Wieder da: Krone vom Berliner Schloss

In seinem Garten versteckte Architekt Peter Neumayr Originalteile des Berliner Schlosses. Wilhelm von Boddien und Carlo Wloch kamen der Sache auf die Spur.

Vor gut einem Jahr erfuhr der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Angehörige der sowjetischen Besatzungsmacht hätten nach der Sprengung des Schlossbaus im Sommer 1950 einige Originalteile abtransportiert. Heute weiß Wilhelm von Boddien mehr: "Täter" war der Architekt Peter Neumayr. Direkt unter den Argusaugen der Ostberliner Machthaber ließ er eine aus den Schlosstrümmern gerettete Sandsteinkrone von der "siegreichen Roten Armee" (vermutlich für eine Butilitschka, sprich: eine Flasche Wodka) vom Schlossplatz nach Köpenick transportieren. Laut Neumayrs Tochter hatte der Architekt zuvor vehement gegen die Sprengung protestiert.

Über Jahrzehnte lagerten die wertvollen Sandsteinstücke sicher zwischen den Neumayrschen Blumenstöcken. Als jetzt der Wiederaufbau des Schlosses Form annahm, stieß Carlo Wloch bei der Tochter des Architekten auf offene Ohren. Gemeinsam mit ihrem Bruder schloss sie sich Wlochs Argumentation an, dass zusammenkommen muss, was zusammen gehört. Alle wieder aufgefundenen Stücke sollen im neuen Schloss da sitzen, wo sie im alten saßen.
Der Berliner Diplomrestaurator und Steinmetzmeister Carlo Wloch gilt als erfolgreicher Spürhund für alles, was das Schloss angeht. Besonders die Königskrone hat es dem langjährigen Lehrlingswart der Berliner Innung angetan. "Die einzige erhaltene ...", sagt er, "… eine Sensation!"

Übrigens sei der Reichsapfel nicht steinbildhauerisch aus dem sächsischen Sandstein, sondern durch Zinkguss entstanden – Schinkels Lieblingstechnik, so Wloch, der allein zur Krone stundenlang referieren könnte, zur Historie, zum Material, zu den Bearbeitungstechniken, zu den verschiedenen Werkzeugspuren ... Der Stolz auf den sensationellen Erfolg, kurz nach überstandener, schwerer Krankheit, ist ihm deutlich anzumerken.

Nach der Sprengung des Berliner Schlosses waren nahezu alle Trümmerteile auf Deponien gebracht, als Füllmaterial verwendet oder in Gewässer verkippt worden. Wenige figürliche Teile erhielten verschiedene Berliner Museen. Insgesamt waren bis zu Wlochs aktueller Entdeckung 128 Teile wissenschaftlich dem Schloss zugeordnet.

Manfred Höhne

(Fotos: Manfred Höhne) 

Erschienen am 02.09.2009