Der »David der Alpen«
- Erstellt von Willy Hafner
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»David« ist ein Bild von einem Mann aus Stein. Klug, elegant, mit lässiger Körperhaltung und einem Sixpack als Bauchpartie. Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni hat den idealen Mann aus Carrara-Marmor gemeißelt. 522 Jahre später steht der gleiche (nicht derselbe) Mann in der Gemeinde Klosters im schweizerischen Kanton Graubünden.
Dieser David ist eine Kopie. Das ist zunächst nicht ungewöhnlich. Er ist die meistkopierte Figur der Welt. Diese Kopie will jedoch will jedoch mehr sein als eine weitere Reproduktion. Die über fünf Meter hohe, mit Sockel über 17 Tonnen schwere Skulptur wurde aus reinweißem Marmor, dem sog. MARMO BIANCO MICHELANGELO, aus den oberhalb von Carrara gelegenen Polvaccio-Steinbrüchen gefertigt.
Dieser Marmor stammt laut Christian Bolt, dem Schweizer Maler und Bildhauer, der das Projekt initiierte, aus demselben Steinbruch wie Michelangelos Original. Bolt ist seit 2014 Professor für Bildhauerei an der Accademia delle Arti Del Disegno in Florenz und hat die David-Kopie im Bildhaueratelier Cave Michelangelo in Carrara entdeckt. Entstanden war sie nicht als Auftragsarbeit, sondern aus Leidenschaft von Franco Barattini, dem Besitzer des Unternehmens. Spezialisten erfassten dort das Original digital. CAD-gesteuerte Mehrachsroboter frästen anschließend einen Rohling aus dem Block. Hände, Augenhöhlen, Nasen- und Ohrmuscheln sowie weitere Details wurden händisch aus-, die gesamte Oberfläche überarbeitet.
Christian Bolt will den alpinen David nicht als Reproduktion verstanden wissen. Die Qualität des Steins und die Dimension der Skulptur stellen für ihn eine Sensation dar. Er will mit seiner Initiative die Renaissance-Ikone in einen neuen, alpinen Kontext stellen. Es interessiert ihn, was mit einer Ikone der Steinbildhauerei geschieht, wenn man sie aus ihrem vertrauten Zusammenhang reißt. Andererseits ist der neue Doppelgänger in den Schweizer Alpen nicht völlig abwegig. Immerhin ist David in der Bibel ein Hirtenjunge, also ein Kollege von »Heidis« Geißenpeter. Und in Florenz war er Sinnbild für die Unabhängigkeit der Bürger. Vielleicht passt Michelangelos David deshalb auch in die Schweiz; ein Held wie Wilhelm Tell – nur in sexy.
Noch bis zum 31. Oktober 2026 ist der David in Klosters zu sehen.

