Erfahrungsaustausch auf hohem Niveau

Zum inzwischen traditionellen Erfahrungsaustausch in Frankfurt trafen sich am 16. März 65 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige im Steinmetzhandwerk. Durch das Programm führte wieder Dipl.-Ing. Harald Zahn. Organisator der Veranstaltung war Stefan Reinmüller, Technischer Berater im Bundesverband Deutscher Steinmetze (BIV).

Grüße von Bundesinnungsmeis­ter Gustav Treulieb überbrachte BIV-Vorstandsmitglied Holger Kopp, auch im Namen seines Vorstandskollegen Hans-Joachim Mehm­cke. Kopp berichtete von einer Umfrage im Saarland: Ein Drittel der Sachverständigen aus allen Berufen hätten dort in den letzten drei Jahren keinerlei Fortbildungsveranstaltungen besucht. Die Handwerkskammern geben vor, dass der Sachverständige pro Jahr 15 bis 25 Fortbil­dungs­punkte nachweisen muss. Für das Sachverständigentreffen in Frankfurt gibt es 8 Punkte.

Die Kommunikation zwischen Gericht und Sachverständigen war Gegenstand eines Vortrags von Dr. jur. Mark Seibel, Richter am Landgericht Siegen und seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Bau- und Architektenrecht des zuständigen VII. Zivilsenates des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe. Der kurzweilige Vortrag wurde durch Diskussionsbeiträge und Fragen aus dem Publikum aufgewertet.

Uwe Liebheit, Vorsitzender Richter a. D. beim Oberlandesgericht Hamm bewies mit seinen Beiträgen, dass er die Naturwerksteinbranche mittlerweile gut kennt.

Wie Dr. Seibel herausstellte, hat der Sachverständige im gerichtlichen Verfahren einen erheblichen Einfluss auf das Urteil. Den anwesenden Sachverständigen zufolge sind die Beweisbeschlüsse des Gerichts und damit die Aufgabenstellung für den Sachverständigen oft schlecht formuliert bzw. nicht treffend sind. Wichtig ist stets die Beantwortung der Frage, ob die erbrachte Werkleistung zur Zeit der Abnahme den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprochen hat. "DIN-Normen sind keine Gesetze, sondern haben Empfehlungscharakter", merkte Dr. Seibel an. Was die Kommunikation betrifft, regte er die Sachverständigen dazu an, den Richter oder die Richterin anzusprechen, wenn dies erforderlich ist. Das Gericht habe die Aufgabe, den Sachverständigen anzuleiten. Die Erstellung des schriftlichen Gutachtens die Pflicht, die Anhörung im Gerichtstermin die Kür. Dabei müsse der Sachverständige auf richtige Protokollierung achten, denn das Protokoll gehe in die Gerichtsakte ein und sei Bestandteil der weiteren juristischen Bewertung.

Am Nachmittag stellten die Sachverständigen in Kurzbeiträgen Fälle aus der Praxis vor. U.a. ging es um die Standsicherheit historischer Grabzeichen, eine stark feuchte Außentreppe, Risse in Betonwerkstein, die Gefälleregelung zur DIN 18065 Gebäudetreppen und eine Versuchsreihe zur Wasserdurchlässigkeit von Treppen.

Termine vormerken
Die nächsten Termine sind der 8. und 9. November 2013, diesmal ausnahmsweise in Wunsiedel unter Mitwirkung vom Kollegen Stefan Wortmann und 2014 am 15. März und 8. November wieder in Frankfurt am Main. Anmeldungen nur für Sachverständige mit Rundstempel bei Stefan Reinmüller
(BIV, Tel.: 069/576098).
Dipl.-Ing. Harald Zahn