Bestattungsgesetz Baden-Württemberg: Steinmetze bringen sich ein

August Weber und Gustav Treulieb (1. und 2. von links) vertraten u.a. die Steinmetze in der Diskussion über die Änderung des Bestattungsgesetzes in Baden-Württemberg, die von Dr. Monika Stolz (in rosa) geführt wurde; Foto: Susanne Storath

Am 1. Juli fand in Ulm ein Fachgespräch zu den bevorstehenden Änderungen am Bestattungsgesetz in Baden-Württemberg statt. Eingeladen hatte dazu Dr. Monika Stolz, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und Ministerin a. D. Es diskutierten Vertreter der Kirchen aller Konfessionen, Bestatter, Steinmetze und Hospizvereinsmitglieder. Die geladenen Bürgermeis­ter aus dem Wahlkreis waren leider fast alle durch Kreistagssitzungen verhindert, hatten aber z.T. Stellvertreter geschickt.

Vier Steinmetze vertreten
Von Steinmetzseite waren BIM Gustav Treulieb, BIV-Vorstandsmitglied August Weber, OM Karl Diez und Steinmetz­meis­terin Silke Lambert anwesend. Vertreter der Tageszeitungen hatten laut Dr. Stolz bedauerlicherweise kein Interesse an der Diskussion gezeigt.

Drei Themenschwerpunkte
Die drei Themenschwerpunkte lauteten 1. Abschaffung der Sargpflicht, 2. Urnengedenkstätten auch außerhalb von Friedhöfen und 3. Änderungen der Vorgabe bis zum frühesten Zeitpunkt der Bestattung von bisher 48 auf 24 Stunden. Bei Punkt 1 und 3 ging es in erster Linie darum, anderen Religionen wie dem Judentum oder dem Islam bei ihren kulturellen Bestattungsriten entgegen zukommen und beispielsweise Tuchbestattungen zu erlauben. Einig war man sich am Ende da­rüber, dass die angedachten Möglichkeiten gesetzlich eingeräumt werden sollten, sich die praktische Umsetzung aber vermutlich nicht überall ganz un­prob­lema­tisch gestalten werde.

Friedhofspflicht lockern?
In Zusammenhang mit Punkt 2, der eine Lockerung der Friedhofspflicht mit sich bringen würde, beabsichtigt der Gesetzgeber, Urnenbestattungen nicht nur auf Friedhöfen, sondern auch an anderen würdevollen Orten wie in Grabes­kirchen oder privaten Kolumbarien zu erlauben. Seebestattungen oder Ascheausstreuungen auf der Wiese seien damit aber nicht gemeint, so Dr. Stolz. Es sei auch nicht vorgesehen, die Urne an Angehörige auszuhändigen.

Friedhöfe erhalten
BIM Treulieb gab hier zu bedenken, dass erstmal grundsätzlich geklärt werden müsse, ob man das Kulturgut Friedhof dauerhaft erhalten wolle. "Falls ja, dann muss auch alles dafür getan werden, die Bestattungen vorwiegend dort durchzuführen anstatt die Finanzierung der Friedhöfe noch weiter zu erschweren", sagte der BIM. Denn: "Sollten solche Alternativen erlaubt werden, besteht die Gefahr, dass plötzlich lauter private Kolumbarienanbieter auftauchen und noch mehr potentielle Kunden von den Friedhöfen abziehen, die ja wiederum von den Gemeinden unterhalten werden müssen", so Steinmetzmeis­ter August Weber. Deshalb müsse immer zuerst der wirkliche Bedarf an Bestattungsplätzen in einer Gemeinde ermittelt werden, bevor man privaten Anbietern den Weg ebne.

Öffentliches Gedenken ermöglichen
Außerdem sprach der Steinmetzmeister das "Öffentliche Gedenken" an, das bei privaten Kolumbarien seiner Meinung nach vielleicht nicht möglich sein werde, weil nur bestimmte Leute Zutritt zu den Räumlichkeiten hätten. "Die Urne darf auf keinen Fall privatisiert werden", sind Weber und Treulieb überzeugt. Auch Dekan Hambüchen von der katholischen Kirche Baden-Württemberg plädierte dafür, nicht zu viele verschiedene Bestattungs­orte zu schaffen.

Am Ende des Gesprächs bedankte sich Dr. Stolz für die aufschlussreiche Diskussion – insbesondere in Bezug auf die privaten Gedenkorte und versprach, die wichtigen Punkte in die Gesetzesdiskussion in Stuttgart einfließen zu lassen.
Susanne Storath

(Erschienen am 15.07.2013)