Anwälte für den Friedhof

Podiumsdiskussion unter der Moderation von Pastor Professor Thomas Vogel, Timmendorfer Strand (2.v.l.): Heinrich Paulsen, Andreas Mäsing und Andreas Morgenroth (v.l.) (Foto: Stefan Wolf)

Die Stadt Bad Schwartau, die nahtlos an die Hansestadt Lü­beck angrenzt, überlegt, in der Nähe des Stadtgebiets einen Ruheforst anzulegen. Um dem entgegenzuwirken, hat der Arbeitskreis Trauerkultur aus Lübeck (www.arbeitskreis-trauerkultur.de) zusammen mit der zuständigen Kirchengemeinde Rensefeld und deren Pastor Matthias Kiehn im September eine Friedhofsführung und eine Podiumsdiskussion veranstaltet.

Ziel war es, auf die Nachteile eines Ruheforstes und dessen Auswirkungen auf den derzeit noch "gesunden" Rensefelder Friedhof hinzuweisen. Bedenken gibt es u.a. theologischer, ökologischer und ökonomischer Art, vor allem, weil Lübeck bereits von sieben Waldbestattungensarealen umringt ist.

Friedhofsführung mit rund 70 Personen
An der Friedhofsführung über das 8,5 ha große Areal mit 12.000 Grabstellen nahmen rund 70 Personen teil. Pastor Matthias Kiehn wies dabei insbesondere auf die vielfältigen Bestattungsmöglichkeiten auf dem Rensefelder Gottesacker hin. Trotzdem kämpfe man durch die steigende Anzahl an Urnenbestattungen mit dem Problem von Überhangflächen. Diese würden durch die Schaffung weiterer Bestattungsangebote wie Ruheforst sicher nicht weniger und sich noch stärker zu Lasten des Friedhofshaushalts auswirken.

Podiumsdiskussion mit drei Fachleuten
Im Rahmen der Podiumsdis­kussion beleuchteten u.a. Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur aus Borken, der Lübecker Baumexperte Heinrich Paulsen und der Hamburger Landschaftsplaner Andreas Morgenroth das Thema "Bestattungen im Wald" aus verschiedenen Blick­winkeln. Sie warnten sowohl vor Eingriffen dieser Art in den Wald und in die Friedhofskultur als auch in unser nicht dafür vorbereitetes Ökosys­tem.

Da auch politische Entscheidungsträger bei der Veranstaltung anwesend waren, hoffen die Initiatoren nun, dass ihr Engagement den Kommunalpolitikern dabei hilft, die richtige Entscheidung in Bezug auf den Ruheforst zu treffen.

Pflegeleichte Alternative zu Baumbestattungen
Wie eine pflegeleichte Alternative zu Baumbestattungen auf dem Friedhof aussehen kann, zeigt die Stadt Lübeck mit ihrem sogenannten Bestattungsgarten auf dem Vorwerker Friedhof. Die zugehörige Meldung finden Sie hier.

(Erschienen am 18.09.2014)

Autorin: Susanne Storath