Weichen für Landesinnung gestellt

v.l. Uwe Lange (OM Schwerin), Edwin Rumpel (LIM Mecklenburg-Vorpommern) und Joachim Feilhaber (OM Neubrandenburg)
v.l. Uwe Lange (OM Schwerin), Edwin Rumpel (LIM Mecklenburg-Vorpommern) und Joachim Feilhaber (OM Neubrandenburg)

Im Nordosten stehen die Zeichen auf Fusion. Nach Jahren der Skepsis hat sich bei den Innungen Neubrandenburg, Rostock und Schwerin der Einheitsgedanke durchgesetzt. Anfang 2012 wollen die derzeit noch 43 Betriebe eine Landesinnung gründen. Als Termin für die Vereinigung ist eine Landesverbandstagung am 24./25. Februar im Gespräch.

Wie Edwin Rumpel, LIM in Meck­lenburg-Vorpommern, zum Landesverbandstag am 7. Oktober in Neubrandenburg informierte, habe er die nötigen Schritte bereits mit dem Wirtschaftsmi­nis­terium und den Handwerkskammern abgestimmt. Zuvor hatten alle drei Innungen – nicht zuletzt aus finanziellen Erwägungen – ihre Zustimmung signalisiert. Eine Arbeitsgruppe, der neben dem LIV-Vorstand auch die Vorstände der drei Innungen angehören, soll nun ein Statut erarbeiten und das weitere Vorgehen rechtlich klären.

Der Neubrandenburger Obermeister Joachim Feilhaber, der als früherer LIM bereits eine Fusion angestrebt hatte, aber stets an regionalen Vorbehalten gescheitert war, unterstrich noch einmal deren Nutzen: Man vermeide Doppelbelastungen, etwa bei den Gesellenprüfungen, bei der Geschäftsführung und den Reisekosten. Zudem beobachte er im Handwerk eine finanzielle Negativspirale. Denn bei sinkenden Mitgliederzahlen stiegen zwangsläufig die Innungsbeiträge, was oft weitere Austritte und damit noch höhere Beiträge für die Verbleibenden nach sich ziehe. "Solche Zusammenschlüsse werden oft nur unter Druck geboren, doch Druck ist nicht immer schlecht", so Feilhaber.

Geschäftsführer gesucht
Der Schweriner Obermeister Uwe Lange betonte, dass auch künftig die Regionalstrukturen erhalten bleiben. Statt Innungen gebe es dann Regionalgruppen, jedoch ohne eigene Geschäftsführung. Die Schweriner haben zudem durchgesetzt, dass die Rücklagen der Innungen auch künftig bei der jeweiligen Regionalgruppe verbleiben. Auch Rumpel unterstrich den dezent­ralen Ansatz der künftigen Landesinnung: "Wir müssen auch danach als regionale Achse des Steinmetzhandwerks erkennbar bleiben."

Die Stelle des künftigen Geschäftsführers wird nun ausgeschrieben. Bewerben könnten sich Experten von Kreishandwerkerschaften oder auch "Profis mit Einblick in die Materie", so Rumpel. Man aversiere langfris­tig aber eine einheitliche Geschäftsstelle für alle ostdeutschen Verbände und Innungen einschließlich Berlins. Diese solle dann auch Teilaufgaben für den BIV übernehmen und in Berlin agieren.

Beim Bestatter werben
Zu Beginn seines Geschäftsberichts spielte Rumpel einen Film des NDR ein. Darin hatte der Sender über das Patronatsfest des LIV Mecklenburg-Vorpommern in Klausdorf 2010 berichtet. Anschließend warb der LIM für das diesjährige Patronatsfest am 11. November in Klockenhagen bei Ribnitz-Damgarten. Rumpel berichtete außerdem von einer LIV-Vorstandssitzung mit aufgeregten Diskussionen, die sich unter Bezug auf einen Beitrag in der Fachzeitschrift Naturstein (1/2011, ab S. 16), mit der Honorierung von Beratungsleistungen der Bestatter auseinandersetzte. Seiner Meinung nach wäre es für die Friedhofskultur hilfreicher, wenn die Steinmetzen beim Bestatter für ein Begräbnis mit Stein werben würden. Jeder Betrieb könnte sich dann mit seinen individuellen Stärken und Werken präsentieren. "Ich glaube, das ist deutlich sinnvoller und einträglicher als die ‘natürlich immer nur von der Konkurrenz gezahlten' Schmiergelder, die letztlich den Friedhof ruinieren würden", sagte er. Darum habe sich der LIV-Vorstand da­rauf geeinigt, dass die Vermarktung der Grabstätten weiter ausschließlich den Friedhofsverwaltungen vorbehalten bleibt. Von "Schmiergeldern" an Bestatter sollten sich alle Innungsbetriebe distanzieren.

Tag des Friedhofs und Mindestlohn
Positiv bewertete Rumpel eine Reihe von Aktivitäten zum "Tag des Friedhofs". Vor allem in Schwerin, Ludwigslust, Neubrandenburg und Wismar hätten die Steinmetzen Flagge gezeigt. In Rostock wäre der Tag hingegen wegen "vieler Absagen der Kollegen" ins Wasser gefallen. Doch in der ersten Maihälfte 2012 werde es hier eine Festwoche zum 100-jährigen Bestehen des Rostocker Friedhofs mit Lebender (Steinmetz-)Werkstatt geben. Mehrere Kollegen sprachen sich noch während der Jahrestagung für eine Beteiligung aus. Auch für die Landesgartenschau 2013 in Prenzlau werden noch engagierte Mitstreiter gesucht.

"In Bezug auf die Lohnverhandlungen des Tarifverbunds Ost plädieren sowohl alle Landesverbände als auch die Gewerkschaft für einen Mindestlohn", sagte Rumpel. "Von der Einführung dieses Mindestlohns machen wir unsere Zustimmung zu einem neuen Tarifvertrag abhängig." Dieser könnte zum 1. Apri1 2012 für je ein Jahr in drei Stufen in Kraft treten und für deutsche Facharbeiter sowie Gehilfen gleichermaßen gelten. Ausnahmen würden nur Studenten, Schüler und Praktikanten bilden. Ziel sei es, "hierüber auch die Nichtinnungsbetriebe einzufangen und zur Wettbewerbsangleichung zu verpflichten."

Marketingpauschale aus Rücklagen zahlen
Kritisch berichtete Rumpel über den Zentralfriedhof Stralsund, wo es seit Mai ein "neues Massengrabdenkmal mit namentlicher Nennung des Verstorbenen im Klingelschildformat, Schriftzug in Bronze« gebe. "Und was bleibt für uns?", fragte er spitz. "Vier Löcher, 3,5 mm! Brauche ich dafür einen Steinmetzen, geschweige denn eine Werkstatt? Wohl kaum!"

Anschließend sprach auch BIM Gustav Treulieb ausführlich über Probleme, Überlegungen und Entwicklungen in der Branche sowie im Bundesverband Deutscher Steinmetze. Bezüglich der Pauschale für die Marketingarbeit des BIV beschloss die Mitgliederversammlung, die 100 € je Betrieb im kommenden Jahr aus Rücklagen des LIV Mecklenburg-Vorpommern zu überweisen, um den Start der neuen Landesinnung nicht durch eine Beitragserhöhung zu erschweren.
Am zweiten Tag der Landestagung stand ein Fachseminar auf dem Programm. In einem Vortrag ging es um das Verlegen von Naturwerkstein in feuchtebelasteten Innenräumen, anschließend sprach Dipl.-Ing. Detlev Krüger von der Mapei GmbH über häufige Verlegefehler bei Natursteinanwendungen und deren Vermeidung.

Harald Lachmann

(27.10.2011)

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