Schweiß und Staub
Mit jeder Menge Schweiß und Staub erarbeiteten sich Archäologie-Studenten der Ludwig-Maximilian-Universität in München ein wichtiges Zertifikat im Bildhauern. Der Leistungsnachweis sei mit dem Meisterbrief der Steinmetz-Gesellen zu vergleichen, meint Hans Seger augenzwinkernd. Er ist Schulleiter der Städtischen Fachschule für Steintechnik. Seger überreichte die Zertifikate an Studenten, die am Kurs "Praxis eines antiken Steinmetzen" teilgenommen hatten.
Es ist glühend heiß im Innenhof der Münchner Fachschule an der Luisenstraße. Überall glückliche Gesichter und jede Menge Arbeiten aus Stein. Zwischen den Meisterstücken steht eine Wand aus Marmor- und Kalksteinsteinblöcken, die zwar nicht meisterlich, aber durchaus respektabel behauen ist. Es ist die Übungswand von zehn Studenten des Instituts für Klassische Archäologie an der Meiserstraße.
"Sie ist der erfolgreiche Lückenschluss zwischen Handwerk und Wissenschaft", freut sich Seger. Immer wieder finden sich Studenten, die den Hörsaal gegen eine Steinmetz-Werkstatt tauschen. Studenten, die Hammer und Meißel schwingen, um zu ergründen, wie es gewesen ein könnte, als die Meister der Antike ihre Skulpturen und Reliefs schufen.
"Was unser Fach trennt, ist vor allem die Kluft zwischen Theorie und Praxis", meint Steinmetz und Berufsschullehrer Clemens Sohmen, der zum wiederholten Male die Kooperation zwischen Universität und Handwerk organisierte. "Gemeinsam lässt sie sich locker schließen", sagt Sohmen vor Pressevertretern. Er verweist auf das Engagement, das seine Meisterschüler für Steintechnik dem Kooperations-Projekt entgegengebracht haben.
Mit dem klassischen Meißelwerkzeug wie Spreng-, Schlag- und Zahneisen bearbeiteten die Kursteilnehmer im Werksaal einen etwa 70 kg schweren Jurakalkstein-Block nach antiker Methode bis dessen raue Oberfläche zu einer passgenauen Ebene wurde. "Sehr beeindruckend, wenn man am eigenen Leib erfährt, wie aufwendig die Bearbeitung eines einzigen Mauerblocks gewesen sein muss. Waren doch die antiken Baustellen voll davon", bemerkt Klose während er schmunzelnd die Schwielen und Blasen an seinen Hände herzeigt.
Einige aus der Studentengruppe waren bereits im Vorjahr am Projekt beteiligt. Sie durften sich an echtem griechischen Marmor versuchen. "Dabei sind erstaunliche Arbeiten entstanden – beinahe wie vom Profi", bemerkt Fachlehrer Jürgen Bauer und deutet auf einen Quader, dessen Vorderseite ein antikes Blütenornament ziert.
Auch LMU-Professor Rolf Michael Schneider, der bereits zum zweiten Mal dem Projekt Pate steht, begrüßt das Vorhaben seiner Studenten: "Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Handwerk, kann für unser Fach nur von Vorteil sein. Ist unsere Herangehensweise an die antiken Skulpturen doch vor allem kunsttheoretisch, so bekommen die Studenten erstmal einen konkreten Einblick in die Qualität des Prozesses der den späteren Meisterwerken vorausgeht. Dies ermöglicht ihnen völlig neue Blickwinkel auf einen wichtigen Teil der archäologischen Forschung."
Jörg Ankermüller
Erschienen 06.08.2009





