Steinmetz kehrt von Walz zurück

1232 Tage war Simon Tödter nach seiner Gesellenprüfung als Steinmetz auf der Walz. Sein Weg führte ihn unter anderem nach England, Rumänien, Frankreich, Spanien und in die Schweiz – nur seinem Heimatort Qualburg (Bedburg-Hau) durfte er sich bis auf 60 km nicht nähern.

Tradition der Rolandbrüder
Tödter gehört den Rolandsbrüdern an und entschied sich, nach der Prüfung auf die Walz zu gehen, um Erfahrungen zu sammeln. Dabei musste er bestimmte Traditionen einhalten. Er trug die traditionelle Kleidung der Rolandsbrüder, bestehend aus Schlaghose, Hut, Jackett und Weste, dazu einen Stock mit einem Bündel für das Gepäck, dem sogenannten Stenz. Anfangs begleitete ihn noch ein anderer Rolandsbruder. Die Aufnahme bei den Rolandsbrüdern erfolgt durch die "Nagelung", bei der einem neuen Mitglied mit einen Nagel ein Ohrloch gestochen wird. Außerdem erhält derjenige einen blauen Schlips.
Während der Walz durfte Tödter weder Auto, Handy, noch Wohnung besitzen. Der Steinmetz arbeitete in seinem Beruf, aber auch als Zimmermann, um Geld zu verdienen.

Klettern über das Ortsschild
Bei seiner Heimkehr musste er – wie auch bei seiner Abreise – über das Ortsschild klettern. Da dieses allerdings während seiner Abwesenheit entfernt wurde, musste die Familie es eigens für Tödter wieder aufstellen. Auch zur Heimkehr gehören bestimmte Bräuche, so halfen ihm seine Kameraden bei den Rolandbrüdern, das Schild zu überwinden. Anschließend holte er die Dinge, die er vor seinem Aufbruch unter dem Ortsschild vergraben hatte, wieder aus der erde. Dazu gehörten eine selbst gemalte Landkarte und eine Flasche mit Dingen von den Menschen, die ihn verabschiedet hatten.

Zwar freut der Steinmetz sich, wieder zu Hause zu sein, blickt aber auch wehmütig auf die Walz zurück. Für seine Zukunft hat er noch keine genauen Pläne: Wahrscheinlich fängt er erst einmal in dem Steinmetzbetrieb in Düren an, in dem er vor seiner Abreise gearbeitet hat.

Den Originalartikel mit einem Foto finden Sie hier.

(Veröffentlicht am 25.09.2014)

Autorin: Christine Kulgart