Obermeistertagung: Harmonisch und konstruktiv

Obermeistertagung in Leipzig

BIM Gustav Treulieb

BIV-Geschäftsführerin in spe: Sybille Trawinski

Friedhold Scheunert, OM in Sachsen

Sehr harmonisch ging es auf der Obermeistertagung am 1. und 2. Februar in Leipzig zu. Auf der Tagesordnung standen unterschiedlichste Themen – von Friedhofsfragen über die Nutzung sozialer Netzwerke bis hin zu Ausbildungsaspekten. Außerdem lernten die Obermeister Sybille Trawinski kennen, die sich für die BIV-Geschäftsführung beworben hat.

Wer es noch nicht wusste, erfuhr es zu Beginn der Versammlung vom gastgebenden sächsischen LIM Friedhold Scheunert: "Der 1. Februar ist der Internationale Tag des Lächelns." Scheunert sagte das nicht ohne Hintergedanken, war doch im Vorjahr auf der Obermeistertagung in Fulda heftig um Verbandsinterna gestritten worden.

Diesmal kam alles anders: Gutes Miteinander und konstruktive Gespräche prägten die Tagung in Leipzig, die wohl als Harmoniegipfel in die Annalen des BIV eingehen wird. In seiner Eröffnungsrede stellte BIM Gustav Treulieb die noch von der Mitgliederversammlung zu bestätigende neue BIV-Geschäftsführerin Sybille Trawinski vor. Anschließend warb Leipzigs Baubürgermeister Uwe Albrecht für seine Stadt, deren Naturstein- sowie Architekturtraditonen, Denkmale und Bauperspektiven. Er informierte, dass in der Handwerksrolle der Leipziger Kammer 60 Steinmetzbetriebe eingetragen sind und verwies auf 15.000 Denkmale – zumeist historisch wertvolle Gründerzeithäuser – sowie auf die Sanierung des Leipziger Völkerschlachtdenkmals – eine Mammutaufgabe, die anlässlich des bevorstehenden Jubiläums angepackt worden war. Im Oktober werde das Völkerschlachtdenkmal 100 Jahre alt. Bei der 31,1 Mio. € teuren Generalüberholung des 91 m hohen Baukörpers aus Beuchaer Granit seien auch die Steinmetze der Region stark gefragt gewesen, so Albrecht.

Soziale Netzwerke
Mit der Frage, inwieweit soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. für Innungen und Steinmetze nutzbar sind, beschäftigte sich die Internet Spezialistin Martina Sprenger-Lottermann, auch Webmasterin des Internetauftritts des Bundesverbands. Die geschäftsführende Gesellschafterin der interatmedia GmbH aus Ruppach-Goldhausen empfahl Bietriebsinhabern v.a. die Nutzung von Facebook. Entgegen landläufiger Meinungen seien dort die Altersgruppen der 25- bis 34-Jährigen sowie der 35- bis 44-Jährigen zahlenmäßig am stärksten vertreten. "Also die Häuslebauer-Generationen", so die Expertin. Handwerksmeister könnten auf Facebook mit speziellen Unternehmensseiten ihr Firmenprofil zeigen, ihre Produkte vorstellen, neue Kunden auf sich aufmerksam machen und Vertrauen aufbauen. Die Mitgliedschaft sei kostenlos. Günstiger könne man also nicht werben.

Dass manche sozialen Netzwerken im Internet noch misstrauisch gegenüberstehen, zeigte eine Frage des Schweriner Obermeisters Uwe Lange: "Handelt man sich durch einen Facebook-Auftritt nicht auch negatives Feedback auf seiner Seite ein?" Das könne durchaus passieren, sagte die Referentin und riet dazu, kritische Anmerkungen nicht zu löschen: "Dann bekommen Sie sofort fünf neue ...!" Fruchtbarer sei es, konstruktiv zu reagieren.

Fachkräftesicherung
Zum Thema Fachkräftesicherung sprach Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH und Hauptgeschäftsführer des Deutschen Handwerkskammertags. Er bezeichnete die Gleichstellung von Bachelor und Meister als "zentrales Signal", das nun von den Meistern "in die Köpfe der Gesellschaft" getragen werden müsse. Es gelte, die attraktiven Karrieremöglichkeiten im Handwerk transparenter zu machen und leistungsstarke Schüler gezielt anzusprechen. Fachkräftesicherung bedeute auch eine vorausschauende Personalplanung. Schwannecke rügte die nach wie vor hohe Abbrecherquote von gut 23 % im Handwerk. Zwar gehe nicht jeder Abbrecher verloren: Mancher wechsle nur den Ausbildungsbetrieb oder das Gewerk. Vor dem Hintergrund, dass das Handwerk noch vor wenigen Jahren zu viele Bewerber hatte und nun plötzlich an 30.000 offenen Lehrstellen laboriere, müsse sich in Sachen Nachwuchssicherung aber nachhaltig etwas tun. Denn die Trends blieben negativ: 2011 habe es noch 905.000 Schulabgänger gegeben, für 2020 würden nur noch 781.000 und damit 14 % weniger prognostiziert. In den Neubundesländern werde sich die Zahl sogar fast halbieren.

In der anschließender Diskussion gab es auch kritische Äußerungen, etwa zu parallelen Strukturen zwischen Handwerksorganisation und Wirtschaft. Daraus entstünden zusätzliche Belastungen für Handwerksbetriebe, was zugleich den Beitritt zu den Innungen erschwere, hieß es im Saal. Spontanen Beifall gab es für Edwin Rumpel, LIM in Mecklenburg-Vorpommern, als er sagte, das Handwerk sei für viele junge Leute wenig attraktiv, weil es "nicht modern und zeitgemäß rüberkommt".

Friedhofsfragen
Lebhaft diskutiert wurde auch über Friedhofsfragen, zu denen Prof. Dr. Merke Stellung bezog. Erich Rettig von der Innung Bergstraße erkundigte sich nach Konsequenzen, wenn Grabauflösungen durch Privatleute – quasi in Schwarzarbeit – erfolgen und hierbei auch noch ein Nachbargrab beschädigt wird. Merke sagte, was Hinterbliebene auf dem Friedhof dürfen, entscheide
der Träger. Entstünden in solchen Fällen Kosten, sollte sich der Steinmetz an die Kommune wenden. Es sei "immer wichtig, dass der Friedhofsträger in die Haftung kommt". Wer als Angehöriger unrechtmäßig ein Grab abräumt, dem drohten bis zu 600 € Strafe.

In Bezug auf Standfestigkeitsprüfungen warnte Merke vor unnötigem Aktionismus: "Kein anderer Handwerker schaut nach drei Wochen noch einmal nach, ob er richtig gearbeitet hat." Die angehende BIV-GF Sybille Trawinski sprach sich dafür aus, in Zukunft enger mit anderen Friedhofsgewerken, speziell den Gärtnern, zusammenzuarbeiten.

Haushalt und Marketing
Mit seiner Marketingumlage hat der BIV 2012 "ziemlich genau 118.000 € eingenommen", informierte der scheidende GF Josef Reichart. Hiervon seien 37.000 € in das neue Internetportal www.naturstein-unikat.de geflossen sowie rund 40.000 € an die LIV und Innungen überwiesen worden. In den Regionen habe man mit den Mitteln Auftritte u.a. beim "Forum Naturstein" auf der Infa in Hannover, der 3. Friedhofskulturtagung in Saarbrücken, der Restauratorenmesse "denkmal" in Leipzig sowie beim "Forum Friedhof" in Ulm bestritten. Knapp 39.000 € befinden sich laut Reichart noch auf dem BIV-Konto. Gut die Hälfte müsse man aber gedanklich schon für die Internationale Gartenschau Hamburg (IGS) abrechnen – das habe der Vorstandsrat bereits so beschlossen.

Von einer "sehr erfreulichen" Bilanz sprach Reichart in Bezug auf den BIV-Haushalt 2012. Nach vorläufigem Kassenstand geht er von einem Plus zwischen 30.000 und 40.000 € aus. Diese Größenordnung avisiere man auch für den Etat 2013. Ausbildungsfragen Informationen zur Ausbildung lieferte Nina Pörtner. Kritische Anmerkungen gab es anschließend u. a. zum Qualifikationsniveau des Nachwuchses. Beifall erntete etwa der saarländische LIM Holger Kopp, als er feststellte, dass sich die Tätigkeitsschwerpunkte im Steinmetzhandwerk verlagert hätten und die Ausbildung nicht mehr den beruflichen Anforderungen entspreche. Heute müsse ein junger Facharbeiter oft schon eine 5 Achs-Anlage programmieren können. Ein Natursteinmechaniker beherrsche das nach seiner Ausbildung, ein Steinmetzgeselle in der Regel nicht. Natursteinmechaniker seien deshalb in modernen Betrieben "zeitgemäßer und wirtschaftlich rentabler einsetzbar", so Kopp.

Kritik gab es auch an der überbetrieblichen Unterweisung (ÜLU), die – je nach Bundesland – unterschiedlich geregelt ist. Der Münchner OM Markus Steininger nannte es völlig unverständlich, dass Lehrlinge in Königslutter nur bis 13 Uhr Unterricht haben – danach aber nicht mehr in den Betrieb gehen müssen. In München dauert der Unterricht nach Angaben des bayerischen LIM Hermann Rudolph bis 16.15 Uhr. Kopp bemängelte, dass seine Azubis im ersten Lehrjahr mittlerweile fast genauso viel Zeit in der ÜLU oder in der Berufschule wie im Betrieb verbringen würden.

Bau und heimische Steine
In Bezug auf die Verfügbarkeit heimischer Steine bemängelte der stellvertretende BIM Frank Schuster, dass deutsche Steinbruchbetreiber zuweilen kleinere Steinmetzbetriebe bei der Belieferung mit Material benachteiligen, weil ihnen die abgenommenen Mengen und Margen zu klein seien. Hier werde man als BIV das Gespräch suchen.

Was den Baubereich angeht, rügte der Gelsenkirchener Obermeister Harald Zahn, dass die Branche dieses Feld oft fast kampflos Fliesenlegern und Galabauern überlasse, die immer stärker auf den Natursteinmarkt drängen würden. Der BIV müsse hier öffentlichkeitswirkamer für die eigenen Leistungen werben.

Holger Kopp betonte, dass das Produkt Naturstein auf die großen Konsummessen wie die BAU gehöre. Dort erreiche man die Architekten und Endverbraucher. Auf der Stone+tec werde man Marketing zum Thema machen, kündigte Sybille Trawinski an. Der BIV wolle interessierte Steinmetzbetriebe dazu anregen, sich noch besser aufzustellen und zu vermarkten. Nach allem, was sie gehört habe, entwickle sich die Stone+tec vom reinen Verkaufspodium zum informellen Branchentreff. Für den BIV-Messestand sei u.a. ein Nachwuchsstammtisch geplant, an dem täglich zu einer festen Uhrzeit Vorstandsmitglieder für Gespräche erreichbar sind. Auch die Meisterfrauen sollen einen eigenen Präsentationsstand erhalten.
Harald Lachmann

(21.2.2013)