Das Portal öffnet sich: Tage der offenen Schlossbaustelle

Zwischen den Portalen IV und V des rekonstruierten Barockschlosses wurde das Gerüst auf einer Breite von 30 Metern abgebaut. Fotos: Sabine Meißner
Martin Hohn vom Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser, verantwortlicher Bauleiter in Berlin
Am Wochenende wird der Öffentlichkeit auch ein Blick in den Schlüterhof gewährt, wo drei barocke Fassaden wiedererrichtet werden.

Fünf Natursteinbetriebe bauen an Deutschlands derzeit prominentester Kulturbaustelle, dem rekonstruierten, einstigen Hohenzollernschloss auf der Berliner Museumsinsel. Am 24. und 25. Juni kann die Öffentlichkeit bei Tagen der offenen Baustelle das fertige Eosanderportal und weitere bauliche Attraktionen besichtigen.

Fünf Natursteinbetriebe bauen an Deutschlands derzeit prominentester Kulturbaustelle, dem rekonstruierten, einstigen Hohenzollernschloss auf der Berliner Museumsinsel (Naturstein hat wiederholt berichtet). Es sind die Unternehmen Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser, Hofmann Naturstein aus Gamburg, das Dresdener Unternehmen Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer, die Firma Dreßler Bau, ebenfalls aus Dresden, sowie das Unternehmen F. X. Rauch mit Hauptsitz München. Je nach Baufortschritt  steht dieser oder jener Betrieb besonders im Blickpunkt der Medien. In dieser Woche waren es gleich zwei, die den Teilnehmern des Presserundgangs wegen ihrer sichtbaren Erfolge vorgestellt wurden. Die Vorstandsmitglieder der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss Lavinia Frey (Kultur), Hans-Dieter Hegner (Bau) und Johannes Wien (Sprecher) zeigten das fertiggestellte Eosanderportal in der großen Eingangshalle und weitere bauliche Attraktionen, die an Tagen der offenen Baustelle am 24. und 25. Juni zu sehen sein werden. Dann heißt es "Portal auf", wenn der Öffentlichkeit ein Blick hinter die Kulissen, besser gesagt: hinter die Fassaden, geboten wird. 

Sandsteinfassaden und Eosanderportal in voller Pracht
Auf der Lustgartenseite zeigt sich ein Teil des kolossalen Gebäudes bereits in voller (Naturstein)Pracht. Zwischen den Portalen IV und V wurde das Gerüst auf einer Breite von 30 Metern abgebaut. Anstelle großer Werbeplanen, die bislang fast die gesamte Fassade verdeckten, ist nun auf diesem Stück zu sehen, wie sich das Gebäude in einigen Monaten präsentieren wird: hell und fröhlich in barocker Neubauweise. Die Fassade wurde von Mitarbeitern des Bamberger Natursteinwerkes nach Vorgabe hellgelb geputzt. "Eigentlich gehört das Putzen ja nicht zu unserem Aufgabenbereich", erklärte Martin Hohn, verantwortlicher Bauleiter des Bamberger Unternehmens in Berlin, im Gespräch mit Naturstein, "aber ausnahmsweise haben wir diese Arbeit ausgeführt". Der Stolz, den Berlinern und anderen Besuchern nun einen Teil der Fassade zeigen zu können, ist Hohn anzumerken. Das Unternehmen ist verantwortlich für die Fertigung und Montage Tausender Kubikmeter Steinmetzarbeit sowie Hunderter Bildhauerstücke für die Schlossfassaden sowie die kompletten Mauerwerksleistungen. 

"Bis auf acht Steine ist das Portal V, neben Portal I der Zugang zum weltberühmten Schlüterhof,  am Wochenende fertiggestellt", sagte Hohn. Auch mit allen weiteren Arbeiten, beispielsweise der Balustrade, liege das Bamberger Werk im Zeitplan. "Gerade haben wir die Serliana von Portal V gesetzt", berichtete Hohn weiter. Wegen der Kopflastigkeit sei das eine besondere Herausforderung. In 20 Meter Höhe über dem Portal V montiert Hohn mit seinen Fachleuten bis zu fünf Tonnen schwere Werkstücke, um hinter den Baugerüsten die Serliana, auch Venezianisches Fenster genannt, fertigzustellen. Sie werde sich später, wenn auch dieser Teil der Gerüste rückgebaut sein wird, besonders eindrucksvoll präsentieren: bekrönt von einem Genius mit Palmenwedel und einer Fama, der Gottheit des Ruhmes, mit Posaune. Ein Gipsmodell diente den Steinbildhauern als Vorlage für die Kopie aus schlesischem Sandstein. Ende Mai wurde mit der Montage der schweren Werkstücke begonnen. Mit dem Montieren des Traufgesims und der Balustrade soll das Portal V dann bis Ende Juli 2017 vollständig fertiggestellt sein.

An den Tagen der offenen Baustelle wird die Schlossbauhütte mit ihrem Leiter Bertold Just vor der freigelegten Fassade zeigen, wie es gelang, die barocke Schönheit des Gebäudes heute wieder lebendig werden zu lassen. "Neben viel Einfühlungsvermögen sowie Lehm, Gips und Sandstein gelingt es vor allem mit überragender Fachkenntnis und Bildhauerkunst", heißt es vorab.

Eine weitere Überraschung bietet sich den Besuchern im Inneren des Gebäudes, denn das Eosanderportal im großen Foyer ist ebenfalls fertiggestellt. Hier haben die Dresdener Fachleute von Dressler Bau ein beachtliches Werk vollbracht. Die Innenseite des Triumphbogen-Portals unter der Schlosskuppel beeindruckt mit Größe: 33 Meter hoch türmen sich die Sandsteinsäulen und geben dieser Eingangshalle einen überwältigenden Charakter. Hier sei ein Saal entstanden, den es weder in Berlin noch in ganz Deutschland ein zweites Mal gibt, verkündete der Vorstand der Schloss-Stiftung. Eine Erläuterung gab es auch zum Namen des Portals. Weil Andreas Schlüter seinerzeit ein Desaster mit dem Bau des Münzturms erlitt, deshalb von König Friedrich I. in Preußen entlassen wurde und Eosander von Göthe offiziell den leitenden Oberbaumeister Schlüter in der Fortsetzung des Schlossbaus ablöste, konnte der dieses Portal im Westflügel des Schlosses bauen.

Der Idee des Architekten Franco Stella entsprechend, wird der Öffentlichkeit am Wochenende auch ein Blick in den Schlüterhof gewährt, wo drei barocke Fassaden wiedererrichtet werden. Laut Stiftungsvorstand ist die Bauabnahme des gesamten Gebäudes für Ende 2018 und die Eröffnung als Humboldt Forum für Ende 2019 vorgesehen.  

(23.6.2017) 

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