BIV: Mehr Marketing, mehr Image

Wurden als stelv. Bundesinnungsmeister bestätigt: Frank Schuster und Hermann Rudolph

Sorgte für Heiterkeit: Gastreferent Gastreferent Johannes Warth

Die Steinmetzbranche drängt an die Öffentlichkeit. Die 65. BIV-Mitgliederversammlung am 29. Mai in Berlin beschloss eine neue Imagekampagne. Die Marketingpauschale wird weiterhin erhoben. Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb und seine Stellvertreter Hermann Rudolph und Frank Schuster bleiben an der Spitze des Bundesverbands.
 
Die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl – neben den 44 Delegierten fanden sich nur wenige Gäste ein – kann man auch positiv werten. Denn wenn keine gravierenden Probleme zu diskutieren sind, erscheint vielen Mitgliedern die Teilnahme nicht unbedingt erforderlich. Dass der Bundesverband in ruhigem Fahrwasser gleitet, ist maßgeblich ein Verdienst von Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb, der diesmal aufgrund einer starken Infektion fehlen musste. In seinem Grußwort an die Delegierten, das BIV-Geschäftsführerin Sybille Trawinski verlas, würdigte er noch einmal die Präsentation des Verbands auf der Stone+tec 2013 und sprach sich deutlich dafür aus, die Messe auch künftig massiv zu unterstützen. "Die Stone+tec ist die Messe für uns und unsere Zulieferbetriebe. Bei allen anderen Messen sind wir nur ein – meist kleiner – Teil des Ganzen", erklärte er. Der BIV werde auch auf der Stone+tec 2015 "ein tolles Programm" anbieten, speziell auch für die Mitglieder.

Gartenschauen sind laut Treulieb "beste Gelegenheiten, eine breite Öffentlichkeit von unserem Können und Handwerk zu überzeugen". Für die Buga 2015 im Havelland lägen dem BIV bereits ausreichend Anmeldungen vor. Ausdrücklich lobte der Bundesinnungsmeister "die sehr aktive Facharbeit" der Arbeitskreise Bau, Grabmal und Denkmalpflege. Der AK Bau habe unter Leitung von Hans-Joachim Mehmcke neue Merkblätter erarbeitet, die den Verbandsmitgliedern kostenlos zur Verfügung stehen. Für Nichtmitglieder stehen Sie im Webshop von Naturstein kostenpflichtig zum Download bereit (http://shop.natursteinonline.de/downloads/biv-merkblatter).
 
BIV-Spitze eindeutig bestätigt
Die Delegierten wählten Gustav Treulieb ebenso eindeutig wieder wie seine Stellvertreter Frank Schuster (Magdeburg) und Hermann Rudolph (Obergünzburg). Die anderen Vorstandsmitglieder standen turnusmäßig nicht zur Wahl. Dem BIV-Leitungsgremium gehören derzeit noch an: Wulf Helmert (Ratzeburg), Holger Kopp (Bexbach), Hans-Joachim Mehmcke (Rommerskirchen), Edwin Rumpel (Stralsund) und August Weber (Erbach). Erneut gewählt wurden hingegen die Rechnungsprüfer Hartmut Raatz (Wiesbaden) und Hans Determann (Kamen) sowie deren Stellvertreter Andreas Hennrich (Frankfurt/Main) und Bernhard Anlauff (Elsterwerda).

Die Delegierten verabschiedeten auch zwei ergänzende Satzungsänderungen. Die Entschädigungen für ehrenamtliche Vorstandsmitglieder regelt jetzt eine Entschädigungsordnung des BIV. Darin ist festgeschrieben, dass der BIM neben der Erstattung barer Auslagen eine "Erstattung für Zeitversäumnisse in Höhe von 17500 € netto" pro Jahr erhält. Die weiteren BIV-Vorstandsmitglieder versehen ihre Ehrenamtsarbeit in durchschnittlich 20 Stunden pro Monat und erhalten dafür neben der Begleichung von Auslagen 750 € netto pro Jahr.

Finanziell steht der Bundesverband nach aufreibenden Jahren wieder auf einem soliden Fundament. Den notwendigen Ausgaben werden jedoch gemäß Haushaltsplan 2014 zu geringe Einnahmen gegenüberstehen, berichtete Kassenwart Wulf Helmert. Um den aktuellen Etat auszugleichen, empfahl er, 35 560 € aus Rücklagen zu entnehmen. Die Versammlung genehmigte dies ohne Gegenstimmen. Um auch in den nächsten Jahren die Kosten zu decken, ohne stets aufs Eingemachte zurückgreifen zu müssen, erging allerdings an die Delegierten die Bitte, in den Innungen über moderate Beitragserhöhungen zu beraten. Sie sollen vor allem dem Inflationsausgleich dienen. Als Richtwert nannte Helmert für 2015 eine mögliche Erhöhung des Beitrags in den Landesverbänden West um 5 € auf 175 € und im Osten von derzeit 135 € auf 155 €. Was den Osten betrifft, könne das jedoch mit Blick auf eine angestrebte Angleichung der Sätze "nur ein erster Schritt" sein.
 
Geschäftsführungs-GmbH im Gespräch
Als weitere Diskussionsanregung stellte der Kassenwart in den Raum, perspektivisch für die Geschäftsführung des BIV sowie interessierten Landesverbänden eine eigenständige GmbH auszugründen. Diese könnte dann "steuerlich sauber" auch in einer Weise agieren, wie es einem gemeinnützigen Verein nicht möglich ist. Holger Kopp nannte es "ohnehin nicht mehr zeitgemäß, den Innungsbeitrag an den Ecklohn zu koppeln". Er sprach sich für einen festen Grundbeitrag aus, der dann an solch eine GmbH zu zahlen wäre. Die BIV-Geschäftsstelle, die derzeit z.B. zusätzlich den Sonderhaushalt der Marketingumlage managen müsse, würde auf diese Weise entlastet.

Klare Zustimmung gab es für den Vorschlag von Sybille Trawinski, als "roten Faden" für die Arbeit des BIV einen "Ziel- und Maßnahmenplan 2014–2016" zu erstellen sowie für die Verlängerung der Marketingumlage von 100 € bis zum Jahre 2017.
 
Bundesweite Umlage ermöglicht regionales Marketing
Über die Marketingumlage kann der BIV u.a. regionale Marketingmaßnahmen unterstützen und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit forcieren. So hat er 2013 gemeinsam mit dem Berufsbildungswerk (bbw) die Nachwuchskampagne www.zukunftstein-fuer-stein.de ins Leben gerufen. Derzeit betreut das bbw 924 angehende Steinmetze, 3% weniger als 2013, informierte bbw-Geschäftsführerin Nina Pörtner. Jungen Menschen die Ausbildung zum Steinmetz nahezubringen ist für die Sicherung der Zukunft dieses Handwerks unbedingt erforderlich. Außerdem hat der Bundesverband dank Marketingumlage Werbemittel für öffentliche Auftritte und zwei Pressemeldungen für die Verbraucherpresse erstellt. Inzwischen erreichen wir mit unserem Presseverteiler bundesweit 1500 Kontakte«, so Sybille Trawinski. Aufgrund der guter Resonanz präsentiert sich der BIV 2014 und 2015 auch wieder auf den bundesweiten Messen GaLaBau, EUHEF, denkmal und BAU mit einem eigenen Stand.

Bisher haben 1270 Betriebe die Marketingumlage überwiesen – mehr als die Hälfte der Mitglieder. Während sich aber in Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen wenigstens 70% der Betriebe beteiligen, tut das in den LIV Nordrhein und Sachsen noch nicht einmal jeder zweite. Dennoch plädierte Sachsens Vize-Landesinnungsmeister Tobias Neubert dafür, die Sonderumlage sogar auf 120 € anzuheben. Um die noch zögernden Mitglieder nicht zusätzlich abzuschrecken, wurde dies jedoch mehrheitlich verworfen.
 
Neue Imagekampagne
Viel Hoffnung legt der Verband in die neue bundesweite Imagekampagne "Stein und Steinmetz". Mit "aufmerksamkeitsstarken Motiven" will man den Steinmetz und seine Arbeiten wieder stärker in die öffentliche Wahrnehmung bringen. In der Öffentlichkeit mit einer Stimme aufzutreten bringt dem Steinmetzhandwerk mehr als viele Einzelauftritte, sagte Hermann Rudolph. Bislang lasse die Außendarstellung zu wünschen übrig. Selbst der Sticker mit dem Naturstein-Logo werde von vielen Kollegen nicht genutzt.

Wie der Münchener Fachjournalist Willy Hafner darlegte, steht die Imagekampagne unter dem Motto: "DER STEINMETZ. Wir bringen Stein in Form!" Sie basiert auf sechs Postern im Format A1, auf denen sich das Steinmetzhandwerk selbstbewusst, unmissverständlich und meisterlich zum eigenen Beruf und Material bekennt. Die Aussagen der Bilder, auf denen zunächst drei Münchener Steinmetzmeister/innen sowie drei Einsatzgebiete zu sehen sind, sind auf die "Kundenwunsch"-Segmente Friedhof, Wohnambiente, Restaurierung zugeschnitten. Nutzungsberechtigt sind alle Innungsbetriebe, die die Marketingpauschale bezahlt haben und Partner der Initiative "Naturstein-Logo" sind. Durch Fotoshootings in interessierten Meisterwerkstätten anderer Regionen sollen zusätzliche Poster, sog. Beachflags für die flexible Außendarstellung sowie eine 24-seitige Imagebroschüre entstehen.

In dieser Broschüre, die zur Messe BAU 2015 erscheinen soll, wird das gesamte Spektrum des Steinmetzhandwerks "emotional und kundenorientiert" präsentiert. 2015 will der Bundesverband seinen Marketingpartnerbetieben zwei weitere Motive der "Kundenwunsch"-Serie zur Verfügung gestellt werden. Drei Poster erhält jeder Betrieb gratis; für alle weiteren wird laut BIV eine vergleichsweise geringe Kostenbeteiligung erhoben. Partnerbetriebe können außerdem zu Sonderkonditionen Gerüstplanen oder Bauzaunbanner beziehen. Für 2015 plant ist auch die Erstellung eines internes Partner-Portals für den schnellen Informationsaustausch geplant. 2016 will der der BIV durch "Add Ons" im Internet Endverbraucher ansprechen und durch Beiträge in Fachzeitschriften Architekten und Planer erreichen.
 
Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden
Den wohl spannendsten und mit Sicherheit amüsantesten Tagesordnungspunkt gestaltete Gastreferent Johannes Warth, ein Oberschwabe, der sich "Ermutiger und Überlebensberater" nennt. Mit schauspielerischem Talent, sprachlichem Witz und zugleich tiefgründiger Nachdenklichkeit motivierte er die Anwesenden in seinem 90-minütigen Programm dazu, festgefahrene Verhaltensweisen zu überdenken und Pflöcke für die Zukunft einzuschlagen. Immer wieder erntete Warth Lachsalven, wenn er seine Maximen auf sehr bildhafte Weise mit Pfeil und Bogen, einem selbstgebastelten Schlagzeug oder singend per Schifferklavier erläuterte. Den Höhepunkt bildete schließlich sein Balanceakt auf einem dicken Seil, das von jeweils vier Steinmetzmeistern gehalten wurde.

Warths sieben Botschaften lauteten: "Seien sie authentisch!" (Nur das Echte hat Bestand). "Seien Sie kommunikativ!" (Offene Türen führen ins Freie). "Seien Sie einfältig!" (Vielfältig denken und einfältig handeln!) "Seien Sie frohlockend!" (Wer gut drauf ist, kann gut lachen!) "Seien Sie mitreißend!" (Einer für alle und alle für einen!) "Seien Sie tragend!" (Glücklich wird, wer glücklich macht!) "Seien Sie vertrauend!" (Ich bin, also kann ich!) Denn, so sein Fazit: "Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden!"
Harald Lachmann

(10.6.2014)