Kurfürstlicher Steinmetz-Schutzbrief wird 550 Jahre alt

Der Schutzbrief von 1464

Friedhold Scheunert, LIM in Sachsen (Fotos: Harald Lachmann)

Alle Steinmetzkolleginnen und -kollegen sind für den 20. September zur Einweihung einer Fünf-Länder-Stele sowie zur anschließenden Jubiläumsfeier nach Leipzig eingeladen. Naturstein sprach mit dem gastgebenden Landesinnungsmeister Friedhold Scheunert aus Sachsen.
 
Naturstein: Herr Scheunert, große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Das Steinmetzhandwerk in Mitteldeutschland steuert auf ein 550. Jubiläum zu ...
Friedhold Scheunert: Ja, so ist es. Der Schatzmeister unseres Landesverbands, Günther Schneider aus Leipzig, hat in einem Archiv ein uraltes Dokument augegraben. Es trägt das Siegel des sächsischen Kurfürsten Friedrich II. "Der Sanftmütige" hat darin am 7. September 1464 die Steinmetzen und Steinbildhauer in seinem Herrschaftsbereich als unter seinem "besonderen Schutz stehend" bezeichnet. Für uns war schnell klar, dass wir das gebührend begehen wollen. Und da Kursachsen damals auch Teile der heutigen Länder Bayern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen umfasste, haben wir auch die Innungen dieser Länder eingeladen. Die Feier findet am 20. September in Leipzig statt.

Was ist geplant?
Am Vormittag stellen wir das historische Ereignis auf dem Augustusplatz im Leipziger Zentrum in authentischen Kostümen nach. Anschließend enthüllen wir feierlich eine Gedenkstele. Steinmetze aus allen fünf Ländern wirken daran mit. Die Projektidee entstand 2013 auf der Obermeistertagung in Leipzig. Mein bayerischer Amtskollege Hermann Rudolph zeichnete spontan einen ersten Entwurf auf eine Serviette. Die zylindrische Stele, die sich nach oben verjüngt, ist 2 m hoch und am Sockel 66 cm breit. Sie ist wie eine Torte aus fünf Segmenten zusammengesetzt – eines pro Land.
 
Und das Material?
Jedes Land steuert einen regionaltypischen Stein bei: Bayern Kösseine Granit, Sachsen Postaer Sandstein, Sachsen-Anhalt Bebertaler Sandstein, Thüringen einen Travertin und Brandenburg, wo es keine eigenen Natursteinvorkommen gibt, einen eiszeitlichen Findling aus Halmstad. In jedes Segment wird das zugehörige Landeswappen eingearbeitet. Der Sockel besteht aus Beuchaer Granitporphyr. Gekrönt und zusammengehalten wird alles durch ein Bronzeband mit der Aufschrift "550 Jahre Mitteldeutsches Steinmetzhandwerk". Das sponsert uns sehr dankenswerterweise die Firma Strassacker.

Ist die Veranstaltung öffentlich?
Aber sicher! Wir erwarten reichlich Publikum, u.a. Leipzigs Oberbürgermeister. Alle Steinmetzkollegen aus nah und fern sind sehr herzlich eingeladen! Wir würden uns auch freuen, wenn mancher noch ein schönes Stück mitbringt, das wir dann auf dem Augustusplatz ausstellen. Die Innung Leipzig bereitet auch eine "Lebende Werkstatt" und einen Informationsstand vor. Auch bei der abendlichen Festveranstaltung im Leipziger Ratskeller ist für alle interessierten Kollegen ausreichend Platz. Dort werden uns sogar Friedrich der Sanftmütige und Baumeister Hieronymus Lotter beehren. Damit wir planen können, bitten wir nur um Anmeldung bei unserer Geschäftsführerin Susan Härting.

Interview: Harald Lachmann

Kontakt:

LIV Sachsen
Susan Härting
Tel.: 03594/705978
Fax: 03594/714730
stein-liv-sachsen@web.de

(Veröffentlicht am 17.07.2014)

Autor/in: Harald Lachmann