Verbandstagung auf der Landesgartenschau

v.l.: LIM Gustav Treulieb (l.) überreicht Bürgemeister Thomas Schärer eine Steinskulptur.

Thomas Florian, Waldemar Beck und Eduard Schnell (v.l.) wurden von LIM Treulieb und GF Roland Müller geehrt.

Siegerehrung des Gestaltungswettbewerbs Grabzeichen

Im Rahmen der Landesgartenschau in Sigmaringen kamen am 13. Juli die Baden-Württembergischen Steinmetze und Steinbildhauer zu ihrer diesjährigen Landesverbandstagung zusammen. Rund 80 Vertreter von Innungsbetrieben, Industriepartnern, Schulen und Partnerorganisationen waren der Einladung des Landesinnungsverbands Baden-Württemberg in die Stadthalle gefolgt, die Teil der Gartenschau ist.

Landesinnungsmeister Gustav Treulieb berichtete in seiner Eingangsrede über die Verbandsaktivitäten. Erfreulicherweise sei es durch die Teilnahme an der Landesartenschau gelungen, einzelne Mitglieder der ausgetretenen Innung Sigmaringen als Direktmitglieder für den Landesverband zu gewinnen. Positiv wertete der BIM auch, dass 20 Nichtmitglieder der Einladung zu einer Verbandsveranstaltung in Freiburg gefolgt waren. In diesem Zusammenhang wies Treulieb auf die negativen Auswirkungen hin, die durch den Verlust der Eigenständigkeit für das Steinmetzhandwerk entstehen würden. Außerdem betonte er die Notwendigkeit der Werbeumlage für die Imagekampagne und die Aktivitäten des Verbands bei der Nachwuchsgewinnung, und sprach über den Umgang mit  Kinderarbeit, die CE-Kennzeichnung und den Mindestlohn.

Gelungener Beitrag
Thomas Schärer, Bürgermeister der Stadt Sigmaringen, zeigte sich in seiner Gastrede begeistert vom Beitrag des Steinmetzhandwerks auf der bis dato hervorragend besuchten Landesgartenschau. Anknüpfend an die Worte seines Vorredners sprach Treulieb den Steinmetzen aus Sigmaringen und Umgebung seinen besonderen Dank für ihren gelungenen Ausstellungsbeitrag aus. Er betonte, dass es ohne das Engagement der Mitglieder vor Ort  nicht möglich gewesen wäre, das Handwerk bei dieser Großveranstaltung so hervorragend zu repräsentieren.

Stefan Nigg aus Winterthur, Vizepräsident des Verbands Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister, brachte mit seiner Anwesenheit und einem Grußwort die Verbundenheit zum Baden-Württembergischen Steinmetzhandwerk zum Ausdruck.

Friedhofsrecht
Von zentraler Wichtigkeit waren auf der Tagung die Rechtsvorschriften, mit denen die Steinmetze auf dem Friedhof konfrontiert werden. Die Novellierung des Bestattungsgesetzes und das Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit sind nur zwei von vielen Themen, bei denen es gilt, die richtige Balance zu finden. Hierzu referierte und informierte ausführlich Dietmar Ruf, Referent beim Gemeindetag Baden-Württemberg, dem es mit fundiertem Wissen gelang, Probleme anzusprechen, aber auch Wege der Lösung aufzuzeigen. Ruf äußerte sich in seinem Vortrag kritisch zur Praxis der Badischen Friedhofsgärtergenossenschaft in Sachen Gemeinschaftsgrabanlagen. Hier herrsche Prüfungsbedarf.

In der nachfolgenden Diskussion bezog Prof. Dr. Gerd Merke aus friedhofsrechtlicher Sicht Stellung zum Thema Gemeinschaftsgrabanlagen und beantwortete Fragen der Tagungsteilnehmer. Garten- und Landschaftsarchitekt Michael Martin, der als freier Mitarbeiter für das NETZWERK STEIN Kommunen bei der Planung und Umsetzung von Gemeinschaftsgrabanlagen berät, wies in seinem Kurzvortrag auf die Chancen hin, die sich dem Steinmetzhandwerk bei einer sich verändernden Friedhofslandschaft bieten. Er betonte, dass nur eine starke Gemeinschaft sich das nötige Gehör bei Friedhofs- und Entscheidungsträgern verschaffen kann.

Gestaltungswettbewerb 
Der Gestaltungswettbewerb Grabzeichen wurde in diesem Jahr zum ersten Mal unter Vorsitz von Jörg Failmezger, Obermeister der Innung Ludwigsburg-Böblingen-Rems-Murr, durchgeführt. Vergeben wurden bei 90 Einsendungen (33 Teilnehmer) 45 Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze. Mit Gold zeichnete die Jury zwei Grabmale aus – eins aus der Werkstatt Hilmar Gröger aus Ottobrunn und eins von Johannes Twielemeier aus Aachen. Zum Gestaltungswettbewerb ist auch in diesem Jahr eine Broschüre erschienen. Sie ist erhältlich beim LIV Baden-Württemberg, Tel. 07131/93580, info@steinmetz-steinbildhauer.de oder über www.steinmetz-steinbildhauer.de).

Ehrungen
Von Landesinnungsmeister Treulieb und Geschäftsführer Roland Müller geehrt wurden drei verdiente Verbandsmitglieder: Die Silberne Ehrennadel in Silber erhielten Waldemar Beck aus Filderstadt, langjähriger Vorsitzender der Jury des Gestaltungswettbewerbes, und Thomas Florian aus Stuttgart, Landeslehrlingswart und stv. Obermeister der Innung Stuttgart. Die Große Silberne Nadel ging an Eduard Schnell aus Fridingen/Donau, Obermeis­ter der Innung Tuttlingen-Rottweil und Vorstandsmitglied des LIV Baden-Württemberg.

Vortrag Prof. Dr. Peter Schneider
Über "Bauen in Stein – Monumentalität und Präzision beim Apollontempel in Didyma/Tür­kei" referierte Prof. Dr. Peter Schneider von der Hochschule für Technik in Stuttgart. Er begleitet seit vielen Jahren die Ausgrabungen in Didyma. Der Tempel ist nicht nur einer der größten Tempel in Ionien, sondern auch einer der besterhaltenen Großbauten des Altertums. In seiner Bedeutung ist er gleichzusetzen mit dem Orakel von Delphi. Prof. Schneider begeisterte die Zuhörer mit seinem engagiert vorgetragenen Referat und seinen profunden Kenntnissen der faszinierenden technischen Details. Die Monumentalität des Tempels und die millimetergenaue Ausführung und Ausrichtung der Werkstücke nötigt den allergrößten Respekt vor der Leistung altertümlicher Baumeister und Handwerker ab. Prof. Schneider wies abschließend auf eine Studienreise nach Didyma hin, die er vom 17. bis 26. Januar 2014 für Interessierte aus dem Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk organisiert. Nähere Infos – auch zur Anmeldung – finden Sie in Naturstein 9/2013 auf S. 8.

(16.9.2013)