Totengedenktage (3): Allerheiligen und Allerseelen

Ein typisches Allerheiligengesteck (Foto: Friedrich Böhringer)

Weck- oder Stutenmänner gehören zu den sogenannten Gebildebroten. (Foto: Albärt)

Beispiele für den Mainzer Newweling

Abt Odilo Cluny, auf den der Feiertag Allerseelen zurückgeht

Die charakteristische Darstellung des Fegefeuers

Im Oktober und November häufen sich die Totengedenktage. Das haben wir zum Anlass genommen, Ihnen in den nächsten Wochen einige dieser Gedenktage aus aller Welt vorzustellen. Die beiden christlichen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen dienen dem Totengedenken. In Österreich, Liechtenstein, katholisch geprägten Teilen der Schweiz, Luxemburg, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Polen, Ungarn, Kroatien, Slowenien, der Slowakei, Litauen, den Philippinen und den katholischen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag.

Der "Herrentag aller Heiligen"
Allerheiligen ist ein christliches Fest, an dem man aller Heiligen gedenkt. Allerdings nicht nur jenen Menschen, die auch heilig gesprochen wurden, sondern jedem, der als heilig erachtet wird. Es gilt als Hochfest der katholischen Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es immer schwieriger, jedem Heiligen an einem besonderen Tag zu gedenken. Deshalb rief man ab dem 4. Jahrhundert den "Herrentag aller Heiligen" aus. Papst Gregor IV. legte den 1. November als Gedenktag fest. Ende des 10. Jahrhunderts kam, ausgehend von der Benediktinerabtei Cluny, Allerseelen am 2. November als Gedenktag aller Toten dazu, die sich noch nicht bei Gott, sondern im Purgatorium, dem Fegefeuer, befinden.

Allerheiligengestecke und Hefeteig-Striezel
Der bekannteste Brauch zu Allerheiligen ist wohl das Allerheiligengesteck, mit dem die Gräber am Nachtmittag des 1. Novembers (oder bereits vorher) verziert werden. Immergrüne Pflanzen, Zapfen, Beeren, getrocknete Blumen, gefärbte Pflanzenteile, Schleifen, Bänder und kleine Dekorationsartikel gehören zu den Bestandteilen eines solchen Gestecks, welchem in Größe und Form kaum Grenzen gesetzt sind. Die Gestecke sind so zusammengestellt, dass sie auch einen längeren Zeitraum überstehen. Außerdem werden Kerzen auf die Gräber gestellt. Teilweise wird die für Allerseelen vorgesehene Grabsegnung auch schon an Allerheiligen vorgenommen. Als traditionelles Gebäck zu diesem Feiertag gibt es Allerheiligenstriezel aus Hefeteig, den Tauf- oder Firmpaten ihren Patenkindern überreichen.

Allerheiligen gehört zu den sogenannten stillen Feiertagen. An diesem Tag dürfen keine Tanzveranstaltungen stattfinden oder laute Musik gespielt werden.

Seelen im Fegefeuer
Durch Gebete und Friedhofsbesuche gedenken Katholiken am 2. November den Verstorbenen. Dieser Feiertag geht auf den Abt Odilo Cluny zurück. Nach altem Volksglauben steigen die Seelen der Verstorbenen an Allerseelen aus dem Fegefeuer, um sich eine Weile auszuruhen. Deshalb stellt man mancherorts Nahrungsmittel auf die Gräber, damit sich die Verstorbenen stärken können. Traditionelle Lebensmittel sind Allerseelenbrote und –zöpfe, Seelenbrezeln und – wecken, Gebildebrote und kleine Mürbeteigkekse. Falls dies nicht schon am Vortag geschehen ist, folgt die Grabsegnung. Früher ließ man die Gräber von Selbstmördern aus, denn es hieß, die Kinder würden dann die gleiche Tat begehen.

Der Mainzer Newweling
Eine regionale Besonderheit zum Totengedenken ist der Newweling, eine traditionelle, kegelförmige Mainzer Kerze. Er besteht aus spiralförmig gedrehten und mit Kerzenwachs überzogenen Dochten. Traditionell werden die Farben Rot, Weiß, Blau, Gelb und Grün für das Kerzenwachs verwendet, wodurch sich das charakteristische, bunte Gesamtbild ergibt. Laut dem Mainzer Wörterbuch leitet sich der Name von dem Wort "Nebel" ab und spielt auf das trübe Wetter im November an. Seit den 1970er-Jahren wird der Newweling nur noch von der Mainzer Wachswarenfabrik Tusar hergestellt.

Klicken Sie doch mal in die ersten beiden Teile unserer Mini-Serie rein:

(Veröffentlicht am 25.10.2018)

Autorin: Christine Kulgart