Gute Karten für heimische Steine

Heimische Steine sind gefragt: DNV-Präsident Joachim Grüter


In seiner Gründungsstadt Würzburg hielt der Deutsche Naturwerkstein-Verband (DNV) am 17. Mai sein Jahrestreffen ab. Präsident Joachim Grüter ging auf die Vorzüge insbesondere heimischer Natursteine ein. Deren besonders positive Ökobilanz und Nachhaltigkeit seien heute wichtige Argumente. Diese Chance müsse man aber auch nutzen.

Heimische Natursteine sind gefragt. Aus dieser Feststellung und einer erfreulichen Baukonjunktur leitet DNV-Präsident Joachim Grüter gute Perspektiven für die deutsche Naturwerksteinwirtschaft ab. Außerdem würden wieder bessere Preise erzielt: Zwar wurde 2013 im Inland um 4,1% weniger Naturstein produziert als 2012, der Wert der produzierten Naturwerksteine sei aber um 8,7 % gestiegen. Auch der Natursteinverbrauch ist im Wert gestiegen (plus 2,3 %), obwohl er mengenmäßig um 4,7 % gesunken ist. 2013 wurden um 6,2 % (Menge) bzw. 7,7 % (Wert) weniger Naturstein nach Deutschland ein- und 9,8 % (Menge) bzw. 10,5 % weniger ausgeführt als 2012.

Den Absatz heimischer Natursteine begünstigt laut Joachim Grüter dessen hervorragende Ökobilanz, sie bei kurzen Transportwegen besonders zu Buche schlägt. Naturstein sei zudem sehr nachhaltig: "Die Nutzungszeiträume sind extrem lang." Die großen Vorteile von Naturstein gegenüber anderen Werkstoffen sind noch lange nicht ausreichend bekannt, weiß Grüter. Der DNV plane deshalb Verkäuferschulungen zur Nachhaltigkeit von Natursteinfassaden. "In Deutschland gibt es eine große Anzahl von Natursteinvorkommen mit langer Tradition, die wir noch viel besser vermarkten müssen", so der DNV-Präsident. Der Anteil von Naturstein am deutschen Baumarkt sei noch viel zu gering.

Als problematisch schilderte der Präsident die Situation der grabmalproduzierenden Betriebe. Die Einfuhr billiger Fertiggrabsteine aus Indien und der Wandel der Bestattungskultur hätten der deutschen Grabmalindustrie in den letzten 20 Jahren stark zugesetzt. Die verbliebenen Betriebe sollten sich wieder an einen Tisch setzen und wieder verstärkt Grabmale aus heimischen Steinen fertigen.

Der DNV-Präsident machte den versammelten Mitgliedern die Vorteile der Mitgliedschaft im DNV bewusst: Mitgliedern stehen nicht nur die vom DNV erarbeiteten Bautechnischen Informationen (BTI) kostenfrei zur Verfügung, sie werden auch kostenfrei beraten.
 
Ohne Verband keine Lobby
Außerdem könne sich nur ein Verband erfolgreich gegen unsinnige Veröffentlichungen und schädliche Vorschriften wehren, so z.B. die Erhöhung der Prüfzyklen für Pflastersteine. Der Verband unterstütze auch Forschungsprojekte wie Stone Placing zur Entwicklung eines europäischen Lehrplans und Sustainable Mining für die zestörungsfreie Analyse von Steinvorkommen; der DNV habe sogar die Federführung für Europa in diesem Projekt. Seit 2007 fänden im vom DNV gegründeten Europäischen Kompetenzzentrum in Würzburg Treffen von Natursteinexperten aus ganz Europa statt. "Wir kommen nicht weiter, wenn wir wichtige Entscheidungen nicht im Konsens treffen", erklärte Grüter. Der DNV setze sich hier seit Jahren für einheitliche technische Standards in Europa ein.
 
Neue BTI
Heinrich-Georg Hofmann, Vorsitzender der Technischen Kommission, berichtete aus der Arbeit der Technischen Kommission. Das Fundament der erfolgreichen Verbandsarbeit bilden die  Bautechnischen Informationen (BTI), die Bautechnischen Seminare sowie die EDV-gestützten Bemessungsprogramme DNV 2, 3 und 4. Diese und die aktive Mitarbeit des Verbandes in nationalen und europäischen Normenausschüssen unterstreichen seit Jahrzehnten die Stellung des DNV als technische Fachinstanz, informierte er. Aktuell habe man die BTI 1.3 "Massivstufen und Treppenbeläge, außen" überarbeitet. Die BTI 1.1 "Massiv- und Verblendmauerwerk" sowie die Richtlinie für Pflaster- und Plattendecken gebe der DNV in Kürze heraus. Im Sinne der Energieeinsparverornung beteilige man sich aktuell an einem Forschungsprojekt zu Wärmebrücken durch Verankerung. Die DIN 18515 werde auf Initiative des DNV dahingehend geändert, als der Antragmörtel nicht länger an die Wärmedämmung, sondern ausschließlich an das Mauerwerk angetragen werden darf.
 
DNV-Stand auf der GaLaBau
In seinem Bericht über die Arbeit der Kommission Werbung und Öffentlichkeitsarbeit betonte Frank Peffekoven die wichtige Stellung des Deutschen Naturstein-Preises DNP, dessen Verleihung auf der Stone+tec 2013 ein Höhepunkt der Fachmesse war. Der Preis trage alle zwei Jahre dazu bei, Architekten, Planer und Bauherren für die Möglichkeiten des Bauens mit Naturstein zu begeistern. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Naturstein-Preis 2015, dessen Auslobung in den kommenden Monaten starten wird.

Ein wichtiger Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit sind die Messeauftritte des DNV in Zusammenarbeit mit Mitgliedsfirmen, die den DNV als Mitaussteller auf den Messeständen der BAU in München, der Stone+tec sowie der GalaBau in Nürnberg unterstützen.
 
Grabmalindustrie unter Druck
DNV-Vizepräsident und Leiter der Kommission Friedhof und Grabmal Wolfgang Thust erläuterte die aktuelle Wettbewerbssituation in der Grabmalindustrie. Die grabmalproduzierenden Betriebe seien nach wie vor mit Importen von Billiggrabsteinen überwiegend aus China und Indien konfrontiert. Auch das Problem der Kinderarbeit sei noch in der Diskussion. Thust wünscht sich eine Schärfung des Bewusstseins für Grabmale aus europäischer Produktion.
 
Duales Studium
Aus der Arbeit der Kommission Berufsbildung berichtete DNV-Geschäftsführer, Reiner Krug. Die Kommission Berufsbildung im DNV hat sich unter der Leitung von Präsident Joachim Grüter über die Möglichkeiten eines Dualen Studiums in Verbindung mit der Ausbildung zum/zur Naturwerksteinmechaniker/in informiert. Nach Gesprächen mit den Berufsschulen in Eichstätt und Mayen hat sich die Berufsschule in Eichstätt um Möglichkeiten eines Dualen Studiums in Nürnberg bemüht. Im September 2014 wird in Kooperation mit der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm das erste Verbundstudium Bauingenieurwesen (BA) mit der Ausbildung zum/r Naturwerksteinmechaniker/in angeboten, kündigte Krug an. Für die Betriebe der Naturwerksteinindustrie biete der Studiengang mit einer integrierten Berufspraxis eine hervorragende Chance, qualifizierte Auszubildende zu erhalten. Ausführliche Informationen zur Arbeit der Kommissionen enthält der DNV-Geschäftsbericht 2013, der beim Verband angefordert werden kann.
 
Höhepunkt der Mitgliederversammlung war ein Vortrag von Architekt Michael Frielinghaus zum Thema "Naturstein in der Architektur – baukulturelle und nachhaltige Betrachtungsweisen". Der ehemalige Präsident Bund Deutscher Architekten BDA wünscht sich mehr Mut zu eigenständigen Entwürfen, immer mit Rücksicht auf das jeweilige Umfeld. Städte sind Lebensräume, so Frielinghaus, und Lebensräume brauchen identitätsbildende Originale.
 
Ehrengast Michael Frielinghaus wurde in seinem Vortrag der Fragestellung gerecht, warum sich der Architekt für einen bestimmten Stein entscheidet. Tagungsort war das Maritim-Hotel Würzburg. Am Vorabend der Mitgliederversammlung genossen die Teilnehmer eine Weinprobe im Staatlichen Hofkeller der Würzburger Residenz.
Bärbel Holländer
 
Kontakt:
Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.
Sanderstraße 4
97070 Würzburg
Tel.: 0931/12061
Fax: 0931/14549
info@natursteinverband.de
www.natursteinverband.de

(10.6.2014)