Einen Stein zum Klingen bringen

- Mario Tapia aus Ecuador gibt Arzu Türk (Türkei), Joep Struyk (Holland), Arpad Domokos (Ungarn), Yüksel Hanife (Türkei) und Anne Sewcz (Deutschland) - v.l.n.r. - eine Kostprobe seines Könnens. Foto: H. Lachmann
Auch das 17. Internationale Bildhauersymposium in Wunsiedel war hochkarätig besetzt. Es gibt bereits Wartelisten für die nächsten Jahre.
Anne Sewcz setzt die Pressluftmeißel ab, nimmt die Schutzmaske vom Mund und schaut zufrieden. Die "Liegende", die sie aus dem Granit herausarbeitet, nimmt Gestalt an. Die Körperform besteht aus mehreren ineinander übergehenden Kuben. Die Bildhauerin aus dem mecklenburgischen Crivitz widmet sich auch in Wunsiedel ihrem Hauptthema: Paare bzw. Einzelfiguren. Zum zweiten Mal nimmt sie am Internationalen Bildhauersymposium "Kunst in Stein" im Europäischen Fortbildungszentrum (EFBZ) teil. Sie habe sich gezielt hierfür beworben, erzählt sie – einerseits des Erfahrungsaustauschs mit den hochkarätigen Mitstreitern aus fünf Ländern wegen und andererseits, um "auch mal etwas Lärm und Staub machen zu können, ohne dass es einen stört", schmunzelt sie. Denn daheim hat sie kein eigenes Atelier. Doch die Ideen, die sich in ihr stauten, müssten halt heraus. Dafür stand sie in der ersten Augustwoche täglich zwölf und mehr Stunden unterm Schauer.
Den Stein hatte nach ihren Vorgaben das EFBZ gestellt. Als sie indes vor dem Granitstück stand, begann zunächst ein gegenseitiges Kennenlernen. "Ich spreche mit dem Stein und wenn nötig, ändere ich dann die Form." Denn die vorgefundene Struktur sei ihr wichtiger als die Ausgangsidee.
Es war bereits die 17. Auflage des Symposiums. Angereist waren durchweg akademische Bildhauer aus der Türkei, Ungarn, den Niederlanden sowie dem südamerikanischen Ecuador. EFBZ-Vizechef Erwin Hornauer, der die Veranstaltung einst ins Leben rief, freut sich über deren längst weithin hervorragenden Ruf. Die Bewerber stünden längst Schlange. Dabei werde man hier nicht gerade reich. Laut Hornauer erhalten sie Kost und Logis sowie eine Kostenpauschale von 700 €.
Die weiteste Anreise hatte diesmal der 43-jährige Mario Tapia aus Ecuador, der momentan in Carrara lebt. Von hier arbeitete er bereits für den Vatikan. In Wunsiedel gestaltete er unter dem Titel „Todos pueden sonar“ (Alles kann klingen) eine Frau in weißem Kalkstein. Anders als die anderen verzichtete er indes auf den Kompressor, arbeitete nur per Hand.
Die entstandenen Kunstwerke werden im EFBZ oder an öffentlichen Plätzen in der Stadt ausgestellt. Gegen die Erstattung der Materialkosten können die Künstler sie nach einem Jahr auch mit nach Hause nehmen.
Auch für die Lehrlinge sei es spannend, den Profis mal über die Schulter zu schauen, so Zentrumsleiter Heinrich Rhein. Für die Zukunft wünscht er sich indes noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit in der Region. Auch 2011 findet das Symposium in der ersten Juliwoche statt.
Harald Lachmann (27.7.2010)



