Totengedenktage (1): Día de los Muertos

(Foto: Copetevic)

Die Friedhöfe werden bunt dekoriert und mit Kerzen geschmückt. (Foto: Thelmadatter)

Typische "Calaveras de Dulce" (Foto: Tomás Castelazo)

Eine Figur der "Calavera Catrina" des Künstlers José Guadalupe Posada

Im Oktober und November häufen sich die Totengedenktage. Das haben wir zum Anlass genommen, Ihnen in den nächsten Wochen einige dieser Gedenktage aus aller Welt vorzustellen. Während wir in Deutschland Allerheiligen und Allerseelen feiern und diese besinnlich zelebriert werden, ist der Día de los Muertos ("Tag der Toten") in Mexiko ein Fest, das sich über drei Tage erstreckt. Die Aktivitäten vom 31. Oktober bis zum 2. November folgen dabei einem genauen Verlauf.

Rückkehr der Toten in Etappen
Am ersten Tag der Festlichkeiten dekoriert man die Wohnungen und teilweise auch öffentliche Plätze mit Gabentischen und Altären, den sogenannten "Ofrendas". Diese werden mit Heiligenbildern, Kerzen und Fotos der Verstorbenen geschmückt. Auch die "Flor de Muertos" (Blume der Toten), die gelbe Ringelblume Cempasúchil, ist Teil der typischen Dekorationen. Die Farben Gelb und Orange dominieren, da sie den Toten angeblich als Wegweiser zu den Ofrendas dienen. An diesem Tag kehren auch die "Angelitos", die Seelen der verstorbenen Kinder, zurück. Ab dem 1. November, dem "Tag des Hundes", kommen auch die restlichen Toten zu ihren Familien zurück und erholen sich an der Ofrenda von ihrer langen Reise. Auf den Straßen herrscht nun ein buntes Treiben. Am 2. November enden die Feierlichkeiten mit der Verabschiedung der Toten. Dafür kommt die Familie am Grab zusammen, um bei Kerzenschein gemeinsam zu singen und zu beten. Um Mitternacht ist das Fest dann offiziell beendet.

Zuckerschädel und Calaveras
Der Día de los Muertos ist ein fröhliches Fest. Schon Tage vorher werden sogar die Friedhöfe bunt dekoriert und die Familien scheuen keine Kosten. Zum Fest gehören typische Süßigkeiten wie Totenköpfe, Skelette und Särge aus Marzipan, Zuckerguss oder Schokolade. Diese sogenannten Calaveras de Dulce werden an geliebte Menschen verschenkt und gemeinsam mit dem "Pan de Muerto", einem Kuchen, verspeist. Die Skelett-Karikaturen des Künstlers José Guadalupe Posada, kurz Calaveras genannt, erfreuen sich mittlerweile weltweiter Beliebtheit. Das Ursprungswerk war die "Calavera Catrina", ein Skelett in aristokratischer Kleidung. "Catrina" ist eine abwertende, sarkastische Bezeichnung für eine wohlhabende Person. Auch Tim Burton ließ sich von den Calaveras inspirieren, als er die Figuren des bekannten Films "The Nightmare before Christmas" zeichnete.

Vereinigung der Familie
Nach dem Kalender der Azteken fand der Día de los Muertos zwischen Ende Juli und Anfang August statt. Im Rahmen der Conquista, der Eroberung und Erschließung des mittel- und südamerikanischen Festlandes im 16. Und 17. Jahrhundert, wurde er allerdings auf Allerheiligen ("Día de los Santos") verschoben. Heute vermischen sich indigene und christliche Traditionen zu einem der wichtigsten Feste in Mexico. Der Tag der Toten wird sehr ernst genommen, die Vereinigung der Familienmitglieder – egal ob tot oder lebendig – und Liebe und Freundschaft, die auch über den Tod hinaus erhalten bleiben, stehen im Vordergrund.

Animationsfilm zum Día de los Muertos
Auch bei uns wird der Día de los Muertos zunehmend bekannter, Calaveras dienen als Tattoo-Vorlagen und als T-Shirt-Aufdruck. Ab sofort kommt der Feiertag mit dem von  Guillermo Del Toro produzierten Animationsfilm "Manolo und das Buch des Lebens" auf DVD direkt zu Ihnen ins Wohnzimmer. Sehen Sie hier den Trailer.

(Veröffentlicht am 17.10.2018)

Autorin: Christine Kulgart