Nach altem Brauch freigesprochen

Die neuen Steinmetze in Nord- und Mittelhessen (v.l.): Björn Schober, Ehrenobermeister Holger Rode, Marko Seitz, Paul Ole Bächt und Obermeister Jochen Bollerhey

Ehrung von Steinmetz- und Bildhauermeister Heiko Siebert (2.v.r.) aus Kassel, Fotos: Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder

Mit einer feierlichen Freisprechung der  Gesellen in Naumburg-Elbenberg endete für fünf Steinmetze und Bildhauer die Lehrzeit. "Nach alter Väter Sitte" sprach die Steinmetz- und Bildhauer-Innung Hessen-Nord die Prüflinge frei und entließ sie in den Gesellenstand.

Hier der anschauliche Bericht, den uns die Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder übermittelt hat:

Es ist schon ein besonderes Schauspiel, wenn die Steinmetz- und Bildhauer-Innung Hessen-Nord zur Gesellenfreisprechungsfeier einlädt: Dann erschallt das Steinmetzlied und nach der Begrüßung durch Obermeister Jochen Bollerhey (Schauenburg) übernimmt Zeremonienmeister Holger Rode (Kaufungen) "nach alter Väter Sitte" den weiteren Ablauf der Freisprechung. In Eisenketten gelegt stehen die Prüflinge da, um die Ketten der Lehrzeit endlich ablegen zu können. Doch bevor es soweit ist, muss die letzte Prüfung noch bestanden werden: das Leeren eines Kruges in einem Zug. Eine Gaudi – für die Prüflinge ebenso wie für die zahlreichen Gäste. Dann ist es vollbracht, die Ketten fallen und mit dem Richtscheit werden Sie von Wilderich Paffrath, Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss, zum Gesellen "geschlagen". Mit der Würdigung der persönlichen Leistung und der Überreichung des Gesellenbriefes sowie dem Dank an die Ausbildungsbetriebe endet das Ritual der Gesellenfreisprechung.
In diesem Jahr wurden Paul Ole Bächt und Milan Waldeck, Naumburg-Elbenberg (Uwe Bächt, Steinmetz- und Bildhauermeister, Naumburg-Elbenberg), Marco Seitz, Kirtorf (Joseph Paffrath e. K., Inh. Wilderich Paffrath - Steinmetzbetrieb, Marburg), Christian Ludwig, Burscheid (Petrax GmbH, Homberg/Stiftung Beiserhaus, Knüllwald) und Björn Schober, Wehretal (Hubert Becker Steinmetz- und Steinbildhauermeister, Wehretal-Reichensachsen) in den Gesellenstand erhoben.

Ehrennadel in Bronze
Für seine langjährige Tätigkeit im Innungsvorstand wurde Heiko Siebert aus Kassel ausgezeichnet. Mit Dank und Anerkennung überreichte Obermeister Jochen Bollerhey ihm die Ehrennadel in Bronze des Landesinnungsverband des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks Hessen.

Doch keine Feier endet ohne die Beerdigung des Bernhards. Der Begriff Bernhard löst bei den Steinmetzen eine gewisse Schadenfreude sowie die Vorfreude auf einen feuchtfröhlichen Umtrunk aus. Grundlage dafür ist die Herstellung einer steinernen Figur um 1.190 n. Chr.: Die Figur sollte den Heiligen Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) darstellen. Doch die Arbeit der Steinmetze misslang gründlich und das unbrauchbare Werkstück wurde feierlich beerdigt. Dieses Beerdigungsritual von verpfuschten Werkstücken wurde ab der frühen Gotik besonders zelebriert.
Auf eine Bahre gelegt, nahm das "Trauerspiel um den Bernhard" seinen Lauf. Die Trauermusik wurde durch Aneinanderschlagen von Spitzeisen und Winkeln erzeugt. Die Trauerrede hielt in diesem Jahr Steinmetzmeister Benjamin Ritter (Neukirchen) unter großer Anteilnahme der "Trauergemeinde".

So endete auch in diesem Jahr die Beerdigung des Bernhards in einem fröhlichen Fest, das Gesellen, Meister und Gäste amüsierte.

(Veröffentlicht am 11. September 2018)