Antwort auf offenen Brief
Auf den offenen Brief von BIM Gustav Treulieb bezüglich des Wiedereintritts des Landesinnungsverbands Hessen, antwortet der LIV Hessen wie folgt:
Sehr geehrter Herr Bundesinnungsmeister Treulieb,
zunächst einmal sind auch wir Hessen der Meinung, dass es wünschenswert wäre, wenn wir einen starken Bundesverband deutscher Steinmetze (offizielle Abkürzung: BIV) hätten, der zum Wohle aller Steinmetzkolleginnen und -kollegen die notwendigen Weichen für die Zukunft stellt und die richtigen Antworten auf die brennenden Fragen für den Bestand unseres Handwerks findet.
Unserer Auffassung nach ist der offene Brief von Ihnen wohl weniger an die hessischen Betriebe gerichtet, sondern eher an alle "anderen Betriebe in Deutschland", um die harte Position des BIV-Vorstandes zu dokumentieren.
Wir Hessen fordern keine Sonderrechte, sondern haben lediglich ein berechtigtes Interesse an der Klärung unserer unten aufgeführten Fragen. In den Jahren vor unserem Austritt aus dem BIV haben wir Hessen, vor allem unser Landesinnungsmeister Holger Rode, immer wieder auf Missstände beim BIV und BBW, sowie eine fehlende Transparenz, gerade in den finanziellen Belangen, hingewiesen. Dafür wurden wir belächelt und ernteten sehr oft unschöne und unkollegiale Anfeindungen. In Ulm bekam dann unser LIM Rode nicht einmal Rederecht vor den Delegierten zugestanden. Der Vorstand und die Delegierten wollten anscheinend keine kritischen Worte und Fragen zulassen. Die Ära "Schwieren" hätte schon hier enden können. Dann wäre der Bundesverband unseres Erachtens heute finanziell in einer wesentlich besseren Situation.
Dass wir mit vielen unserer Vorhaltungen recht hatten, wird ja heute selbst von den damals Verantwortlichen nicht mehr bestritten. Gerade deshalb empfinden wir es als eine Unverschämtheit, uns Hessen verantwortungsloses Verhalten vorzuwerfen. Hätten sich die Verantwortlichen vor und in Ulm besser informiert und wären von dem dort neu gewählten Vorstand anschließend die richtigen Entscheidungen getroffen worden, hätte sich ein Austritt vermeiden lassen.
Sehenden Auges mit in das finanzielle Desaster zu marschieren und mit unserem Landesinnungsvermögen für die Fehler des BIV-Vorstands geradezustehen, war und ist uns und unseren Mitgliedern nicht zuzumuten.
Gerade weil wir um die Wichtigkeit eines funktionierenden BIV wissen, haben wir uns die Entscheidung aus dem BIV auszutreten nicht leicht gemacht. Seit unserem Austritt haben wir unter dem BIM Schwieren mehrere Anläufe zu einem Wiedereintritt unternommen. Es fanden deshalb mehrere Sitzungen mit Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern in der BIV Geschäftsstelle Frankfurt statt. Leider sind alle Gespräche am Ende ergebnislos geblieben.
Unseren Forderungs- und Fragenkatalog stellen wir nun nachfolgend öffentlich allen deutschen Steinmetzbetrieben vor. Es soll so jeder "Interessierte" selbst beurteilen können, ob das, was wir anmahnen, tatsächlich so radikal und nicht durchsetzbar ist, wie das vom Bundesinnungsmeister Treulieb behauptet wird.
1. Umsetzung der TA-Grabmal als alleinige Richtlinie für Versetzarbeiten, um die Bedeutung des deutschen Steinmetzmeisterbetriebs im Wettbewerb zu stärken.
2. Neuorientierung der ZVK im Beitragswesen unter Beteiligung der Arbeitnehmer. Anpassung des Renteneintrittalters und Überprüfung der Zugehörigkeit zur Kasse.
a) Gespräche mit dem DNV mit dem Ziel, mittelfristig zu einer Fusion zu kommen.
b) Gleichberechtigung aller Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Natursteinbereich.
3. Konsolidierung der BBW-Finanzen und Überprüfung der Standorte der Berufsbildungszentren.
a) Konzertierte Diskussion (BIV und DNV) über Bildungszentren im gesamten Naturwerksteinbereich, Prüfung der Auslastungen und der möglichen neuen Bezuschussung durch EU-Richtlinien.
b) Gleichstellung Naturwerksteinmechaniker- und Steinmetz- Ausbildung in gemeinsamen Schulzentren.
c) Einsparung von Lehr-, aber vor allen Dingen Verwaltungskräften.
4. Neuaufbau und Aufgabenverteilung der Mitarbeiter von BIV und DNV vorläufig über die
bereits bestehende Verbindung im ZDNW. Nach einer Fusion beider Verbände sollte eine zentrale Verwaltung geschaffen werden mit dem Ziel einer Personalkostenersparnis. Auch im Ehrenamtsbereich könnten erhebliche finanzielle Mittel bei nur noch einem gemeinsamen Vorstand eingespart werden.
5. Keine Erhöhung der Beiträge zum BIV (bzw. zur Fusionsgemeinschaft), verstärkte Mitgliederwerbung durch mehr »Funktionärsnähe« zu den Betrieben und Innungen vor Ort. Die Landesverbände werden nicht mehr als Verwaltungen gebraucht (über Kreishandwerkerschaft oder ähnliche Geschäftsführungen), sondern als Umsetzungsorgan bundesweit beschlossener Maßnahmen und Veranstaltungen.
6. Einbeziehung der Naturstein-Organisationen im gesamten deutschsprachigen Raum
(Österreich, Schweiz) und der Verbände wie z.B. EACD. Gemeinsame Vermarktung des
Naturstein-Logos mit Beteiligung aller Betriebe und Finanzierung über neue Beitragsstruktur.
7. Über alle besprochenen Punkte sollte in einer BIV-Delegiertenversammlung diskutiert und abgestimmt werden! Über weitere, vom BIV einzubringende Punkte sind wir gerne gesprächsbereit. Ziel sollte eine gemeinsame starke Organisation sein.
Es handelt sich hier keinesfalls um, wie Sie behaupten, radikale Forderungen die vor einem Wiedereintritt erfüllt sein müssen, sondern um reine Diskussionsgrundlagen, um zu klären, inwieweit wir unser Vorstellungen einbringen können und wie der BIV-Vorstand bzw. die Landesverbände dazu stehen.
Bis zum heutigen Tage haben wir noch zu keinem der o.g. Punkte eine schriftliche Stellungnahme erhalten. Weder vom alten, noch vom jetzigen BIV-Vorstand. Nachfolgend führen wir den bisherigen Schriftverkehr mit dem neuen BDS-Vorstand in Kurzform auf:
28.05.2010:
Neuer Bundesinnungsmeister würde es begrüßen zu unserer nächsten Vorstandssitzung eingeladen zu werden.
08.06.2010:
Der LIV Hessen lädt den neuen BIM für den 10. Juli 2010 nach Bad Nauheim zur Vorstandsitzung ein. Die Punkte welche wir auf die Agenda gestellt haben wurden zur Kenntnis noch einmal mit gesendet, ebenso die schriftliche Bestätigung, dass wir schon im November auf unserer Obermeistertagung beschlossen haben, dass die Umsetzung der TA-Grabmal nicht mehr gefordert wird.
14.06.2010:
Der Bundesinnungsmeister schreibt uns, dass wir erst Mitglied werden sollen. Erst dann könnten weitere gemeinsame Gespräche stattfinden.
16.07.2010:
LIV Hessen macht darauf aufmerksam, dass wir erst einmal wissen möchten, wie die neue Struktur des BIV aussehen soll, bevor wir die Gelder unserer
Mitgliedsbetriebe, für die wir verantwortlich sind, einbringen.
Eingehende Antworten werden von uns dann aufs sorgfältige geprüft. Die Delegierten aller hessischen Innungen, einschließlich Vorstand, lassen sich dabei ausschließlich davon leiten, wie die uns anvertrauten Beträge unserer Mitglieder möglichst sinnvoll verwendet werden. Auch die vom BIV angebotenen Leistungen kommen auf den Prüfstand.
Da die überwiegende Anzahl der Mitglieder vor unserem Austritt der Meinung war, dass dies nicht mehr der Fall ist, erscheint es uns nicht nur logisch, sondern absolut notwendig und legitim, vor einem Wiedereintritt zu erfahren, wie sich der neue Vorstand des BIV die zukünftige Entwicklung und die notwendigen Veränderungen der Verbandsarbeit vorstellt. Wenn wir unseren Mitgliedern den Wiedereintritt empfehlen sollen, müssen wir sicher wissen, dass auch hessische Interessen vertreten werden und in Zukunft eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist. Dazu sind unserer Meinung nach ausführliche Vorgespräche notwendig.
Leider sind Sie dazu nicht bereit, sondern fordern von uns, ohne wenn und aber, erst wieder beizutreten, um dann mit uns zu reden. Das käme der Ausstellung eines Blankoschecks gleich und dazu sind wir nicht bereit.
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Mit kollegialen Grüßen
Der Vorstand des LIV Hessen



