Historischer Friedhof in Bardenberg

Der Historische Friedhof kurz vor der Eröffnung: die Grabwand Schultheis/Meehsen/Breuer aus den 1890er Jahren (l.), das Hochkreuz von 1881 (M.) und das Grabmal Nellessen (Fotos: Heimatverein Bardenberg)

Die Grabstätte der Familie Nellessen war der Anstoß, auf dem Bardenberger Friedhof einen historischen Friedhofsteil einzurichten.

Steinmetzgeselle Jürgen Weber (l.) und Lehrling Dominik Vlceck von der Firma Marmor Esser versetzen das Grabmal Schultheis/Meessen/Breuer an seinen neuen Platz.

Im nordrhein-westfälischen Bardenberg, einem Stadtteil von Würselen, wurde auf einem zentralen Areal des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Friedhofs ein historischer Friedhofsteil angelegt. Dort sind nun zeit- und ereignisbezogene Grabmale von der An­fangszeit des Gottesackers bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu sehen.

Anlass war der drohende Verlust der über 100 Jahre alten Grabstätte der Familie Nellessen. Nachdem die Ruhefrist erneut abgelaufen war, wollten die Nachkommen der dort Be­statteten das Grab selbst nicht mehr nutzen, boten es jedoch dem Heimatverein Bardenberg als Geschenk an. Der langjährige Geschäftsführer Hubert Pastor kam dadurch auf die Idee, historische Grabmale als Zeitzeugen zu erhalten und einen historischen Friedhof einzurichten. Das Projekt erhielt vielfältige ideelle und finanzielle Unterstützung durch Stadt und Bürger. Ermöglicht wurde es durch das ehrenamtliche Engagement des Heimatvereins sowie Spenden von Privatpersonen, Institutionen, Firmen und Geschäften. Großspenden kamen aus dem Restvermögen eines aufgelösten Vereins, der Kulturstiftung Würselen und der Sparkasse Aachen.

Denkmalschutz aufgehoben
Auch die Firma Marmor Esser aus Herzogenrath war tatkräftig dabei. Um die tonnenschweren, historisch wertvollen und mehrteiligen Grabsteine trotz unbekannter Fügetechniken beim Versetzen nicht zu be­schädigen, waren umsichtige Planungen und fachliches Know-how nötig. Das Friedhofsamt half bei der Auswahl des Areals und bei der Planung. Fündig wurde man in einer Rasenfreifläche rechts von der Leichenhalle in direkter Nähe zum Haupteingang des Friedhofs.

Ironie der Geschichte: Fast wäre die Rettung der historischen Grabdenkmale am Denkmalschutz gescheitert, denn der gesamte Bardenberger Friedhof war zur Überraschung der Beteiligten denkmalgeschützt. Um das Projekt, das schließlich dem Erhalt alter Denkmale dienen sollte, nicht scheitern zu lassen,  er­wirkte die Untere Denkmalbehörde der Stadt Würselen in einem aufwendigen Prozess die Aufhebung des Denkmalschutzes.

Zeitreise durch die Geschichte
So konnte am 16. August 2014 der neu angelegte historische Friedhof feierlich eröffnet werden. Den zentralen Punkt bildet das Hochkreuz, das zur Friedhofseinweihung im Jahre 1881 errichtet wurde. Es steht unter Denkmalschutz und durfte nur unter strengen Auflagen von seinem bisherigen Standort, an dem es längst aus dem Blickfeld geraten war, versetzt werden. Neben dem Hochkreuz und der Grabstätte der Familie Nellessen sind auf dem historischen Friedhof die aus dem Jahr 1893 stammende Grabwand mehrerer Familien, ein weiteres Familiengrabmal, die Ehrenbürger-Grabplatte und Gedenksteine für Kriegsopfer "verewigt". Pflege und Bepflanzung der Anlage mit einem zentralen Weg, Eibenhecken und Rosenbeeten übernimmt die Stadt Würselen. Die Pflege, Unterhaltung und Standsicherheit der Grabanlagen wird vom Heimatverein gewährleistet.

Damit ist die Basis des historischen Friedhofs von Bardenberg gelegt.
In Zukunft, so die Idee, soll er weitere Grabmale aufnehmen, die für ihre Zeit repräsentativ sind. Wie bei einer Zeitreise sollen Besucher beim Gang über den historischen Friedhof die Grabmalgeschichte von der jeweiligen Gegenwart bis in die Anfänge des Bardenberger Friedhofs nachvollziehen können.

(3.3.2015)