Der Friedhof der Grabsteine
- Erstellt von Christine Kulgart
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Nahe der Bahngleise in Schwaighofen, Kreis Neu-Ulm, schichten sich Grabmale über Grabmale. Bei manchen ist die Schrift bereits entfernt, bei anderen noch komplett lesbar. Es sind Kreuze und typische Grabsteine, Abgrenzungen und Grabplatten. Bereits seit mehr als 80 Jahren werden hier Grabmale gesammelt – und dementsprechend groß ist die Sammlung. Laut dem Buch „Neu-Ulm – echt jetzt?“ von Lioba Geggerle und Thomas Vogel aus dem Jahr 2023 steht das Lapidarum vor der Auflösung. Im Jahr 2025 ist es allerdings nach wie vor da. Gut gesichert mit einem Stahlzaun, der dennoch einen Blick auf die vielen unterschiedlichen Steine gewährt.
Steinerne Museen
Bei einem Lapidarium (abgeleitet aus dem Lateinischen von „lapis“, was „Stein“ bedeutet) handelt es sich um eine Ansammlung von Steinwerken wie Skulpturen, Meilensteinen und Grabsteinen aus verschiedenen Epochen bzw. Jahrgängen. Oft findet man sie an Ausgrabungsorten. In Schwaighofen im Bäumlesweg finden eben Grabsteine ihre letzte Ruhe.
Ein zweites Leben für Grabsteine
Ín seltenen Fällen nehmen Angehörige nach einer Grabauflösung den Grabstein mit nach Hause, um ihn beispielsweise im Garten zu platzieren. Zumeist kümmert sich die Friedhofsverwaltung, Mitarbeitende des Friedhofs oder aber ein Steinmetzbetrieb um die Entfernung. Angehörige tragen dabei die Kosten. Hochwertige Grabsteine können gegebenenfalls bei einem Steinmetzbetrieb in Zahlung gegeben werden. Heute ist das Recycling von Grabsteinen nicht mehr ungewöhnlich: Das robuste Material kann geschliffen und neu bearbeitet werden. Ob dies auch das Schicksal der vielen Grabmale im Lapidarium ist? Man weiß es nicht. Ein Spaziergang am Zaun entlang lädt allerdings zum Entdecken und Nachdenken ein.

