Gegen Pietätlosigkeit

Die niederösterreichischen Steinmetzmeister sagen der Werbung auf dem Friedhof den Kampf an: "Wir wollen, dass im niederösterreichischen Bestattungsgesetz ein Werbeverbot auf Friedhöfen festgeschrieben wird. Dann wäre diese Pietätlosigkeit, gegen die sich alle korrekten Steinmetze aussprechen, ein für allemal zu Ende", kündigte Landesinnungsmeister Wolfgang Ecker beim Innungstag in Raabs/Thaya eine entsprechende Initiative an. Trotz jahrelanger Bemühungen vonseiten der Landesinnung, gebe es immer noch einige Betriebe, die auf Friedhöfen für ihre Dienste werben. Entsprechende Beschwerden hätten sich in letzter Zeit gehäuft. So hätten zum Beispiel Visitenkarten von Steinmetzbetrieben auf Grablaternen bei Hinterbliebenen für Verärgerung gesorgt.

Ärger bereitet der Landesinnung mit ihren 169 aktiven Steinmetzbetrieben außerdem ein Ministerialerlass aus dem Jahr 2002, wonach "Beauftragte eines Friedhofsverwalters" gewisse Arbeiten durchführen dürfen, zu denen sie gewerberechtlich aber keine Befugnis hätten. Dazu zähle zum Beispiel die Prüfung der Standsicherheit. Die Bundesinnung werde sich deshalb um Rücknahme des Erlasses bemühen, kündigte der stellvertretende Bundes- und Landesinnungsmeister Johann Kruckenfellner an.

Die Steinmetze klagen außerdem über die Konkurrenz durch überwiegend slowakische und polnische Firmen. Gewerberechtlich könnten ausländische Firmen nur vorübergehend in Österreich arbeiten. Das dies immer eingehalten wird, wird von der Landesinnung bezweifelt. Antworten zu sämtlichen Fragen der Abgrenzung zu anderen Gewerben enthalte ein Leitfaden der Bundesinnung.

Erfreut zeigte sich LIM Wolfgang Ecker über den mit 30 Teilnehmern gut besuchten Grundkurs in Denkmalpflege, der im Frühjahr in Mauerbach stattfand. Ein Nachweis dieser Schulung werde immer öfter bei entsprechenden Aufträgen verlangt, betonte Ecker die Wichtigkeit dieser Fortbildung. Ein Highlight des vergangenen Jahres sei die vierte Auflage des Steinmetz-Kalenders gewesen, der von einer Online-Zeitung zu den zehn schönsten Kalendern des Jahres gewählt worden sei.

Die Zahl der Lehrlinge sei mit derzeit 40 Auszubildenden im Vergleich zu den Vorjahren (2008: 38, 2007:39) konstant geblieben, informierte Landeslehrlingswart Norbert Happl. Allerdings hätten nur 14 von 18 Kandidaten die Abschlussprüfung bestanden. Bei der jüngsten Meisterprüfung seien nur acht von 15 Kandidaten erfolgreich gewesen, darunter einer der beiden angetretenen Niederösterreicher. Das Ausbildungsziel sei also „verbesserbar“, meinte Happl in Richtung Ausbilder: "Nehmt sie in die Mangel und bringt’s ihnen was bei!"

Alarmierende Zahlen legte Bundesinnungsmeister Rudolf Wunsch in punkto Auftragslage vor. Im Vergleich zum Jahr 1999 belaufe sich der Umfang der Aufträge von der öffentlichen Hand an die Steinmetze auf nur noch 30 %. Der Umfang der allgemeinen Auftragslage liege bei nur noch 60 %.

Umfassend informierte die Direktorin der Landesberufsschule Schrems, Gertrude Marek, über die Organisation der Lehrgänge an ihrer Schule, an der Steinmetzlehrlinge aus vier Bundesländern unterrichtet werden. Die Termine würden "möglichst firmenverträglich festgelegt". Der projektorientierte Unterricht werde forciert und die Lehre mit Matura sei sehr gut angelaufen. 

Der stellvertretende Landesinnungsmeister Josef Hasch informierte abschließend über die von ihm initiierte Gestaltung des niederösterreichischen Jakobswegs, der von Nikolsorf bis Mautern führt. In jeder der 25 Gemeinden entlang des Wegs werde ein kleiner Meilenstein mit dem Logo des Weinviertler Jakobsweges aufgestellt. Eröffnet werde der Weg am Ostermontag 2010 in Anwesenheit von Kardinal Christoph Schönborn.

(Erschienen am 13.01.2010)

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