Faire Grabsteine: Vorschlag für Satzungen

Matthäus Vogel

Matthäus Vogel, Leiter des Friedhos- und Bestattungsamts der Stadt Karlsruhe, hat sich in der Fachkommission Friedhöfe und Stadtgrün beim Deutschen Städtetag mit dem politisch diskutierten Thema "Grabmale aus ausbeuterischer Kinderarbeit" befasst. Aufgrund der in die Bestattungsgesetze einiger Bundesländer (z.B. Baden-Württemberg, Saarland) sowie das kommunale Satzungsrecht aufgenommenen Regeln sieht die Kommission Handlungsbedarf. "Zur Umsetzung des politischen Willens" hat sie vorgeschlagen, dass die Friedhofsträger den Vollzug der ILO-Konvention 182 in Bezug auf Grabmale aus ausbeuterischer Kinderarbeit mit folgendem Wortlaut in ihren Satzungen regeln: "Es dürfen nur Grabmale, Grabgebäude, Einfassungen und sons­tige Grabausstattungen aufgestellt werden, die nachweislich in der gesamten Wertschöpfungskette ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne des Übereinkommens über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO-Konvention 182) hergestellt sind."

Umsetzung mittels Zertifikat
Für die Umsetzung wird folgende Handlungsanleitung bzw. Satzungsergänzung vorgeschlagen: "Sofern Grabmale, Grabgebäude, Einfassungen und sonstige Grabausstattungen aus Ländern stammen, in denen Kinderarbeit bekannt wurde, oder wenn die Produktion bzw. teilweise Herstellung in solchen Ländern erfolgte, ist mittels Zertifikat einer anerkannten Organisation nachzuweisen, dass diese Produkte ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 hergestellt sind." Für Produkte, die aus Ländern der EU stammen und dort bearbeitet wurden, ist keine Zertifizierung notwendig. Für in anderen Ländern hergestellte oder bearbeitete Produkte müssen Zertifikate von anerkannten und vor Ort tätigen Zertifizierungsstellen vorgelegt werden.

Mit dem Bundesverband Deutscher Steinmetze (BIV) wurde hinsichtlich der Zertifizierung vereinbart, dass die zertifizierenden Organisationen gemeinsam mit den Spitzenverbänden der Deutschen Naturwerksteinwirtschaft zeitnah hinsichtlich ihrer Seriosität überprüft werden. Das Ergebnis soll über den Deutschen Städtetag veröffentlicht werden. Für den Lagerbestand der Steinmetzbetriebe soll hinsichtlich der geforderten Nachweise eine einvernehmliche Regelung vor Ort gefunden werden. "Zunächst erkennen wir alle Zertifikate an", sagte Matthäus Vogel im Gespräch mit unserer Redaktion.

(14.12.2012)