Auf Erkundungstour in Schlesien

Steinbruch Radkow: Hier werden die Wände noch "hohl gemacht".
Farbvielfalt beim Marmor "Biela Marianna"

Das Geokompetenzzentrum Freiberg e.V. und der Gemeinnützige Förderverein des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks e.V. veranstalteten vom 26. bis 29. Mai eine Exkursion nach Schlesien, an der sich 24 Steinmetze und Bildhauer, Bruchinhaber, Geowissenschaftler und Restauratoren beteiligten. Auf einer landschaftlich und vor allem kulturhistorisch interessanten Reise erhielten die Teilnehmer Einblicke in den Abbau, die Verarbeitung und die Verwendung von Sandstein, Granit und Marmor. Gespräche mit den Bruchbesitzern sowie kurze Impressionen von Land und Leuten ergänzten die fachlichen Themen.

Das Programm begann mit einem Zwischenstopp am sog. Großen-Bruch-Blick im Granitdorf Demitz-Thumitz. Von dort aus sieht man in den Bruch Jungfernstein, der mit 70 m als der tiefste Granitsteinbruch Europas gilt. Heute mit Wasser gefüllt bietet er an einer Seite noch Abbauflächen für die gegenwärtige Werksteingewinnung von Lausitzer Granit – oder genauer: Granodiorit.

Im schlesischen "Sandsteinherz"
Unter der fachlichen Leitung von Dr. Angela Ehling von der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe führte die Reise dann mitten ins Niederschlesische "Sandsteinherz": Boleslawiec/Bunzlau bildet seit mehr als hundert Jahren das Sandsteinverarbeitungszentrum der Region. Als Nachfolgeunternehmen der im 19. Jahrhundert gegründeten Firma Zeidler & Wimmel verarbeitet Kopalnie Piaskowca (www.kopalniepiaskowca.com.pl) heute Naturstein aller Art.
Gegenwärtig wird in neun von ehemals 140 schlesischen Sandsteinbrüchen (um 1900) abgebaut. Der noch in Betrieb befindliche Bruch Zerkowice (Eigentümer: Kopalnie Piaskowce) glich eher einem riesigen Blocklager. Die Abbautechnik war zu anderen Brüchen abgezogen worden. Der feinkörnige, hellgrau-gelbbraune Sirgwitzer Sandstein weist Ähnlichkeiten zum Erscheinungsbild des Elbsandsteins Postaer Varietät auf. Generell gilt er als guter Bausandstein mit hoher Verwitterungsresis­tenz.

Der Sandsteinbruch Wartowice (www.zeidler-wimmel.de/steinbrueche-zeidler-wimmel.htm) zeigte sich mit sehr heterogenem Material. Der Betreiber des Bruchs führte selbst durch eine schmale Schlucht in den Bruch, der nur noch wenig Spielraum für rentab­len Abbau zulässt.

Als letzte Sandsteinvarietäten wurden die Heuscheuer und Wünschelburger Sandsteine begutachtet. Erstere konnten nur noch im aufgelassenen Zustand im Steinbruch Lezyce (Friedersdorf) besichtigt werden. Der weiß-gelbbraune, feste, grobkörnige Quarzsandstein wurde vorwiegend für Sockelelemente verwendet. Wünschelburger Sandstein war im Steinbruch Radkow (www.piaskowceradkow.pl) zu sehen. Er zählt mit seinen Ausmaßen von mehr als 600 m Länge und einer Wandhöhe von ca. 80 m zu den größten seiner Art.
Abgebaut wird teilweise noch durch das "Hohlmachen einer Wand". Diese Gewinnungstechnik, die in den Elbsandsteinbrüchen nur bis Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts angewendet wurde, gilt zwar als effektiv, aber auch gefährlich, da es immer wieder zu Unglücksfällen kommt, wenn eine Wand zu früh abstürzt.

Wünschelburger Sandstein ist ein mittel- bis grobkörniger Sandstein mit lebhafter grauweiß-gelbbrauner bis rötlicher Farbgebung und kiesigen Lagen bis 30 cm Mächtigkeit.

Teufelsburger Granit und Weißer Marmor
Einen geordneten und gut organisierten Eindruck hinterließen die beiden Steinbrüche Kostrza/Häslicht (bei Strzegom/Striegau) mit Teufelsburger Granit. Hier begann der Abbau bereits im 17. Jahrhundert. Heute besitzt die Unternehmensgruppe Granitwerke Kostrza GT & FCorporation Polska Sp.z.o.o. (www.mfgranit.com/de_version/index.php) die Gewinnungsstätten und beschäftigt rund 100 Arbeiter. Hauptsächlich wird der Biotit- und Biotit-Hornblende-Granit verarbeitet, der zum einen die Gewinnung großer Blöcke als auch die Herstellung von Pflastersteinen ermöglicht. Er ist sehr witterungsbeständig­ und "rostet" nur wenig.

Der eindrucksvolle farblich reizvolle Gegensatz zwischen braun-bläulichen Glimmerschiefer und weiß-grau-rötlich-gestreiften Marmor zeigte sich im Bruch von Stronie Slask/Landeck. Es wird jedoch kaum noch Material (Handelsname Biala/Weiße Marianna) gewonnen, da die Zerklüftungen und Störungen stark ausgeprägt sind. Infos über Bezugsmöglichkeiten gibt es bei der Firma OMYA Sp. z o.o. mit Sitz in Warschau (www.omya.pl).

Für 2012 ist eine weitere Stein-Reise geplant – entweder nach Laas mit seiner Marmorgewinnung oder auf die Insel Gotland vor Schweden mit ihren Kalksteinvorkommen.

Kontakt: Hilke Domsch, Geokompetenzzentrum Freiberg e.V.,
www.gkz-ev.de

(24.8.2011)

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