Geballte Baggerkraft

Der neue Tieflöffelbagger RH 70 von Terex
Der neue Tieflöffelbagger RH 70 von Terex
Frank Peffekoven, GF der Firma Heinrich Quirrenbach (3.v.l.)
Frank Peffekoven, GF der Firma Heinrich Quirrenbach (3.v.l.)

Ein 122 t schwerer Tieflöffelbagger der Marke Terex gehört seit kurzem zum Fuhrpark der Firma Heinrich Quirrenbach aus Lindlar. Das Modell RH 70 wurde in Deutschland produziert und wird von einem 700 PS starken Caterpillar C18-Motor angetrieben. Mit seiner Schaufel (8 qm Löffelinhalt) kann der Bagger bis zu 35 t Gestein reißen. Außerdem ist die Maschine mit einem 7,8 m-Monoausleger und einem 3,3 m langen Stiel ausgestattet.
Der Bagger wird im Steinbruch zum Abbau von Grauwackefelsen, speziell zum Heben hochwertiger Blöcke aus tieferen Sohlen, eingesetzt.

Obwohl der Zugang zu Krediten wird für Firmen immer schwieriger wird – so das Ergebnis des ifo-Konjunkturtests im Juli - fiel es der Heinrich Quirrenbach Produktions- und Vertriebs GmbH nicht schwer, ihre Hausbank von der kurzfristig geplanten Investition in den Bagger zu überzeugen. Laut Kundenbetreuer Udo Kühnholz von der Volksbank Oberberg eG, gab es dank des ausgefeilten Konzeptes des Gewinnungsbetriebs innerhalb von zwei Wochen grünes Licht für den Maschinenkredit.

Im Zentrum der Investition stand die Frage: Ist der Einsatz des Großbaggers überhaupt rentabel? "Diese Frage musste nachvollziehbar beantwortet werden. Wir brauchen keine pauschale Aussage, sondern eine detaillierte Rentabilitätsrechnung. Der Kunde muss zeigen, ob seine Investition sinnvoll ist". Heinrich Quirrenbach habe verschiedene Bagger gegenübergestellt. "Dabei war der RH 70 mit großem Abstand der Bagger, mit dem der Abbau des Natursteins am effektivsten bewältigt werden kann", so Udo Kühnholz.

"Unternehmen halten sich mit Investitionen aufgrund der allgemeinen Marktverunsicherung noch sehr zurück. Doch die Geschäftspolitik der Volksbank Oberberg eG stellt Kreditentscheidungen nicht auf die allgemeine Branchensituation ab. Jede einzelne Anfrage wird unabhängig und individuell auf Kreditfähigkeit und Schlüssigkeit des Konzeptes geprüft - so auch in diesem Fall", erklärt Kühnholz.

Showroom in Köln
Der Natursteinbetrieb Heinrich Quirrenbach konnte dreifach zu überzeugen: Erstens durch die Neuentwicklungen, die das Unternehmen angestoßen hat. So wurde vor zwei Jahren in 1-a-Lage im Kölner Rheinauhafen zusammen mit dem Lichthaus Remagen ein Showroom eingerichtet. Damit soll die gewonnene Grauwacke, die eine rund 350 Mio. Jahre alte Entstehungsgeschichte vorzuweisen hat, in Form von Küchenplatten, Bad- oder Wandfliesen in Verbindung mit Lichtdesign in Szene gesetzt und den Kunden, insbesondere Architekten und Planern, näher gebracht werden.

Zweitens sicherte sich Quirrenbach kürzlich einen Großauftrag für die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz. 3 500 t Bergische Grauwacke sollen gewonnen und zu rund 11 000 qm Bodenbelägen verarbeitet werden. Die edle Haptik des Natursteins kam u. a. bereits in Form von Bodenbelägen im Justizministerium in Magdeburg und in den VIP-Lounges der Lufthansa am Flughafen Frankfurt und München zum Einsatz.

Bordelektronik CAMP
Der dritte, überzeugende Grund ist die moderne Technik in Form der Bordelektronik CAMP (Control And Monitoring Platform), untergebracht im und unter dem Fahrerhaus des RH 70. Sie ermöglicht die wirtschaftlich rentable Gewinnung der Gesteinsmassen. Der RH 70 ist der erste Bagger, der mit der neuen Technologie ausgestattet ist, die demnächst in die Serienproduktion der gesamten Terex O&K Baggerflotte von 100 bis 1 000 t Dienstgewicht einfließen wird. CAMP zeichnet sich insbesondere durch die Vereinheitlichung von Hardware-Komponenten aus. Ursprünglich waren für Funktionen wie Motormanagement, Hydrauliksteuerung sowie Zentralschmierung keine baugleichen Systeme im Einsatz. Mit CAMP sind identische Rechner verbaut, die über CAN Bus miteinander kommunizieren.

Weitere Vorteile sind leichtere Programmierung und erweiterte Optionen bei Diagnose und Fehlersuche. Ein ebenfalls neuer 12“ Touchscreen-Bildschirm für das BCS (Board Control System) zeigt die Betriebsdaten der Maschine an. Sobald Störungen auftreten, werden sie registriert und gespeichert. Darüber hinaus ist die vollständige gerätespezifische Dokumentation wie technisches Handbuch, Bedienungsanleitung, Schaltpläne und Ersatzteillisten in der Kabine abrufbar.

Tiefere Sohlen erreichbar
Der neue Bagger soll den Abbau weiter vorwärts treiben und an tiefere Sohlen kommen. Momentan hat der Betrieb 45 m Abbautiefe erreicht, doch es sollen noch 15 m mehr werden. Die Genehmigung für die Gewinnung geht bis 2040. Vom Verschleiß bleibt er dabei nicht verschont, denn das Material zeichnet aufgrund des hohen Quarzanteils eine hohe Dichte aus und greift die Baggerzähne an.

"Für deutsche Steinbrüche ist mit dem neuen RH70 die Obergrenze erreicht. Der normale Einsatz endet in der Regel bei hundert Tonnen. Mit seinen 125 t Einsatzgewicht haben wir hier schon einen ganz schönes Kaliber vor uns, von dem es bundesweit gerade einmal rund zehn Maschineneinheiten gibt", schätzt Stefan Lanio, Zeppelin Niederlassungsleiter aus Köln, der zusammen mit Zeppelin Verkäufer Mario Bertram den riesigen Koloss an Quirrenbach übergab. Worauf es dem Natursteinbetrieb dabei ankommt: Schwergewichte zu bewegen.

"Uns geht es darum, Masse zu bewegen und große, insbesondere hochwertige Blöcke zu heben. Darum brauchen wir eine Maschine mit hoher Reißkraft und Hebeleistung. Wir brauchen keinen Bagger mit einer langen Laufzeit, sondern mit einer langen Lebenszeit, da wir nur wenige Betriebsstunden im Jahr mit dem Gerät arbeiten werden. Doch wenn wir die Maschine einsetzen, muss sie verfügbar sein", definiert GF Frank Peffekoven das Anforderungsprofil.

Herausforderung: Transport
Der RH70 ist nicht der erste Terex O&K Bagger, den er in Betrieb nimmt. Ein RH 40, der eine Nummer kleiner ist, ist bereits seit rund zwölf Jahren im Einsatz – ergänzend zu zwei RH 30. Doch jedes Mal aufregend ist der Maschinentransport. So auch diesmal, als sich in der Nacht von Montag auf Dienstag in der letzten Juli-Woche ein Schwertransport mit den in Einzelteilen zerlegten Großbagger auf den Weg machte. Aufgrund seiner Größe und Dimension wurde der Bagger von der Herstellerfirma Terex O&K in Dortmund vormontiert und in verschiedenen Baugruppen nach Lindlar geliefert - aufgrund seiner Breite von rund fünf Meter mitunter eine Zitterpartie.

"Problematisch war weniger die Fahrt auf der Autobahn, sondern die letzten 20 km, für die wir knapp drei Stunden brauchten. Alleine der Kreisverkehr am Eingang von Lindlar hat uns 30 Min. aufgehalten", erzählt Peffekoven. Unversehrt kamen die Einzelteile auf dem Werksgelände um vier Uhr früh an und wurden dann von Zeppelin Mitarbeitern der Niederlassung Köln, wie Norbert Bäßgen und Sebastian Wolf sowie von Terex Mitarbeiter Wilfried Richter zusammengebaut.

Heinrich Quirrenbach Naturstein Produktions- und Vertriebs GmbH
www.quirrenbach.de

(Erschienen am 05.08.2009)