»Gesteine – Dokumente der Erdgeschichte«

Roland Vinx: Gesteine – Dokumente der Erdgeschichte

»Gesteine – Dokumente der Erdgeschichte« stellt v.a. einzelne Gesteinsarten vor. Seltene Gesteine wie Impaktgesteine, etwa der Suevit aus dem Nördlinger Ries, bleiben unberücksichtigt. Die Beschreibung der einzelnen Gesteinsarten geht in Tiefe und Detail deutlich weiter als sonst in Gesteinsbüchern für das allgemeine Publikum üblich. So wird z. B. für Granite eine weitere Unterteilungsebene erklärt, die auf Ursprung und Entstehungsweise des granitischen Magmas Bezug nimmt. Die vulkanischen Gesteine, insbesondere die Basalte, sind ähnlich detailliert behandelt. Der Schwerpunkt liegt erkennbar auf magmatischen Gesteinen, ohne Sedimentgesteine zu vernachlässigen.

Trotz des Untertitels des Buches »Ihre Entstehung und Bedeutung für Klima, Leben und Landschaft« wird zur Bedeutung von Gesteinen für Klima und Leben nicht viel Information vermittelt. An Inhalt mangelt es dem Buch dennoch nicht. Die Texte sind sachlich und gut verständlich geschrieben. Ein Index hilft bei der Erklärung von Fachbegriffen. Auf 295 Seiten enthält das Buch 438 überwiegend farbige Abbildungen, ergänzt durch Diagramme und Schemata. Die ausführlichen Bildlegenden sind präzise auf die Darstellungen abgestimmt.

Was fachlich informierte Leser verwirren könnte: Im Buch wird die leichte Zerteilung von Gestein wie Ton- und Glimmerschiefer sowie Phyllite in dünne Platten dadurch erklärt, dass das Gestein durch tektonische Kräfte geschert worden sei. Das Gestein sei der Scherspannung gefolgt, indem es sich in einen Stapel dünner Platten zerlegte, die dann leicht übereinander gleiten konnten. Damit ist der Begriff »Schieferung« aber nicht hinreichend erklärt. »Schieferung« kann auch in Gesteinen beobachtet werden, die nicht erkennbar geschert wurden. Entscheidend ist, dass sie in einem charakterbestimmenden Anteil aus flachen Kristallen in gleichsinniger Orientierung bestehen.

Fachliche Vorbehalte gibt es auch bei der Verwendung des Begriffs »Rogenstein«. Im Buch wird er mit einer in Norddeutschland vorkommenden Variante eingeführt. »Rogenstein« wird aber noch für eine weiter verbreitete Gruppe von Gesteinen verwendet und ist die deutsche Bezeichnung für einen Oolith, genauer einen Kalkoolith. Kalkoolithe sind im südlichen Europa verbreitet und bilden im Juragebirge (Schweiz/Frankreich) sogar eine eigene Formation – den »Hauptrogenstein«. Im Schweizer Jura ist der Rogenstein bzw. Kalkoolithe landschaftsbildend.

Roland Vinx: Gesteine – Dokumente der Erdgeschichte. Ihre Entstehung und Bedeutung für Klima, Leben und Landschaft, 
312 S., Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, September 2024, ca. 50 €, ISBN 978-3-494-01957-4

Zum Autor
Roland Vinx lehrte bis 2010 als Professor am Mineralogisch-Petrographischen Institut der Universität Hamburg. Mit »Gesteine – Dokumente der Erdgeschichte« und »Gesteinsbestimmung im Gelände« hat er zwei Bücher verfasst, die einen umfassenden und detaillierten Überblick über Entstehung, Eigenschaften und Verwendung von Gesteinen geben. Das jüngere Buch von 2024 »Gesteine – Dokumente der Erdgeschichte« hat den Charakter einer attraktiv gestalteten Übersicht für das allgemeine Publikum. »Gesteinsbestimmung im Gelände«, in vierter Auflage 2015 erschienen, ist eher ein Lehr- und Fachbuch für akademischen und professionellen Gebrauch, eignet sich aber auch für alle an Gesteinen interessierte Laien zum Selbststudium und als Handbuch für Steinmetze und Denkmalpfleger. Trotz deutlicher Überschneidungen lohnt sich bei vertieftem Interesse die Anschaffung beider Bände.
 

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