Renter unter Grabstein eingeklemmt

Um den Grabstein anzuheben und den schwer verletzten Mann zu befreien, setzte die Feuerwehr einen Spreizer ein. (Foto: Thomas Pöppel)

Laut eines Polizeiberichts ist am Morgen des 25. Juni auf dem Memminger Waldfriedhof ein 63-jähriger Mann bis zur Hüfte eingeklemmt worden, nachdem ein 1,5 t schwerer Grabstein auf ihn gestürzt war. Dem Verletzten zufolge habe er das Grabmal gereinigt und sich dazu auf diesem abgestützt. Daraufhin sei es umgefallen und auf ihn gekippt.

Laut Aussagen eines Steinmetzmeis­ters, der vor Ort kam, habe ein Passant die Hilferufe gehört und die Polizei verständigt. Die eingetroffenen Rettungskräfte befreiten die Person mithilfe eines Spreizers. Der Rentner wurde mit schweren Fußverletzungen in das Klinikum Memmingen gebracht.

Eigenmächtige Sicherungsmaßnahmen?
Der umgestürzte Grabstein, der vor 70 Jahren von einer Firma aus dem Odenwald versetzt worden war, war seit 2009 bereits mehrmals bei Standsicherheitsprüfungen bemängelt worden – zuletzt im April dieses Jahres. Der Grabnutzungsberechtigte hatte daraufhin jedes Mal ein Schreiben von der Friedhofsverwaltung erhalten, in dem er gebeten wurde, sich bis zu einem bestimmten Termin um die Sicherung des Steins zu kümmern. In dem Schreiben stand auch, dass damit nur eine Fachfirma beauftragt werden darf.

Die Aussage des Rentners, der Stein sei bei Grabpflegearbeiten auf ihn gefallen, muss bezweifelt werden. Vielmehr sieht es so aus, als habe der Mann den Grabstein eigenhändig sichern wollen. U.a. laut Auskunft eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung Memmingen seien am Unfallort eine Maurerkelle und eine Wasserwaage gefunden worden. Auch ein Mörteleimer hatte nach Auskunft eines Augenzeugen am Unfallort gestanden.

Steine sichern nur vom Steinmetzmeisterbetrieb!
"Die Wiederherstellung der Standsicherheit darf nur von einem in der Handwerksrolle eingetragenen Steinmetzbetrieb durchgeführt werden", sagt Uwe Jocham, OM der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Südschwaben. Leider erlebe er immer wieder, dass Friedhofsverwaltungen die Grabnutzungsberechtigten in ihren Beanstandungsanschreiben hierauf nicht deutlich genug hinweisen.

"Der Friedhofsträger verletzt seine Verkehrssicherungspflicht, wenn er andere Gewerbetreibende oder sogar Privatpersonen Steinarbeiten am Friedhof durchführen lässt", ergänzt Prof. Dr. Gerd Merke, Friedhofsrechtsberater des BIV. Nicht um­sonst werde das Steinmetzhandwerk als gefah­renträchtiges Gewerk eingestuft.

Warnaufkleber
Deshalb wäre es gut, wenn die Friedhofsverwaltungen ihre Beanstandungsschreiben an die Grabnutzungsberechtigten mit einem Abschnitt versehen würden, den der Steinmetz, der die Sicherungsarbeiten durchgeführt hat, ausfüllen und an die Verwaltung zurück­schicken muss. "Sollte diese Bestätigung nicht innerhalb einer gesetzten Frist bei der Friedhofsverwaltung eintreffen, muss diese der Sache noch einmal nachgehen. Sonst ist die ganze Standsicherheitsprüfung ja wertlos", so Steinmetzmeister Uwe Jocham. Sinnvoll wären seiner Meinung nach auch Warnaufkleber auf den beanstandeten Steinen, die deutlich auf die Umsturzgefahr hinweisen.
Susanne Storath

(Erschienen am 04.09.2013)