Vom Steinmetz zur Lehrkraft – Karrierewege zwischen Werkbank und Klassenraum
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Wer beim Steinmetzhandwerk nur an Hammer, Meißel und jahrhundertealte Tradition denkt, liegt heute nur halb richtig. Moderne Steinmetzschulen verbinden klassische Handwerkstechniken mit CAD-Programmen, CNC-Technik, digitalen Aufmaßen und 3D-Druck. Gleichzeitig werden Lehrkräfte gesucht, die ihre fachlichen Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben. Besonders in Niedersachsen eröffnen sich für Steinmetze und Steinbildhauer verschiedene Wege in den Schuldienst – vom klassischen Lehramtsstudium bis zum Quereinstieg aus verwandten Berufsfeldern.
Mehr als Theorie und Klassenarbeiten
Der Unterricht an einer berufsbildenden Schule ist vielseitiger, als es das klassische Bild des Lehrerberufs vermuten lässt. Lehrkräfte im Steinmetzbereich vermitteln Werkstoffkunde, Gestaltung, Konstruktion und Maschinentechnik. Sie begleiten praktische Projekte und unterstützen Auszubildende auf ihrem Weg ins Berufsleben. Gefragt sind deshalb nicht nur pädagogische Fähigkeiten, sondern auch fundierte Kenntnisse aus der handwerklichen Praxis. Denn Naturstein lässt sich nicht allein aus Büchern verstehen. Wer Materialien, Werkzeuge und Bearbeitungsverfahren aus eigener Erfahrung kennt, kann dieses Wissen unmittelbar in den Unterricht einbringen.
Vom Steinmetzmeister zum Berufsschullehrer
Wie ein solcher Berufsweg aussehen kann, zeigt die Laufbahn eines heutigen Lehrers an der Steinmetzschule in Königslutter. Als Sohn eines Steinmetzes wuchs er im elterlichen Betrieb auf und sammelte früh praktische Erfahrungen mit Naturstein. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Steinmetz und legte später die Meisterprüfung im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ab. Anschließend arbeitete er als Lehrwerkmeister in der Überbetrieblichen Lehrunterweisung (ÜLU). Dort entdeckte er seine Freude daran, Auszubildende anzuleiten und handwerkliches Wissen weiterzugeben. Den Anstoß zum Wechsel in den Schuldienst gab schließlich der damalige Schulleiter der Berufsschule in Königslutter. Es folgte ein Lehramtsstudium für berufsbildende Schulen in Hannover mit dem Zweitfach Sport.
Traditionelle Techniken und digitale Fertigung
Auch die Inhalte der Steinmetzausbildung haben sich weiterentwickelt. Neben traditionellen Bearbeitungstechniken gehören heute CAD-Zeichnungen, CNC-gesteuerte Maschinen, digitale Aufmaße und 3D-Druck zum Ausbildungsalltag. Moderne Fertigungsverfahren unterstützen die Bearbeitung und Gestaltung von Naturstein, setzen aber weiterhin ein grundlegendes Verständnis für Materialeigenschaften, Konstruktion und handwerkliche Qualität voraus. Lehrkräfte müssen deshalb sowohl klassische Arbeitstechniken als auch aktuelle technische Entwicklungen vermitteln können. Gerade diese Verbindung von Handwerk und Digitalisierung prägt den Unterricht an modernen Steinmetzschulen.
Lehramtsstudium und Quereinstieg
Der klassische Weg in den Lehrerberuf führt über ein Studium für das Lehramt an berufsbildenden Schulen. Dabei werden eine berufliche Fachrichtung und ein allgemeinbildendes Zweitfach studiert. Anschließend folgt das Referendariat. Doch nicht jeder entscheidet sich unmittelbar nach dem Abitur für eine pädagogische Laufbahn. Gerade im technischen und handwerklichen Bereich bietet Niedersachsen auch Möglichkeiten für den Quereinstieg. Wer beispielsweise Bauingenieurwesen, Architektur oder Restaurierung mit Schwerpunkt Naturstein studiert hat und mehrjährige Berufserfahrung mitbringt, kann unter bestimmten Voraussetzungen in den Schuldienst wechseln. Die erforderliche pädagogische Qualifizierung erfolgt dabei häufig berufsbegleitend.
Einstieg auch mit Bachelorabschluss möglich
Aufgrund des Lehrkräftemangels entstehen zunehmend flexiblere Zugangswege. Auch Bewerber mit einem Bachelorabschluss können unter bestimmten Voraussetzungen in den Schuldienst einsteigen. Fehlende Studieninhalte, insbesondere im pädagogischen Bereich, lassen sich häufig berufsbegleitend ergänzen. Damit ergeben sich zusätzliche Perspektiven für Fachkräfte, die ihre beruflichen Erfahrungen künftig in der Ausbildung einsetzen möchten. Welche Qualifikationen im Einzelfall erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Zugangsweg ab.
Praxiswissen für die nächste Generation
In den kommenden Jahren werden zahlreiche erfahrene Lehrkräfte im handwerklichen Bereich in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig benötigt das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk qualifizierten Nachwuchs, der sowohl traditionelle Techniken als auch moderne Fertigungsverfahren beherrscht. Entsprechend gefragt sind Fachkräfte, die neben handwerklicher Erfahrung auch Freude an der Arbeit mit jungen Menschen mitbringen. Der Wechsel in den Schuldienst bedeutet damit nicht zwangsläufig, die Werkbank vollständig hinter sich zu lassen. Vielmehr eröffnet er die Möglichkeit, das eigene Wissen weiterzugeben und die Ausbildung der nächsten Steinmetzgeneration mitzugestalten.
Nach einem Text/Aufruf von StD Kai Görder, Schulleiter an der Steinmetzschule Königslutter

