Fusion knapp gescheitert
Eigentlich wollten die beiden Innungen aus Sachsen-Anhalt auf ihrer Landestagung am 11./12. September in Halle endgültig die Weichen für eine gemeinsame Landesinnung stellen. Doch regionale Fronten verhinderten die Fusion in letzter Minute knapp.
Zu Beginn der Tagung warb Sachsen-Anhalts Vize-LIM Frank Schuster, der den aus gesundheitlichen Gründen seit einiger Zeit fehlenden LIM Bernhard Havlicek vertrat, eindringlich für den geplanten Zusammenschluss der Innungen Sachsen-Anhalt Süd (Halle) und Nord (Magdeburg). Nur mit schlagkräftigen Verbänden hätte das Handwerk in Zeiten sich verändernder Wirtschaftsstrukturen eine Chance, betonte er.
Die Voraussetzungen waren gut. Bereits im Vorfeld hatte es mehrere Gespräche gegeben, der Weg zu einer gemeinsamen Landesinnung Sachsen-Anhalt schien frei. Sogar Ort und Zeitpunkt für die Fusion hatten bereits festgestanden. Nur ein Akt war noch zu bewältigen, scheinbar ein formaler: Die Entscheidung darüber, bei welcher Kreishandwerkerschaft (KH) sich die neue Landesinnung anmelden wird. Drei Angebote hatte man eingeholt. Letztendlich hatten sich die KH in Magdeburg und Halle als Favoriten herauskristallisiert. Für Halle sprach, wie Schuster erläuterte, die Erfahrung im Steinmetzmetier. Die Innung Süd lässt hier seit langem ihre Geschäfte regeln und fühlt sich laut OM Wolfram Zech bestens betreut.
Allerdings wäre die Mitgliedschaft in der KH Magdeburg billiger gewesen, da diese in ihrem Angebot auf eine Geschäftsführerpauschale verzichtet hatte. Die KH hatte bisher aber noch nichts mit der Steinmetzbranche zu tun; die Innung Nord lässt sich durch die KH Staßfurt vertreten.
Geld oder Erfahrung
Auf der Tagung plädierte Schuster für die KH seine Heimatstadt Magdeburg. Er begründete dies ausschließlich mit finanziellen Erwägungen. Mit dem weniger zu entrichtenden Geld könne man mehr für die neue Landesinnung bewerkstelligen. Gleichzeitig bat er die anwesenden 33 Meister um ein deutliches Votum für eine der beiden Alternativen.
Zur Tagung waren 17 Vertreter der Hallenser Innung und 16 aus dem Magdeburger Kammerbezirk erschienen. Hätte jeder nach rein regionalen Interessen gestimmt, wäre die Entscheidung so knapp ausgefallen, dass es die Arbeit der künftigen Geschäftsführung fraglos erschwert hätte.
Süd-Obermeister Zech warnte davor, bei der Wahl der KH nur aufs Geld zu schauen. Gerade in der Anfangsphase brauche man einen erfahrenen Handwerksmanager. Einen solchen besitze die KH Halle in Person seiner GF Ingeborg Böhme.
In dasselbe Horn stieß Werner Kleffel von der Innung Süd. Der hatte einst selbst den Landesverband geführt, das Zepter später aber aufgrund seiner vielseitigen beruflichen Verpflichtungen an Havlicek weitergegeben. Im Vorfeld der Tagung hatten ihn mehrere Kollegen bedrängt, als LIM für die künftige Landesinnung zu kandidieren. Schließlich hatte Kleffel unter der Bedingung zugesagt, ihm mit Ingeborg Böhme eine erfahrene GF an die Seite zu stellen. Wer ihn als LIM wolle, solle für Halle plädieren und ihm vertrauen, dass daraus keine Nachteile für den nördlichen Landesteil entstünden, so Kleffel.
Knappe Entscheidung
Letztendlich plädierten alle Hallenser und Magdeburger für ihre KH. Hätten Schuster oder der Magdeburger OM Klaus Schneeberg für Halle geworben bzw. Zech für Magdeburg, wären die Fronten vielleicht entschärft worden. So aber kam es zu einer geheimen Abstimmung mit dem zu erwartenden bitteren Ende. 21 der Anwesenden stimmten für die KH Halle (immerhin auch fünf aus dem Magdeburger Lager), zwölf für die KH Magdeburg. Das Ergebnis fiel umso tragischer aus, da die Versammlung beschlossen hatte, die Fusion nur dann weiter zu betreiben, wenn sich wenigstens zwei Drittel für eine der beiden KH entscheiden. Dazu wären 22 Stimmen nötig gewesen. Am Ende fehlte eine.
Damit bleibt zunächst alles beim Alten. Der Landesverband will sich voraussichtlich am 20. November in Bernburg zu einer weiteren Tagung treffen. Dann soll für den ausscheidenden Bernhard Havlicek ein neuer Landesinnungsmeister gekürt werden – zumindest für ein Jahr. Anschließend will man laut Schuster einen neuen Fusionsanlauf wagen. Er selbst kündigte seine Kandidatur als LIM an. Voraussichtlich werde er sich dann aber aus dem BIV-Vorstand verabschieden, sagte er. Derzeit ist der GF des Restaurierungsbetriebes Paul Schuster KG in Magdeburg auch noch stellvertretender Bundesmeister.
Harald Lachmann
(Erschienen am 22.9.2009)




