Urnenhof Stuttgart: Neue Trauerkultur mit Naturstein und Recycling

Neu gestalteter Urnenhof auf dem Ostfilderfriedhof
Blick in die neu gestaltete Anlage während der Eröffnungsfeier (Fotos: Netzwerk Stein)
Im Pflasterbelag sind die Tierkreiszeichen als Juraplatten eingelassen. Im Vordergrund rechts die Laterne mit Kerzenfach als Symbol für Feuer sowie hinten die blaue Fahne für das Element Luft.
Im Pflasterbelag sind die Tierkreiszeichen als Juraplatten eingelassen. Im Vordergrund rechts die Laterne mit Kerzenfach als Symbol für Feuer sowie hinten die blaue Fahne für das Element Luft.
V.l.: Hans Peter Klein (Bezirksvorsteher von Sillenbuch), Birgit Blumenthaler (LH Stuttgart), Jürgen Elser und Anja Schweizer (Netzwerk Stein)
Bei der Einweihung des Urnenhofs (v.l.): Hans Peter Klein (Bezirksvorsteher von Sillenbuch), Birgit Blumenthaler (LH Stuttgart), Jürgen Elser und Anja Schweizer (Netzwerk Stein)

Der neu gestaltete Urnenhof auf dem Ostfilderfriedhof in Stuttgart-Sillenbuch wurde am 20. Mai 2026 eingeweiht. Unter dem Projektnamen "BUGA 77/24" knüpft die Anlage an die Bundesgartenschau 1977 an und verbindet historische Friedhofsgestaltung mit heutigen Formen der Trauer- und Erinnerungskultur. Das Netzwerk Stein und die Landeshauptstadt Stuttgart arbeiteten dabei unter der künstlerischen Leitung von Anja Schweizer zusammen. Die handwerkliche Umsetzung übernahmen der Stuttgarter Steinmetzbetrieb Alles Stein um Claus Schlemmer sowie Gartenbau König.

Der Urnenhof war bereits für die Bundesgartenschau 1977 als terrassierte Anlage entstanden. Er sollte eine gestalterische Alternative zu herkömmlichen Kolumbarien und betonierten Urnenwänden bieten, geriet jedoch im Lauf der Jahrzehnte zunehmend in Vergessenheit. Mit der Neugestaltung wird dieses Konzept wieder aufgegriffen. Jürgen Elser vom Vorstand des Netzwerks Stein sieht Friedhöfe dabei nicht als isolierte Bereiche, sondern als Bestandteile des urbanen Lebens, die Begegnung, Ruhe und ökologische Funktionen miteinander verbinden.

Die Gestaltung arbeitet mit mehreren künstlerischen und symbolischen Elementen. Zwölf radial angeordnete Steinplatten stehen für den Jahreszyklus und die Tierkreiszeichen; vier weitere Installationen thematisieren Feuer, Wasser, Erde und Luft. Im Pflaster sind zudem Tierkreiszeichen als Jura-Platten eingelassen. Eine abgestimmte Bepflanzung ergänzt die Anlage und schafft unterschiedliche Bereiche zum Verweilen und zur persönlichen Auseinandersetzung mit Trauer und Erinnerung.

Als räumliches Gestaltungselement markieren die sogenannten "Pforten der Ruhe" aus bepflanzten Stahlstäben den Übergang in den Urnenhof. Anja Schweizer konzipierte die Installationen mit dem Ziel, verschiedene Sinne anzusprechen und Besucher stärker in die Wahrnehmung des Ortes einzubeziehen. Zu den konkreten Elementen gehören unter anderem eine Installation mit beweglichen Fahnen für das Element Luft sowie eine Laterne mit Kerzenfach für das Element Feuer.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem ressourcenschonenden Umgang mit vorhandenen Materialien. Grabsteine aus der Bundesgartenschau 1977 bleiben als historische Zeitdokumente erhalten, während neue Grabmale aus Recyclingmaterial gefertigt werden. Zugleich soll die individuelle Gestaltung von Grabmalen und Bepflanzungen sichtbare Orte persönlicher Erinnerung schaffen. Damit verbindet das Konzept Bestandserhalt, Wiederverwendung und zeitgemäße Grabgestaltung.

Bei der Einweihung hoben Vertreter der Stadt die Bedeutung des Urnenhofs für die Vielfalt der Stuttgarter Friedhöfe hervor. Birgit Blumenthaler, Leiterin der Abteilung Friedhöfe, sieht darin einen Beitrag zur eigenständigen Identität des Ostfilderfriedhofs. Bezirksvorsteher Hans Peter Klein betonte das Zusammenspiel von historischer Substanz, Natur, Kunst und neuer Gestaltung. Eine Führung durch die Anlage sowie Beratungen zu individuellen Grabstätten ergänzten die Eröffnung.

Hinter der Neugestaltung steht die Initiative "PROFRIEDHOF" des Netzwerks Stein. Sie setzt sich in Baden-Württemberg dafür ein, Friedhöfe als Kulturgüter, Grünräume und Orte der Erinnerung weiterzuentwickeln. Neue Gestaltungsansätze sollen sich dabei respektvoll in historische Friedhofsbereiche einfügen. Der Ostfilderfriedhof dient als Beispiel dafür, wie vorhandene Strukturen erhalten und zugleich neue Formen des Erinnerns und der Grabgestaltung integriert werden können.

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