Rund 250 aktive Steinbrüche: Deutschland hat viel zu bieten

Granit, Basalt, Diabas, Sandstein, Kalkstein, Dolomit und Marmor

Günstige Importe haben es der deutschen Steinindustrie schwer gemacht. Die Werksteingewinnung war lange Zeit rückläufig, hat sich in den letzten Jahren aber stabilisiert. Laut der Statistik "Marble and Stones in the World" wurden 2011 rund 750.000 t Rohmaterial gefördert. Nach Schätzungen des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV), Würzburg, gibt es bundesweit noch 200 bis 250 aktive Brüche. Einige Materialien erfreuen sich trotz der Konkurrenz aus dem Ausland nach wie vor guter Nachfrage. Sie finden Verwendung im Bausektor, in der Restaurierung, im Grabmalbereich und in der Bildhauerei. Aktuelle Zahlen zu Deutschlands Steinbrüchen finden Sie hier.


Ruhrsandstein-Abbau im Bruch der Firma Grandi (Foto: Firma)

Mittelfristig wird der Bedarf an heimischen Steinen wieder steigen, ist DNV-GF Reiner Krug überzeugt. Er begründet seine Prognose u.a. damit, dass Nachhaltigkeitsaspekte eine immer größere Rolle spielen. Steine aus Deutschland würden sich wegen der kurzen Transportwege durch eine gute Energiebilanz auszeichnen. Lesen Sie mehr zum anhaltenden Wachstum im Natursteinsektor in NS 11/16, "Leichter Knick in der Wachstumskurve", ab Seite 12

Derzeit bauen fünf Natursteinbetriebe an Deutschlands derzeit prominentester Kulturbaustelle, dem rekonstruierten, einstigen Hohenzollernschloss auf der Berliner Museumsinsel, über das Naturstein mehrmals berichtete. Es sind die Unternehmen Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser, Hofmann Naturstein aus Gamburg, das Dresdener Unternehmen Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer, die Firma Dreßler Bau, ebenfalls aus Dresden, sowie das Unternehmen F. X. Rauch mit Hauptsitz München. Lesen Sie mehr dazu hier.

Deutsche Steine auf der Stone+tec 2018
Naturstein aus dem deutschsprachigen Raum ist Gegenstand einer Sonderschau auf der nächsten Stone+tec. Wir stellen daher Firmen vor, die sich an der Austellung beteiligen. Folgende Artikel könnten Sie in diesem Rahmen interessieren:
>"Alter Bekannter mit guten Eigenschaften" in NS 7/2017, ab Seite 42
>"Grüne und graue Gneise aus den Alpen" in NS 8/2017, ab Seite 46
>"Klassiker aus dem Fichtelgebirge" in NS 10/2017, ab Seite 49

 

Gesteinsauswahl bei der Planung
Bauherren und Architekten planen und gestalten entsprechend ihren Wünschen und den technischen Erfordernissen. Dabei können neben den gestalterischen Gesichtspunkten auch denkmalpflegerische Auflagen den Einsatz von Naturstein beeinflussen. Im landschaftsgebundenen Bauen wird der heimische Naturwerkstein bevorzugt. Die deutsche Naturwerksteinindustrie verarbeitet auch Naturwerksteine aus dem europäischen Ausland, die im Gegensatz zu Materialien aus Indien oder China ebenfalls oft als "heimische" Natursteine bezeichnet werden. Dadurch steht dem Planer eine Vielzahl von Naturwerksteinen zur Verfügung. Die Fachbetriebe des Deutschen Naturwerkstein-Verbandes verfügen über umfangreiche Erfahrungen bei der Verwendung von Naturwerkstein und können Bauherren und interessierte Architekten bereits im frühen Planungsstadium beraten. Referenzbauten dokumentieren das Erscheinungsbild der verwendeten Naturwerksteine.

Beispiele für die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Naturwerkstein im privaten Wohnungsbau werden u.a. in der DNV-Broschüre "Leben mit Naturstein" vorgestellt. Auf 52 Seiten zeigen über 100 vierfarbige Bilder, zum Teil im Großformat, einen repräsentativen Querschnitt des gehobenen, aktuellen Wohnungsbaus in Deutschland. Abschließend werden deutsche Natursteine (Material und Farbe) detailliert präsentiert.

Naturwerkstein aus Deutschland
Einige der bekanntesten in Deutschland besonders häufigen Gesteine sind Granit, Basalt, Diabas, Sandstein, Kalkstein, Dolomit und Marmor.

Granit


Flossenbürger Granit der Granitwerke Baumann in der Fußgängerzone in Reutlingen (Foto: Firma)

Granit, der bekannteste sogenannte Plutonit, ist ein in der Tiefe der Erde langsam erstarrtes Magmatisches Gestein. Er zeigt keine Schichtung, aber dafür ein bei der Abkühlung und tektonischen Überprägung entstandenes System von Klüften und Lagern, die beim Abbau genutzt werden. Granite bestehen vorwiegend aus Quarz, Feldspat und Glimmer, die dicht miteinander verwachsen sind. Sie besitzen einen meist nur geringen Porenraum. Ihre hervorragenden Eigenschaften resultieren insbesondere aus dem hohen Gehalt an Quarz (mehr als 20 %). Die Bezeichnung "Granit" wird im Natursteinhandel aber nicht nur für die petrografisch definierte Gesteinsart, sondern auch für viele ähnliche Gesteinsarten verwendet.


Flossenbürger Granit gelbgrau und blaugrau (Fotos: Granitwerke Baumann)

Nach DIN EN 12670 wird Granit wie folgt definiert:
a) wissenschaftlich: plutonisches Gestein mit Alkalifeldspat, Quarz, geringen Mengen an Plagioklas und Glimmer sowie anderen Mineralen
b) kommerziell: Naturstein, kompakt und polierbar, der für dekorative Zwecke sowie beim Bauen verwendet wird und hauptsächlich aus Mineralen mit einer Härte zwischen fünf und sieben auf der Mohsschen Härteskala besteht, wie Quarz und Feldspat, z. B. Granit nach der wissenschaftlichen Definition, andere plutonische Gesteine, vulkanische Gesteine mit porphyritischem Gefüge, metamorphe Gesteine mit granitartiger Zusammensetzung, wie beispielsweise Gneis, und sogar Kalkstein in einigen Gebieten Europas.

Die deutschen Granite entstanden meist im Karbon im Zusammenhang mit der Bildung des Variszischen Gebirges vor rund 300 Millionen Jahren und sind heute in den Mittelgebirgen zu finden. Daneben gibt es Granite besonders in Skandinavien, Frankreich, Spanien, Italien sowie in vielen anderen Ländern der Erde aus nahezu allen geologischen Zeiten. Die Granite werden in vielen Farben verarbeitet. Zu nennen sind besonders graue, gelbe, rote, blaue und weiße Tönungen. Durch Einschlüsse und Unterschiede im Gefüge können sich architektonisch reizvolle Zeichnungen der Oberflächen ergeben. Die Bearbeitung der Oberflächen variiert von poliert bis beflammt. Die Granite werden aufgrund der hervorragenden technischen Eigenschaften für alle Verwendungszwecke der Natursteine eingesetzt.

Basalt und Diabas

 
links: Wasserspiele und Herkules-Statue im UNESCO-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel aus Habichtwalder Tuff (Foto: Museumslandschaft Hessen Kassel); rechts: Steinmuster

Vor allem im Devon, Tertiär und Quartär sind in Deutschland basaltähnliche Gesteine gebildet worden. Dabei werden bei uns die älteren Bildungen häufig Diabase und die jüngeren Basalte genannt. Die Basalte enthalten viel Plagioklase (Feldspat) und kaum Quarz. Basalte sind oft einheitlich dunkle, dichte Gesteine von großer Festigkeit, die als Werksteine eine hohe Wertschätzung genießen.

Sandstein


Material mit Tradition: Kolonnade aus WEISS-GRAUEM MAINSANDSTEIN auf der Museumsinsel in Berlin (Foto: Bamberger Natursteinwerk)

Der Sandstein gehört in Deutschland zu den am weitesten verbreiteten und abgebauten Naturwerksteinen. Besonders bekannte Vorkommen sind die aus dem Buntsandstein und dem Keuper. Auch in vielen anderen Ländern gibt es Sandsteine aus nahezu allen geologischen Systemen. Der wirtschaftlich nutzbare Sandstein wurde insbesondere in küstennahen Meeresgebieten und breiten Flussdeltas abgelagert. Den Sandstein gibt es in vielen Färbungen. Zu nennen sind rote, gelbliche, braune und grünliche Farbtöne sowie nahezu weiße Ausbildungen. Interessant sind auch die Strukturen in Form von Schichtungen und Zeichnungen durch Ausfällungen von Eisenhydroxiden.


Weiss-grauer Mainsandstein Handelssorte Klaubholz, Schönbrunn und Hahnbruch

Sandsteine bestehen aus den bei der Verwitterung übriggebliebenen Resten älterer Gesteine. Das sind vor allem isolierte Quarzkörner und Gesteinsreste. Daneben kommen auch Feldspäte und Glimmer sowie Tonmineralen vor. Die technischen Eigenschaften der Sandsteine sind unterschiedlich. Wie bei allen Sedimentgesteinen ist die Schichtung zu beachten. Die Sandsteine werden in großem Umfang für Mauerwerk, Fenster- und Türumrahmungen, als Platten für Fassaden, Treppen- und Bodenbeläge sowie andere Einsatzgebiete verwendet.


Bis heute wird der WEISS-GRAUE MAINSANDSTEIN für prestigeträchtige Bauprojekte eingesetzt: Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz in Berlin (Foto: Bamberger Natursteinwerk)

Kalkstein, Dolomit und Marmor
Die Carbonatgesteine Kalkstein und Dolomit bestehen vorwiegend aus den Mineralen Calcit und Dolomit und wurden als Sedimentgesteine ursprünglich im Wasser gebildet. Dabei waren biologische und chemische Faktoren wirksam. Durch anschließende Metamorphose, das heißt intensive Umkristallisation, entstanden aus kalkigen Sedimenten die kristallinen Marmore. Bei den Handelsnamen werden auch die dichten und festen Kalksteine als Marmore bezeichnet. Kalkstein, Marmor und Dolomit sind einmalige Bildungen unseres Planeten Erde und eng mit der Geschichte des Lebens verknüpft. Es gibt gerade in Deutschland und auch weltweit Kalksteine mit hervorragenden Festigkeiten und Frostwiderstand. Ihre Bildung erfolgte in verschiedenen geologischen Zeiten, wie die im Stein enthaltenen Fossilien belegen.

In Deutschland sind vor allem die Vorkommen aus der Mittleren Trias (Muschelkalk) und dem Oberen Jura (Malm) sowie aus jüngeren Schichten bekannt. Die Kalksteine haben durch ihr geologisches Alter und die Formen der Fossilien sowie zahlreiche Färbungen und Zeichnungen eine großartige Vielfalt gebildet. Als Farben kommen besonders gelbliche, graubraune, rote oder weiße Töne zur Anwendung. Aber auch andere Färbungen können sehr begehrt sein. Die Carbonatgesteine sind mehr oder weniger dicht und häufig polierfähig. Neben der Politur werden auch rauere Oberflächenbearbeitungen geschätzt. Kalkstein, Dolomit und Marmor werden im Innen- und Außenbereich vielseitig eingesetzt.

Ein Beispiel für ein Kalkgestein aus dem Oberjura ist der Solnhofener Plattenkalk, im Handel auch als "Solnhofener" bekannt. Infos über einen Solnhofener Steinbruch finden Sie hier. Wie der Kalkstein abgebaut wird zeigen wir hier.

Geologie von Deutschland
Deutschland ist im Wesentlichen ein Land geologischer Bruchstrukturen, die die heute sichtbaren Gesteinskörper durchziehen. Beim Oberrheingraben werden sie so deutlich, dass hier eine trennende Naht die Erdkruste durchzieht. Sein Nord-Süd-Verlauf mit den aufsteigenden Randgebirgen (Vogesen auf der französischen Seite, der Schwarzwald auf der deutschen Seite) bestimmt den Flusslauf des Ober-Rheins. Die heutige Landschaftsoberfläche ist im Wesentlichen durch die sehr jungen (bis vor ca. 12.000 Jahren) Eiszeiten geprägt: Moränenwälle, Seen und Schotterfelder im Alpenvorland, Sand in der Mark Brandenburg, Löss und Urstromtäler. Alles in allem der Beweis, dass einst das Inlandeis aus den Gletschern Skandinaviens bis Berlin geflossen ist, bzw. aus den Alpen Richtung Norden.
Die wesentlich prägende Epoche war die der variszischen Gebirgsbildung im Karbon, die in ganz Europa und weit darüber hinaus die Gebirge geformt hat.

Das Variszische Gebirge wird in folgende vier Großeinheiten unterteilt:
• "Moldanubikum" (benannt nach der Moldau und dem Rhein)
• "Saxothuringikum" (benannt nach Sachsen und Thüringen)
• "Rhenohercynikum" (benannt nach dem Rheinischen Schiefergebirge)
• "Subvariszische Saumsenke" (Gebiet der Ruhrkohlen)


Material für innen und außen: Mauern und Stufenanlage aus Ruhrsandstein, der am Nordsaum des "Rhenohercynikum", der nördliche Teil des Variskischen Gebirges, entstand. (Foto: Firma)


Die Ruhrsandsteine des Oberkarbon sind etwa 315 - 320 Mio. Jahre alt. Es handelt sich um hellgraue, durch Oxidation manchmal gelb bis bräunlich gebänderte, stark kieselig gebundene, mittelkörnige Sandsteine, die heute etwas südlich von Dortmund (Syburg und Buchholz, Herdecke, Sprockhövel, Wetter-Albringhausen) abgebaut werden.


Seit dem Mesozoikum wurde das alte Gebirge zusehends eingeebnet, es entstand zunächst eine weit reichende Landoberfläche. So ragen aus dem Schwarzwald immer noch einzelne Höhenrücken heraus, die als Schuttlieferanten wirksam waren. Später entwickelte sich ein Meeresbereich, dessen Ablagerungen vor allem im Untergrund von Norddeutschland zu finden sind. Sie reichen insgesamt von der südlichen Nordsee bis weit nach Polen hinein. Damals wurden unter weitgehend heißen Klimabedingungen Karbonate, vor allem aber Evaporite gebildet und es entstanden Anhydrit, Gips, Steinsalz und die wertvollen Kalisalze. Das variszische Gebirge wurde zunehmend eingeebnet.


Mit Ruhrsandstein der Firma Grandi bekleidetes Zugangsgebäude zum Kölner Dom (Dombauarchiv Köln, Foto: Matz u. Schenk, 2009); Ruhrsandstein entstand in der Zeit des Oberkarbon.


Perm und Trias

  
links: Kleid aus Rochlitzer Porphyr: Das Stadtgeschichtliche Museum in Leipzig (Foto: Vereinigte Porphyrbrüche); rechts: Steinmuster

Am Übergang vom Perm zur Trias werden die im Rotliegenden noch überwiegend grobklastischen Schuttablagerungen zunehmend feiner, bis im Buntsandstein Sand und Tone vorherrschen.

Muschelkalk
In der nachfolgenden Muschelkalkzeit bestimmte dann wieder das Meer die Szenerie. Der Meereseinbruch kam diesmal aus dem südlich angrenzenden Tethysmeer. Die Ablagerungen sind im Wesentlichen Kalke und gelegentlich Mergel, der die Kalke gliedern. Das Muschelkalkmeer war ein Flachmeer, das gelegentlich trocken wurde. An den Gesteinen ist das heute an unterschiedlich starken Wasserbewegungen sichtbar.
Im Mittleren Muschelkalk war das Becken vom Tethysmeer weitgehend abgeschottet, das Wasser dampfte immer wieder ein, und es kam zur Bildung von Steinsalzlagerstätten. Vollmarine Verhältnisse herrschten hauptsächlich während des Oberen Muschelkalks. Im Keuper überwog dann wieder eine eher festländisch geprägte Landschaft. Phasenweise wurde die Landschaft von großen Flusssystemen geprägt, deren Hinterlassenschaften als Sandsteine rinnenförmig in die liegenden Tone eingebettet sind (Schilfsandstein und mehrere aufeinander folgende Stubensandsteine). Hier lebten die ersten Dinosaurier. 

Jura
Mit dem Jura erlebte auch Deutschland einen erneuten Meereseinbruch, der zu großräumigen Überflutungen führte. Meist überwogen dunkle Tone, die zur Bezeichnung "Schwarzer Jura" führten. Im Mitteljura herrschten dann Sand- und Tonablagerungen eines recht flachen Meeres, wobei im Küstenbereich und um große Inseln herum die einstmals wirtschaftlich wichtigen Eisenerze entstanden sind (daher der Name "Brauner Jura"). Im Oberjura gibt es mächtige Karbonatkomplexe, deren helle Farben den Begriff "Weißer Jura" geprägt haben. Heute prägen sie die Landschaften der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Die Karbonate sind meistens Flachwasserbildungen, in denen neben gut gebankten und meist durch Mergelzwischenlagen getrennten Kalksteinen auch massige, oft dolomitische Partien entwickelt sind. Häufig sind versteinerte Ammoniten zu finden. Auch dieses Meer drang zunächst von Süden aus dem Tethysraum vor und hat sich während des obersten Weißjura wieder dorthin zurückgezogen. Das norddeutsche Weißjurameer dagegen hatte Verbindung zum Nordseeraum.

Kreide
Die untere Kreidezeit ist durch trocken gefallene Ablagerungsräume, Sumpfwälder und Flusssysteme gekennzeichnet. Erst während der Oberkreide gerieten wieder weite Bereiche unter Meereseinfluss; das betraf allerdings, von einzelnen großen Buchten im Randgebiet des Bayerischen Waldes abgesehen (z. B. um Regensburg), vor allem Norddeutschland, wo im Münsterland und seinen Rändern sich die etwa 200 m mächtige Oberkreide gebildet wurde. Darüber hinaus ist Oberkreide im Untergrund des gesamten norddeutschen Flachlands erbohrt und kommt an der Ostseeküste, z.B. auf Rügen (Kreidefelsen), auch wieder an die Oberfläche. Im Südosten entstanden zu dieser Zeit sandige Ablagerungen, die auf den festlandsnahen Randbereich Böhmens bzw. auf die diesen umgebenden variszischen Gebirgsteile der Sudeten zurückzuführen sind. Sie bilden die heute von der Erosion zerfressene Landschaft des Elbsandsteingebirges. Am Ende der Kreidezeit starben viele Tiergruppen aus.

Tertiär
Das übrige Deutschland war zu dieser Zeit Festland, auf dem die chemische Verwitterung immer intensiver wurde und vor allem während des Alttertiärs unter feuchtheißem Klima die Gesteine des Untergrundes zersetzte und mächtige Tonablagerungen einer gelegentlich Zehnermeter dicken Verwitterungsdecke hinterließ. Die jüngeren Tertiärablagerungen sind, von kurzzeitigen Meereseinbrüchen in zuvor entstandenen Senkungsgebieten abgesehen, meist fluviatile (Flüsse) und Iimnische (Seen) Sedimente. Im Tertiär wurden die Alpen gefaltet und gehoben.

Quartär
Deutschlands Quartärlandschaft hat sich zwischen dem skandinavischen Inlandeis und der Hochgebirgsvergletscherung des Alpenraums entwickelt, wobei die nordischen Gletscher zeitweise weit bis nach Mitteldeutschland, und die Alpengletscher in das als Alpenvorland bezeichnete Gebiet, das zuvor das Molassemeer bedeckt hatte, vorgestoßen waren. Der Wechsel von Kalt- und Warmzeiten hat eine Fülle von unterschiedlichen Sedimenten hinterlassen, deren Über- und Nacheinander die Klimaveränderungen abbildet, die sich bei uns in den vergangenen über zwei Millionen Jahren seit Beginn der quartären Eiszeit ereignet haben.

Abbau und Nachnutzung der Steinbrüche


Abbau von Flossenbürger Granit im Steinbruch der Helgert Granit GmbH (Foto: Firma)

Der Abbau der deutschen Naturwerksteine erfolgt meist in relativ kleinen Steinbrüchen ohne große Sprengungen. Der nicht verwendete Abraum kann unmittelbar zum Verfüllen abgebauter Teile des Steinbruchs eingesetzt werden. Falls das nutzbare Vorkommen erschöpft ist, kann sich eine weitere Nutzung des Steinbruchs in vielfältiger Form anschließen. Es gibt Zeugnisse für die Nutzung ehemaliger Steinbrüche zum Beispiel als Freizeitgelände und als Seen; daneben ist eine komplette Rekultivierung und Rückführung des Geländes an die Land- und Forstwirtschaft möglich.

Die beim Abbau und der Verarbeitung anfallenden Reste sind natürliches Gestein und können wirtschaftlich zum Beispiel im Garten- und Landschaftsbau, für Mauerwerk, zum Belegen von Terrassen, für den Wasserbau sowie zur Herstellung von Schotter genutzt werden. Nicht mehr nutzbare Abfälle dienen in Steinbrüchen zum Verfüllen. Alte Bauteile aus Naturwerkstein wurden früher nach dem Abriss eines Bauwerks häufig erneut bearbeitet und verwendet. Sie können ohne Belastung der Umwelt in Steinbrüchen, das heißt an den Orten ihrer Herkunft, deponiert werden. Im gesamten Kreislauf der Naturwerkstein-Gewinnung, -Bearbeitung und -Rückführung an die Natur geht nichts verloren. Hier besitzt der Naturwerkstein in den Jahrtausenden seiner Nutzung eine Sonderstellung gegenüber anderen Baustoffen.

Naturwerkstein und Ökologie


Mit massiven Mauersteinen aus Brannenburger Nagelfluh gestaltete Kapelle am Auerberg im Landkreis Miesbach (Foto: Firma)


Brannenburger Nagelfluh geschliffen, gesägt, gespitzt und gestockt

Naturwerkstein ist ein im Laufe von Jahrmillionen gewachsenes lebendiges Material. Für seine eigentliche Herstellung ist kein Energiebedarf notwendig. Lediglich bei der Gewinnung und Bearbeitung wird Energie verbraucht; der Anteil ist jedoch im Vergleich mit anderen Baustoffen gering. In einer Nachhaltigkeitsstudie wurden die ökologischen Auswirkungen der Verwendung von Fassadenkonstruktion mit Naturwerkstein ermittelt und Fassadenkonstruktionen mit hohem Glasanteil gegenüber gestellt. Die Studie betrachtet beispielhaft die gesamte Ökobilanz unterschiedlicher Fassadenkonstruktionen, aufgeteilt in Herstellung, Nutzung und Entsorgung (End of Life), und vergleicht diese bezüglich des Verbrauchs von Primärenergie und der Entstehung von Umweltbelastungen. Eine anschließende Kostenbetrachtung ermittelt den Barwert der gebäudebezogenen Nutzungskosten der untersuchten Fassadenvarianten. Die Nachhaltigkeitsstudie ist beim DNV erhältlich.

Alle Argumente für den Einsatz von (heimischem) Naturstein finden Sie in unserem Naturstein-Expertengespräch "Alle Argumente pro Naturstein", kostenlos erhältlich in unserem Webshop.

Wenn Sie sich speziell für Natursteine aus Deutschland interessieren, nutzen Sie doch unsere DNSA-Datenbank, indem sie in der "Allgemeinen Suche" als Herkunftsland "Deutschland" angeben. Als Suchergebnis erhalten Sie alle deutschen Gesteine, die dort archiviert sind. Weitere Tipps, wie Sie die Suche noch präzisieren können, lesen Sie hier.

Über 200 Abbildungen deutscher Gesteinsmuster, teilweise mit unterschiedlichen Oberflächenbearbeitungen und einer Suchfunktion inklusive Lieferantenverzeichnis befinden sich auf der Naturstein-CD des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV). Sie kann hier bestellt werden. Diese Gesteinsmuster sind außerdem in der Natursteinsuche auf der Website des DNV zu finden (Auswahlkriterien: Handelsname, Steinart, Steinfarbe).

Produzenten/Anbieter deutscher Natursteine, die Mitglieder des Deutschen Naturwerkstein-Verbands sind, sind u.a. in der Firmensuche auf der DNV-Website gelistet (Auswahlkriterium: "Steinbruch" anklicken).

Im Laufe der Jahre gab es viele technische Innovationen, was den Abbau im Steinbruch betrifft. Wie heute auf moderne Weise Gestein abgebaut wird, sehen Sie hier. Welche Technik hingegen in den späten 20er-Jahren zur Verfügung stand, zeigt dieser Dokumentarfilm.

In unserer Serie "Werksteine und Steinbrüche in Deutschland" stellt Autor Sebastian Hemmer deutsche Gesteine und deren Abbaugebiete vor. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier:
- NS 9/13, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (1): Mainsandstein, ab Seite 50
- NS 10/13, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (2): Granit aus Flossenbürg, ab Seite 52
- NS 11/13, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (3): Abbau für andere, ab Seite 23
- NS 12/13, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (4): Ruhrsandstein, ab Seite 60
- NS 1/14, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (5): Rochlitzer Porphyr, ab Seite 62
- NS 3/14, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (6): Brannenburger Nagelfluh, ab Seite 42
- NS 5/14, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (7): Kösseine-Granit, ab Seite 44
- NS 8/14, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (8): Ibbenbürener Sandstein, ab Seite 52
- NS 2/15, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (9): Kelheimer Kalkstein, ab Seite 46
- NS 4/16, Werksteine und Steinbrüche in Deutschland (10): Spezialist für Rohmaterialien, ab Seite 34
- NS 8/16, Werksteine und Steibrüche in Deutschland (11): Einer für (fast) alles, ab Seite 28

Einen Überblick darüber, wie "steinreich" Deutschland ist, bietet unsere Karte, erstellt von Dipl.-Geologe Reinhard Kögler, Leiter des Deutschen Naturstein-Archivs in Wunsiedel, in Kooperation mit dem Deutschen Naturwerkstein-Verband. Sie zeigt, wo welche Gesteinssorten und -arten gewonnen werden, und ist ab sofort in unserem Webshop erhältlich.

Der ein oder andere deutsche Steinbruch hat es sogar schon bis nach Hollywood geschafft. Einen Steinbruch in Breitbrunn, der vom Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser betrieben wird, zierte für eine Weile das steinerne Konterfei von Coriolanus Snow (gespielt von Donald Sutherland) aus der Filmsaga "Die Tribute von Panem" im Rahmen einer Promotion-Aktion. Mehr dazu finden Sie hier und in der Naturstein-Ausgabe 01/2016, ab S.16

Als Zeitschrift mit Standort in Ulm liegt uns das Ulmer Münster und dessen Bausubstanz natürlich besonders am Herzen. Obwohl die Beschaffung von Baumaterialien mit Originalcharakter problematisch ist, wurden in Dettenhausen und Lauchheim auf Betreiben der Ulmer Münsterbauhütte zwei Sandsteinbrüche neu- bzw. wiedererschlossen. Lesen Sie mehr dazu in der Naturstein-Ausgabe 6/16, ab Seite 18.

Rezensionen passender Literatur:
- Geologie von Sachsen II
- Bausandsteine in Deutschland Band 2: Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schlesien (Polen)
- Naturwerksteine aus Baden-Württemberg. Vorkommen, Beschaffenheit und Nutzung
- Geologie von Baden-Württemberg/Der Schwarzwald und seine Umgebung. Geologie, Mineralogie, Bergbau, Umwelt und Geotourismus

Susanne Storath
(unter Verwendung von Informationsmaterial, das vom DNV zur Verfügung gestellt wurde)

(Erschienen am 05.12.2017)