Ursachenforschung statt Symptombehandlung – Gewerkeübergreifende Fachtagung zur Zukunft der Friedhöfe

Die Veranstalter v.l.n.r.: Günter Czasny, stellv. GF Kunstgiesserei Strassacker, Holger Enke, Referent für Friedhofsangelegenheiten im Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsen, Tobias Neubert, Landesinnungsmeister LIV Sachsen, Jens Atmanspacher, Landeskirchlicher Friedhofspfleger des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamts Sachsen, und Frank Lehmann, Vizepräsident des Landesverbands Gartenbau Sachsen e.V.
Die Fachtagung war gut besucht.
Die Ergebnisse der Diskussionsrunden

"Wohin am Ende – Brauchen wir noch Friedhöfe?" – zu diesem Thema veranstalteten die Landesinnungsverbände Sachsen, Thüringen und Brandenburg in Kooperation mit den Friedhofsgärtnern, Bestattern und weiteren Friedhofsverantwortlichen eine Fachtagung im Rahmen der Landesgartenschau in Frankenberg.

"Wohin am Ende – Brauchen wir noch Friedhöfe?" – zu diesem Thema veranstalteten die Landesinnungsverbände Sachsen, Thüringen und Brandenburg in Kooperation mit den Friedhofsgärtnern, Bestattern und weiteren Friedhofsverantwortlichen eine Fachtagung im Rahmen der Landesgartenschau in Frankenberg. Verteilt auf zwei Tage kamen mehrere Branchenexperten zu Wort.

Günter Czasny, stellvertretender Geschäftsführer der Kunstgießerei Strassacker, erörterte die Gründe der gegenwärtigen Friedhofsmisere. In Anbetracht der Konkurrenz durch alternative Bestattungsformen seien die klassischen Friedhöfe gefordert, etwas zu ändern. Gängige Lösungsvorschläge seien "mehr Grünflächen innerhalb der Friedhöfe für die Natur und die Bevölkerung", "mehr Abwechslung in Form von Cafés oder Kulturveranstaltungen" und "Anbieten sämtlicher alternativer Bestattungsformen auf dem eigenen Friedhof". Diese seien zwar nicht falsch, würden jedoch das eigentliche Problem nicht beheben.

Meist werde das Wesentliche übersehen, nämlich das Verhalten bzw. die Bedürfnisse der Trauernden. So sei bei vielen Bestattungsformen das Ablegen von Grabschmuck untersagt. Das sei für trauernde Menschen fatal. "Während viele Menschen die Grabpflege als Pflicht, Last oder Zwang empfinden, möchten sie mit der Wahl einer alternativen Bestattungsform nicht per se von allgemeinen Handlungen am Grab ausgeschlossen werden. Das ist der elementare Unterschied, der vielerorts missverstanden wird", erklärte Czasny.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Problematik sei das Friedhofsimage in der Öffentlichkeit derzeit überwiegend negativ besetzt. Dabei hätten die Friedhöfe das Instrument für einen grundlegenden Imagewechsel selbst in der Hand. In dem sie den Hinterbliebenen eine größtmögliche Gestaltungsvielfalt der Bestattungsstellen gestatten, könnte aus dem Ort der Entsorgung – wie die Friedhöfe von vielen gesehen würden – wieder ein Ort werden, der als Trauerort wahrgenommen wird. "Oftmals reichen schon kleine Korrekturen wie die Anpassung der Friedhofsordnung, für einen nachhaltigen Imagewandel", so Czasny. Dies sei zugleich ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber den alternativen Angeboten. Denn weder in Wäldern noch auf hoher See könne derart gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der Angehörigen eingegangen werden. In Diskussionsrunden tauschten sich die Teilnehmer zu dieser Problematik aus, die am 25. Oktober auf dem Zukunftskongress "Heilsame Abschiede" vertiefend behandelt wird (nähere Informationen zum Kongress hier). Weitere Referenten waren Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK) und Prof. Dr. Gerd Merke aus dem Vorstand der Zusatzversorgungskasse Wiesbaden (ZVK). 

(veröffentlicht am 9. Juli 2019)

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