Plädoyer für heimische Steine

Architekten, Behördenvertreter und Bauherren besuchten das "Forum Zukunft Grünes Bauen" am 16. Juli im Rahmen der Landesgartenschau in Sigmaringen. U.a. ging es darum, wie eine regionale Baukultur mit verbrauchsnah und dezentral gewonnenen Naturwerksteinen etabliert werden kann. Diskutiert wurde auch, inwieweit der Import von Werksteinen die Denkmalpflege belastet.

Ökologisches Bauen beginnt für Thomas Beißwenger mit dem Einkauf heimischer Rohstoffe. Gesteinsmaterial, das verbrauchsnah auf den Baustellen zum Einsatz komme, minimiere Transportwege, den CO2-Ausstoß und die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch Staus entstehen würden. "Wer grün denkt, sollte auch grün bauen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE). "Bauherren, die mit Blick auf die Ökobilanz alles richtig machen wollen, sollten keine Naturwerksteine einkaufen, die aus Fernost importiert und unter fragwürdigen sozialen und ökologischen Bedingungen gewonnen werden." Private und öffentliche Bauherren, die sich für den Bezug heimischer Naturwerksteine entscheiden, sichern laut Beißwenger lokale und regionale Arbeitsplätze und entscheiden sich für "ein Produkt, das ge­setzlich festgelegte Umwelt- und Qualitätsstandards erfüllt".

Nach Angaben von Dr. Wolfgang Werner, Leitender Geologiedirektor am Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg, gibt es hierzulande genügend Gesteinsmaterial. "Jahrhundertealte Mauerwerke, Kirchen, Haus- oder Burganlagen aus heimischen Naturwerksteinen zeigen, über welch große Gesteinsvielfalt Baden-Württemberg verfügt", sagte er. Neben Granit, Gneis und natürlich Sandstein gebe es sogar Alabaster. Im Steinbruch vor der Haustür gibt es Ansprechpartner, die bei Fragen und Problemen weiterhelfen. Der Kunde kann sich dort selbst davon überzeugen, ob die zugesicherten Standards eingehalten werden oder nicht.

Außerdem sollte man dazu beitragen, dass traditionelle Handwerksberufe und das mit ihnen verbundene Know-how erhalten werden. Deshalb hält Wolfgang Werner die Sensibilisierung für die Einsatzmöglichkeiten heimischer Steine für unbedingt erforderlich. "Menschen die beispielsweise in Buntsandsteingebieten leben, müssen dafür sensibilisiert werden, dass es 'chic' ist, die regionale Gesteinsart im und am Haus zu verwenden und nicht Fernostmaterial mit großen Schaden für die Umwelt."

Aus Buntsandstein, den es in gelben, roten und violetten Tönen gebe, habe man seinerzeit das Freiburger Müns­ter gebaut, so Werner. "Um das Denkmal zu restaurieren, müss­ten jetzt wieder Abbaustätten erschlossen werden, weil der passende Stein nirgendwo im Land abgebaut wird." Dass heimische Steinbruchbetreiber nicht den Wettbewerb mit Billigkonkurrenten aus Fernost aufnehmen konnten, habe bewirkt, dass viele Konzessionen für Steinbrüche ausliefen und viele Abbaustätten geschlossen wurden und werden. Daher fehle es jetzt an originalem Ersatzmaterial für die Sanierung vieler historischer Bauten.
www.iste.de

(18.8.2013)