Das globale Natursteinerbe

St.-Paul’s-Cathedral
Die St.-Paul’s-Cathedral besteht aus PORTLAND STONE – die erste als Globales Natursteinerbe anerkannte Gesteinssorte. (Foto: Albion Stone)
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Prof. Dr. Barry Cooper
Prof. Dr. Barry Cooper, Generalsekretär der Heritage Stone Task Group (HSTG), (Foto: privat)

Was haben die Akropolis und das Taj Mahal gemein? Beide sind Weltkulturerbe, und beide sind aus Naturstein. Die Internationale Union der Geologischen Wissenschaften will das Natursteinerbe gezielt fördern.

Die Pyramiden von Gizeh, die Akropolis von Athen, das Taj Mahal in Indien, die Chinesische Mauer sowie die moderne Hauptstadt Brasilia sind laut UNESCO Welt­kulturerbe und bestehen großenteils aus Naturwerkstein. Das brachte die Internationale Union der Geologischen Wissenschaften (IUGS) auf die Idee, die verwendeten Gesteinssorten als globales Erbe auszuweisen. Die 1961 gegründete IUGS gehört zu den weltweit größten nicht-staatlichen wissenschaftlichen Organisationen.

Im Dialog mit der UNESCO
Auf ihrem 33. Weltkongress in Oslo führte sie 2008 den Titel "Global Heritage Stone Resource", kurz GHSR, für das "Globale Erbe der Natursteinvorkommen" ein. Die Projektaufsicht hat der Ausschuss für Bau- und Werksteine des Internationalen Verbands für Ingenieurgeologie und Umwelt (IAEG C-10).
2011 trat die IUGS in Dialog mit der UNESCO und den ihr verbundenen Beratungsgremien IUNC (Welt-Naturschutz-Union), ICOMOS (Denkmalschutz) und ICCROM (Internationales Forschungszentrum für Denkmalpflege und Restaurierung). Die Initiatoren der GHSR unterstützen das Weltkulturerbe, indem sie die zur Bewahrung dieses Erbes notwendigen Naturwerksteine besonders schützen und ihnen zu mehr Anerkennung verhelfen, so das erklärte Ziel. Schützen will die IUGS darüber hinaus auch andere für architektonische und künstlerische Meisterwerke geeignete Natursteine mit nachweislicher Bedeutung für die menschliche Kultur.

Schützenswerte Vorkommen
Die sog. Heritage Stone Task Group (HSTG) – eine internationale Arbeitsgruppe des GHSR, hat inzwischen
23 Natursteinvorkommen als schützenswertes Erbe benannt. Der englische PORTLAND STONE, der an der berühmten St.-Pauls-Kathedrale in London zum Einsatz kam, ist sogar schon offiziell anerkannt. Diesem schönen und haltbaren Kalksandstein verdankt übrigens auch der Portlandzement seinen Namen, ein Produkt, das schon seit fast 200 Jahren für PORTLAND STONE wirbt.
Neben den Erbe-Kandidaten umfasst die Interimsliste weitere 67 Steine, siehe Liste.
Nur der SOLNHOFENER KALKSTEIN hat es bislang als einziger deutscher Stein in diese Liste geschafft.

Ich danke Herrn Dr. Jochen Lepper aus Hannover für die kritische Durchsicht des Manuskripts.

Kontakt:
Prof. Dr. Barry J. Cooper
Secretary-General, Heritage Stone Task Group
School of Natural and Built Environments
University of South Australia
(Mawson Lakes Campus)
GPO Box 2471
AU-Adelaide  SA 5001
Tel. 0061 8 83025769
barry.cooper(at)unisa.edu.au

www.globalheritagestone.org
www.globalheritagestone.com

Interview mit Prof. Dr. Barry Cooper, Generalsekretär der Heritage Stone Task Group (HSTG):

Naturstein gezielt fördern
Naturstein:
Von wem stammt die Idee, ein "Globales Erbe der Natursteinvorkommen" einzurichten?
Prof. B. Cooper: Schon im August 2007 hatte ich dem inzwischen verstorbenen Präsidenten der zuständigen IAEG-Commission 10, Asher Shadmon, vorgeschlagen, Bau- und Werksteine in einer internationalen Vereinbarung anzuerkennen. Das wurde dann weiterentwickelt.

Warum sind in den Listen des GHSR die heutigen Steinexport-Weltmeister Indien und China nicht vertreten?
China und Indien sind sehr wohl beteiligt, wenn auch weniger als Europa. Unsere GHSR-Arbeitsgruppe hat einen Vizepräsidenten aus Indien. Der Vizepräsident aus Japan hat gerade ein Sammelwerk über das Natursteinerbe in Ost- und Südost­indien zusammengestellt, das bald erscheinen soll. Ich selbst konnte im vergangenen Jahr in China die Abbaustätten und das Museum des weißen Marmors von Gaozhuang besuchen. Zudem ist ein Spezialist für chinesische Jade korrespondierendes Mitglied der Arbeitgruppe.

Kann jeder eine Gesteinssorte für die GHSR-Liste vorschlagen?
Grundsätzlich kann das jeder. Das vorgeschlagene Natursteinvorkommen muss nur die meisten der Kriterien erfüllen, die in einer GHSR-Checkliste festgelegt sind. Gemäß dieser Liste sollte der vorgeschlagene Naturstein mindestens 50 Jahre in Nutzung, weit verbreitet, an bedeutenden Gebäuden verwendet und auch in Zukunft verfügbar sein. Mit dem Stein geschaffene Bauten sollten als kultureller Schatz oder beispielhafte Architektur anerkannt sein und sich am besten auch mit der nationalen Identität in Verbindung bringen lassen.
Außerdem sollte die GHSR-Nominierung einen Nutzen für den Naturstein und
seine Verwendung nach sich ziehen.

In die Listen des GHSR hat es mit SOLNHOFENER KALKSTEIN bisher nur ein einziger deutscher Stein geschafft. Gibt es Chancen für andere deutsche Naturwerksteinsorten?
Durchaus. Allerdings müssen die Natursteinerbe-Spezialisten die dafür benötigten Informationen in der vorgesehenen Checkliste zusammentragen und bewerten, ob sich aus der Liste Vorteile für den jeweiligen Naturstein ergeben.

Ist die Liste bzgl. der Anzahl der Steine begrenzt oder nach oben offen?
Es gibt kein Limit, also: nach oben offen.

Ihre Botschaft an die Naturstein-Her­steller, Händler, Steinmetze und Steinbildhauer?
Ich möchte sie auf die Vorteile hinweisen, die eine GHSR-Nominierung mit der damit verbundenen Dokumentation und anschließenden Anerkennung mit sich bringt: Durch die Nominierung werden der jeweilige Naturstein, seine nachhaltige Nutzung, seine Anwendungsmöglichkeiten sowie seine Bedeutung für die menschliche Kultur und regionale Wirtschaftsentwicklung einer breiteren nationalen und internationalen Öffentlichkeit näher gebracht. Es geht dabei auch um die planerische Sicherung von Naturstein-Lagerstätten und ihren Schutz vor z.B. konkurrierenden anderweitigen Nutzungsanforderungen.
Weiterhin kann es mancherorts wichtig sein, das jeweilige Management in der Natursteingewinnung dahingehend zu bestärken, den Naturstein auch künftig noch zur Verfügung zu stellen und seine Verwendung zu ermöglichen.
Besonders wichtig ist uns aber auch, dass es durch verstärktes öffentliches Interesse auch zu einem Austausch unter Fachleuten bzw. Experten kommt, speziell Geologen, Regionalplaner, Architekten und Bauingenieure. Die Naturstein-Forschung wird so vorangetrieben, auch durch vermehrte Zitate und Verweise in angewandt-wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Nicht zuletzt geht es um Hilfestellung in der Werbung für Naturwerksteine, die ja nicht nur als Werk- und Dekorationsstein, sondern auch für unser Geschichtsbewusstsein und den Tourismus bedeutend sind.
Interview: Dr. H. Wolfgang Wagner

Der Artikel über "Das globale Natursteinerbe" wird in unserer nächsten Ausgabe veröffentlicht, die am 1. August erscheint!

(Erschienen am 26.07.2016)

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