Wie Kinder trauern

Dieser Grabstein in Form einer Kugelbahn von Marcus Gröger geht auf einen Ausspruch des Verstorbenen zurück. Seine Kinder hatten bei Friedhofsbesuchen Langeweile geäußert und sich "etwas zum Spielen" gewünscht. In Erinnerung daran gestalteten die nun erwachsenen Kinder das Grab des Vaters für ihre Kinder als Kugelbahn, die rund um eine 1,60 m hohe Basaltsäule verläuft, "mal enger und mal weiter, so wie das Leben ist", sagt Gröger. Die Kugeln fallen in eine Klangschale. (Foto: Günther Schmid)

Die traditionellen Erklärungsversuche Erwachsener, dass der "Opa eingeschlafen sei" oder die "Oma jetzt im Himmel bei den Engeln sei", verstehen gerade Kinder in jungen Jahren nicht. Ganz im Gegenteil können solche Umschreibungen für den Tod eines liebgewonnenen Menschen bei Kindern Ängste auslösen und zum Beispiel Schlafstörungen verursachen. "Wir wollen Kindern eigentlich helfen und lassen sie durch falsche Rücksichtnahme doch allein", sagt Oliver Wirthmann, Theologe und ehemals Geschäftsführer im Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. Die pauschale Antwort auf die kindlich-naive Frage, was Tod ist – "Das verstehst du noch nicht, dazu bist du zu klein" – rührt in vielen Fällen von der Ratlosigkeit und eigenen Angst Erwachsener her, die nicht wissen, wie sie den Tod einem Kind erklären sollen. Was viele Erwachsene, die sich so verhalten, nicht bedenken: Kinder trauern anders als die Großen. Die kindliche Trauer ist oft sprunghaft. Während sie im einen Moment weinen, springen sie im nächsten Augenblick wieder fröhlich auf die Schaukel. Kinder agieren oftmals spontan, ziehen sich zurück oder sind aggressiv und wütend. Das sind genauso Zeichen von kindlicher Trauer wie albernes, ausgelassenes Verhalten, ganz so, als ob nichts geschehen wäre. Die Trauer wird zudem spielerisch verarbeitet, indem sich zwei Puppen über den Tod des Papas oder der Schwester unterhalten oder der Teddy in eine Kiste gelegt wird.

Kinder zur Mitarbeit einladen
Kein Kind ist zu "klein", wenn es um den Tod und die Trauer eines Angehörigen geht. Etwas zu tun und aktiv zu sein, hilft Groß und Klein, die Angst vor dem Traurigen zu verlieren. Kinder erleben dadurch, dass sie für den verstorbenen Opa oder die Oma auch nach deren Tod noch etwas tun können. Steinmetzbetriebe, die Hinterbliebenen eine direkte Mitarbeit bei der Grabmalherstellung ermöglichen, sollten Geschwisterkinder nicht außer Acht lassen. In Naturstein 12/2020 werden Beispiele gezeigt, wie diese Mitarbeit aussehen kann.

(Veröffentlicht am 4. Januar 2021)

 

Autor/in: Lars Schmitz-Eggen