Verbandsgipfeltreffen in Nürnberg

DNV-Präsident Joachim Grüter (l.), der für die nächsten zwei Jahre die Führung im ZDNW übernimmt, mit DNV-Geschäftsführer Reiner Krug

Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb

Glaubt, dass das Handelsabkommen TTIP der heimischen Natursteinbranche Chancen eröffnen könnte: EUROROC-Generalsekretär Prof. Gerd Merke

Im Nürnberger Messezentrum tagte am 18. November der Zentralverband der Deutschen Natursteinwirtschaft (ZDNW). Turnusgemäß wechselte die Präsidentschaft der gemeinsamen Dachorganisation des Bundesverbands Deutscher Steinmetze (BIV) und des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV). Für die nächsten zwei Jahre übernimmt DNV-Präsident Joachim Grüter die Führung. Er folgt auf Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb, der auf der Sitzung Bilanz zog. Er betonte die Wichtigkeit, in der Öffentlichkeit für das Material Naturstein zu werben. Ein gutes Instrument hierfür sei das europäische Naturstein-Logo mit der gemeinsamen Logo Internetpräsenz "Naturstein- Unikat" (www.natursteinunikat.de) sowie die Präsenz auf Messen und anderen Veranstaltungen. Große Resonanz habe der BIV zuletzt auf der denkmal in Leipzig, der Fachtagung Natursteinsanierung in Stuttgart und der GaLaBau in Nürnberg erzielt, wo man jeweils mit einem eigenen Stand vertreten war. Im Januar wird sich der Verband erstmals auf der BAU in München präsentieren.

Im Hinblick auf die Stone+tec im nächsten Jahr rechnet Treulieb damit, dass es ein attraktiver Event wird. Neben einer Grabmalsonderschau mit dem Titel "Gedenken" sind Ausstellungen mit Natursteinprodukten zu den Themen "Schöner Wohnen" und "Made in Germany" sowie im Bereich "Technik und Chemie" eingeplant. Auch einen Nachwuchswettbewerb wird es wieder geben. An diesem werden sich erstmals auch Vertreter aus Südtirol beteiligen.
Auf der Stone+tec sei es wichtig zu zeigen, "dass wir eine Einheit sind", betonte Joachim Grüter. DNV und BIV würden derzeit besser zusammenarbeiten als jemals zuvor.
 
Abkommen mit den USA
Auf rahmenpolitische Entwicklungen, die für die Natursteinbranche relevant sind, ging Prof. Dr. Gerd Merke ein. Der Generalsekretär des europäischen Verbands EUROROC und Friedhofsrechtsberater von BIV und DNV ist überzeugt, dass das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP, über das die EU und die USA verhandeln, dem heimischen Natursteinsektor neue Chancen eröffnen würde. Hierzulande würden individuelle und qualitativ hochwertige Natursteinprodukte gefertigt, mit denen man nach einem Wegfall von Handelsschranken und bürokratischem Aufwand auf dem US-Markt punkten könnte.

Problematisch sieht Merke die Entwicklung der Friedhofsgebühren in Deutschland. Diese seien mittlerweile oft so hoch, dass sie die Hinterbliebenen enorm belasten würden. Zusätzlicher Preisdruck entstehe durch alternative Bestattungsangebote. Die Zahl der Friedwälder steige stetig, es sei zu erwarten, dass die Freiflächen auf den traditionellen Gottesäckern weiter zunehmen und die Preise weiter steigen.

Zu schaffen macht der Branche nach wie vor das Thema Kinderarbeit im Zusammenhang mit Grabsteinen aus Indien. Unter der Diskussion leide das Image des Grabmals, so Merke. Zuletzt hätten Gerichte wiederholt Passagen in Friedhofssatzungen für unwirksam erklärt, die nur Grabsteine erlaubten, die zertifizierterweise ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt wurden und aus fairem Handel stammen. Unter anderem hatte der Verwaltungsgerichsthof Baden-Württemberg im Rahmen einer Normenkontrollklage gegen die Stadt Kehl darauf hingewiesen, dass das Verbot von Grabsteinen aus ausbeuterischer Kinderarbeit nicht mit dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vereinbar sei und Steinmetzen unzumutbar belaste, da für sie nicht hinreichend erkennbar sei, welche Nachweismöglichkeiten bestehen und als ausreichend gelten. Allgemein anerkannte Zertifikate, um zu belegen, dass Grabsteine ohne Kinderarbeit hergestellt wurden, gibt es derzeit nach Ansicht der Richter nicht. Ähnlich hatte im Oktober 2013 bereits das Bundesverwaltungsgericht im Zusammenhang mit der Friedhofssatzung der Stadt Nürnberg argumentiert.

Im nächsten Jahr findet die ZDNW-Sitzung am 17. November statt.

(15.12.2014)