Sammeltaxi zum Krematorium
Fahrgemeinschaften schonen die Umwelt und den Geldbeutel. Warum deshalb nicht auch die letzte Reise gemeinsam antreten? Im Leichenbus zum Beispiel. Kein Witz. Wegen neuer Umweltauflagen für Krematorien planen in Dänemark zwei benachbarte Kirchenkreise den Bau eines "Superkrematoriums", meldet die Badische Zeitung. Das neue, mit modernsten Rauchgasfiltern und fünf Öfen ausgestattete Krematorium in Ringsted soll nicht nur sieben alte Verbrennungsstätten ersetzen.
Auch die Fahrt dorthin steht ganz im Zeichen von Klimaschutz und Umweltverträglichkeit: Per Doppeldecker kommen gleich vier Särge gleichzeitig zur Feuerbestattung. Das spart CO² und schont obendrein den Geldbeutel der Hinterbliebenen. Viele Dänen sind in der Tat wenig zimperlich, wenn es um die letzten Dinge geht: Die Feuerbestattung ist üblich und viele Urnen verschwinden außerdem im anonymen Massengrab. Aber der Gedanke, Tote zu sammeln, um sie ins Krematorium zu karren, ist vielen nun doch unangenehm. Nicht nur, dass es unter Umständen ein bisschen dauert, bis die nötige Zahl an Verstorbenen zusammenkommt. Solange muss mit der Trauerfeier gewartet werden. Auch die Vorstellung, mit jedem X-Beliebigen die letzte Reise anzutreten, behagt nicht jedem. Vorsorglich haben schon einige angemeldet, mit wem sie keinesfalls den Leichenwagen teilen wollen.
Anderen geht die Art der Effizienz entschieden zu weit: Schon zu Lebzeiten fühle man sich vom Kindergarten bis zum Altenheim wie in der Sardinenbüchse. Da möchte man es wenigstens als Leiche ein bisschen bequemer haben.
Christiane Weishaupt
(Ershienen am 13.01.2010)



