Positive Bilanz für Naturstein

Am 21. und 22. Januar fand das erste Bautechnische Seminar des Deutschen Naturwerkstein-Verbands e.V. 2010 statt. Das Thema der Veranstaltung lautete "Fassaden aus Naturstein".

Rund 130 Teilnehmer, darunter Sachverständige sowie Mitarbeiter der DNV-Mitgliedsbetriebe informierten sich an zwei Tagen über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, laufende Normenüberarbeitungen sowie technische Details hinterlüfteter Na­tursteinfassaden. Ein für die Natursteinbranche äußerst wichtiges Thema behandelte Max Martin, Consultant bei dem international tätigen Beratungsunternehmen "PE International". Er stellte eine vom DNV in Auftrag gegebene Studie zur ökologischen Leistungsfähigkeit von Naturstein- gegenüber Glasfassaden vor.  Natursteinfassaden schneiden hier deutlich besser ab (siehe Naturstein 3/2010, S.31). Die Studie ist noch nicht vollständig abgeschlossen und wird voraussichtlich Ende März 2010 veröffentlicht.

Überarbeitete DIN 18516
DNV-GF Reiner Krug eröffnete das Seminar mit einem Vortrag über den aktuellen Überarbeitungsstand der DIN 18516 Teil 1 und 3. Die Norm gilt für hinterlüftete Außenwandbekleidungen mit und ohne Unterkontruktion einschließlich der Verankerungen, Verbindungen und Befestigungen. Normenänderungen betreffen insbesondere die Definition einer Außenwandbekleidung, bauphysikalische Anforderungen, Lastannahmen, den Standsicherheitsnachweis, den Korrosionsschutz der Verankerungen sowie die Wärmedämmung. Die DIN 18516-3 fordert neue Nachweise zur Ermittlung der charakteristischen Widerstände von in Beton eingemörtelten Verankerungen, die GF Reiner Krug in einem gesonderten Vortrag darstellte: Die Ermittlung der Widerstände erfolgt nach den Verfahren A bis D, die für unterschiedliche Beton­fes­tigkeitsklassen und Mörtel gelten.

Verankerungssysteme
Der Sachverständige und ehemalige GF der Toussaint+Weber Fassadentechnik GmbH, Jürgen Toussaint, stellte Vor- und Nachteile unterschiedlicher Verankerungssysteme für Natursteinfassaden vor. Er behandelte insbesondere die Bereiche Ausführung, Montage und Kosten von Fassadensystemen mit Mörtel-, Anschweiß- und Dübelankern sowie Unterkonstruktionen. Im Zuge der Rationalisierung im Fassadenbau wird momentan versucht, mit verschiedenen Verankerungssystemen die Versetzkosten einer Fassade zu reduzieren. Anhand einer Musterfassade verglich Toussaint die unterschiedlichen Ankerkonstruktionen in wichtigen Bereichen wie Brüstung, Wand- sowie Gebäudeeck und informierte über die entstehenden Kosten. Das Mörtelankersystem sei das kos­ten­güns­tigste, so Toussaint. "Um die Lärmbeläs­tigung gering zu halten sind Anschweiß-, Dü­bel­anker oder eine Unterkons­truktion vorteilhafter, da für sie nur ein kleines Bohrgerät benötigt wird", so der Sachverständige. Soll auch in den Wintermonaten montiert werden, sind Mörtelanker und angedübelte Verankerungssystemen problematisch. Laut Toussaint ist es möglich, die Montagekos­ten einer Natur­steinfassade bei entsprechender Planung zu senken. Voraussetzung hierfür sei, dass die Fassade bei Baubeginn fertig geplant sei und nicht mehr geändert werde. 

Klaus Adorf, Mitglied der Technischen Kommission sowie vereidigter Sachverständiger, erläuterte seine Erfahrungen mit Fassadenplatten aus Glasfaserbeton. "Diese verursachen in großen Formaten erhebliche Probleme, da sie nicht plangerecht montiert werden können", stellte Adorf fest.

Nichtrostende Stähle
Das "Korrosionsverhalten nichtrostender Stähle bei hinterlüfteten Außenwandbekleidungen aus Naturwerkstein unter realis­tischen Umweltbedingungen" war das Vortragsthema von Prof. Ulf Nürnberger vom Institut für Werkstoffe im Bauwesen an der Universität Stuttgart. In der alten und neuen bauaufsichtlichen Zulassung für nichtrostende Stähle und in der DIN 18516-1 wird gefordert, dass – unabhängig von der tatsächlichen Korrosionsbeanspruchung eines Bauwerks bzw. der Lage der Fassade – Anschweißanker aus nicht ros­tendem Stahl aus dem Werkstoff einer Widerstandsklasse III zu fertigen sind. Weiterhin sind schweißbedingte Anlauffarben in jedem Fall zu entfernen sowie schweißbedingte Spalte zu verschließen. Laut Nürnberger sind diese geforderten Maßnahmen in normaler Stadtatmosphäre und außerhalb des Einwirkbereichs von Tausalzen technisch nicht begründbar und un­nötig. 

Verbundspannungen
Prof. Dipl.-Ing. Armin Löhr, Beratender Ingenieur an der Hochschule für angewandte Wissenschaften der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, referierte über "Verbundspannungen von Ankermörteln". Das Verhalten der Verankerung ist laut Löhr von folgenden Faktoren abhängig: dem umgebenden Werkstoff, dem Ankermörtel und -werkstoff, sowie dem Verbund zwischen Mörtelanker, Ankermörtel und dem lastabnehmenden Bauteil. Der Verbund wird dort aktiviert, wo eine Relativbewegung zwischen Anker und Mörtel stattfindet. Die Verbundspannung ist abhängig von der Beton- bzw. Mörtelfestigkeit, der Geometrie der Rippung sowie der Versagensart des Verbundes, die sich durch die Bildung von Längsrissen sowie die Zerstörung der Betonkonsolen zwischen den Rippen zeigt.

Energieeinsparverordnung
Am zweiten Seminartag referierten Markus Schröder und Rolf Ley, zuständig für das Produktmanagement im Bereich Hochbau des Dämmstoffherstellers Rockwool, über die Energieeinsparverordnung 2009 und die damit verbundenen erhöhten Anforderungen an Planer und Anwender. U. a. wurde die Obergrenze für den zulässigen Jah­resprimärenergiebedarf für Neubauten und Sanierung um durchschnittlich 30 % verschärft. Außerdem hat man die Anforderung an die Wärmedämmung bei Neubauten und sanierten Objekten um durchschnittlich 15 % angehoben. 15 % des Energiebedarfs sollen durch erneuerbare Energien erzeugt werden.

DNV
(Erschienen am 7.3.2010)

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