Gut gemeint ist nicht gut genug

Auf dem Friedhof der hessischen Gemeinde Groß-Felda sind 50 % der Bestattungen Urnenbeisetzungen. Neben den Urnengräbern mit Einfassung und Grabsteinen will die Friedhofsverwaltung pflegeleichte Bestattungsmöglichkeiten anbieten. Als Alternative zum gewünschten Friedwald, der innerhalb der Friedhofsmauern schwer umzusetzen ist, entsteht bis Ende des Jahres ein Grabfeld mit 100 Urnenplätzen. Die 250m² große Fläche wird geviertelt.  In jedem dieser Teile werden zwei Basaltsäulen aufgestellt, um die herum die Urnen der Verstorbenen bestattet werden. Nur etwa  türschildgroße Namensschilder sollen die Säulen schmücken, Blumen können nur an einem Kreuz in der Mitte des Feldes abgelegt werden.

Nur noch eine "Erinnerungssäule"
"Die Kommunen meinen, sie müssten dem Friedwald und Ruheforst etwas entgegensetzen, um den Friedhof überhaupt noch überlebensfähig zu halten. Selbst die Rasengrabplatten werden von den Gemeinden gestellt. Das wird uns Steinmetzen und auch den Gärtnern schwer schaden", so Steinmetz- und Steinbildhauermeister Kurt Schmidt. Auch für Hinterbliebene sei diese Bestattungsform  problematisch,  da ihnen statt einem  "eigenen" Grab  nur eine Säule, auf denen der Name ihres Verstorbenen einer unter vielen ist, bleibt.

Rasen statt Grabeinfassungen
Groß-Felda ist dabei nicht das einzige Beispiel. In der Gemeinde Buseck wurde kürzlich über neue Grabeinfassungen diskutiert. Diese sollen in Zukunft nicht mehr gepflastert, sondern als Rasen angelegt werden. Gerade für ältere Menschen ist dies nicht vorteilhaft, da sie somit schwerer zu den Grabstätten gelangen. Außerdem ist die Abgrenzung zwischen den einzelnen Gräbern weniger klar als vorher. Der Hauptgrund für diese Umgestaltung sind die Kosten, die eingespart werden können: vernachlässigte Gräber werden eingesäht und bei der Rasenpflege mitgemäht, Unkraut zwischen den Platten der Pflasterung und die Verkehrssicherungspflicht auf den Wegen fallen weg. Aber vermeintlich einfache Lösungen wie diese haben immer auch ihre Schattenseiten.

Gedenkstein für Urnenrasengrabfeld
Auf dem Langsdorfer Friedhof in der Gemeinde Lich wurde ein Gedenkstein für das Urnenrasengrabfeld aufgestellt. Dies geschah durch den Steinmetzbetrieb von Alexander Parsch. Auf dem Grabfeld zeigen kleine Abdeckplatten, in die der Name des Verstorbenen eingraviert wird, wo die Urne bestattet wurde. Das Ablegen von Grabschmuck ist allerdings verboten, eine Verlängerung nach 20 Jahren ist nicht möglich. Günstige Grabstätten auf Zeit ist häufig die neue Devise auf Friedhöfen.

Um solche Projekte  unterbinden zu können, ist es für Steinmetze wichtig, sich frühzeitig in die örtliche Friedhofsplanung einzubringen und Alternativen anzubieten.

(Veröffentlicht am 1.8.2014)

 

Autorin: Christine Kulgart