche Qualität stehen dabei als Bewertungskriterium im Vordergrund.

Plakatkampagne "pro Friedhof"
Ebenfalls Gedanken über die Bewerbung von Friedhof und Grabmal haben sich die Steinmetz- und Steinbildhauermeister Markus Schick und Peter Faustmann gemacht. Bundesweit bewerben Plakate nun den Friedhof als Ort der Trauerverarbeitung und Erinnerung - die Motive stellen sie interessierten Kollegen dabei kostenlos zur Verfügung. Zwei emotional ansprechende Motive stehen zur Auswahl, zudem verweisen ein QR-Code und die Webadresse www.friedhof-tut-gut.de auf weitere Informationen. Lesen Sie in folgenden Artikeln mehr zur Plakataktion:

- NS 10/2014, "Mit Plakaten für den Friedhof" ab Seite 16
- NS 1/2015, "Überall Plakate" ab Seite 18
- NS 11/2015, "Plakate zum Tag des Friedhofs" ab Seite 30
- NS 5/2016, "Viele machen mit" ab Seite 38

Ein Lied für den Friedhof
Eine Kampagne zur Aufklärung pro Erdbestattung als die "wahre Naturbestattung" und die Stärkung einer würdigen Gedenkkultur plant der Verband für Gedenkkultur (VfG), der aktuell 148 Mitglieder zählt, mit der TV-Medien Rhein-Neckar GmbH. Der VfG hofft auf den Support der ganzen Steinmetz- und Friedhofsbranche. Mit diesen Zielen bereitet der Verband eine breit angelegte Endverbraucher-Kampagne mit Fernsehsendungen, einem Musikvideo der Singer-Songwriterin Miriam Umhauer und starker Präsenz in Social Media vor. Auf der VfG-Jahrestagung am 8. Februar 2019 in Fulda präsentierten Projekt-Initiator und VfG-Vorsitzender Oswald Kurz und seine Mitstreiter die geplanten Schritte der Kampagne, die Mitte des Jahres beginnen und dann ein Jahr laufen soll.

Verband für Gedenkkultur e.V.
Bad Nauheimer Straße 4
64289 Darmstadt
info@gedenkkultur.de
www.gedenkkultur.de


Info-Broschüren Grabmal
Um Steinmetzen und Bildhauern Anregung für die individuelle Grabmalgestaltung aus Naturstein zu bieten, hat der DNV eine Broschüre mit Beispielen und erläuternden Begleittexten sowie einer passenden Präsentationsmappe in seinem Produktprogramm. Auf 16 Seiten werden insgesamt 65 Hochsteine zeitgemäßer Grabmalgestaltung in allen Gesteins- und Bearbeitungsarten gezeigt. Die Broschüren können Sie hier bestellen.


Biodiversität auf Friedhöfen
Auch 2018 fanden deutschlandweit fünf Landesgartenschauen statt. Das Steinmetzhandwerk nutzt die grüne Bühne und präsentiert überall Mustergräber. Neben Einzel- und Urnengrabmalen sind auch mehrere Gemeinschaftsanlagen zu sehen, darunter Konzepte mit Insektenhotels und anderen Naturkomponenten. Viele Arbeiten bestehen aus heimischen Materialien. Mehr dazu lesen Sie auch in Naturstein 7/2018, ab Seite 44. Zu diesem Thema wurde auch im Juli 2018 der Verein "Biodiversität auf Friedhöfen" gegründet. Der Verein möchte Friedhofsgärtner, Steinmetze, Kirchen und Kommunen dazu einladen, sich daran zu beteiligen, dass alte Ruhestätten durch neue Ideen vielseitig genutzt werden können. Der Schwerpunkt liegt dabei bei den Themen Biodiversität und Naturschutz. Der Vorsitzende des Vereins, Heinecke Werner, sieht den Friedhof als eine einzigartige Gelegenheit für Menschen, die Natur zu genießen und zu erleben. Nistkästen, Trockenmauern, Insektenhotels und Blumenmischungen helfen dabei, diese Diversität herzustellen.

Susanne Storath

Fotos: Harald Lachmann, Sebastian Hemmer, Sebastian Herzog, Dr. H.W. Wagner, LaGas, BuGas, igas

(Aktualisiert am 02.04.2019)