Aktionstag auf dem Melatenfriedhof

Steinmetze und Bildhauer erklärten die Besonderheiten einiger Grabzeichen auf dem Melatenfriedhof.
Ca. 350 Zuschauer begleiteten den prunkvollen Schau-Leichenzug mit Kutsche.

Der Melatenfriedhof in Köln feiert dieses Jahr sein 200-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum veranstaltete die Steinmetz- und Bildhauerinnung Köln zusammen mit der Steinmetz und Bildhauer Genossenschaft Köln eG einen Aktionstag am 19. September.

Zu der Informationveranstaltung mit dem Titel "Tradition pflegen – Kultur weiterführen" auf dem Vorplatz des Melatenfriedhofs kamen mehr als 350 Besucher. Neben dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm konnten sie sich über beide Verbänd und deren Angebote informieren. Die kulturhistorisch bedeutsamen Denkmäler des Kölner Melatenfriedhof sind Spiegelbild verschiedener Stilepochen, aber auch Zeugnisse des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks. Deshalb präsentierten Steinmetze und Bildhauer in Zunftkleidung beispielhaft diverse historische und neuzeitliche Natursteinbearbeitungstechniken und erläuterten verschiedene Oberflächenbearbeitungen. Gezeigt wurden außerdem die erforderlichen Werkzeuge und deren Handhabung. Großen Anklang fand das Literaturcafé mit einer breiten Auswahl an Lektüren zum Thema Naturstein, Grabmal und Melaten.

Zur Zukunft des Grabmals
Eine Führung von Kulturhistoriker Dr. Wolfgang Stöcker ging anhand von Beispielen der Frage nach, welche Kriterien »moderne« Steine zu "Stilikonen" ihrer Zeit werden lassen. An verschiedenen Stationen erläuterten Steinmetze und Bildhauer direkt am Denkmal handwerkliche Kniffe, Schwierigkeiten und Beson­der­heiten. "Während auf dem Kölner Melatenfriedhof eine große Zahl an kulturhistorischen und künstlerischen wertvollen Denkmälern aus der Zeit bis ca. 1930 unter Schutz gestellt sind, finden die nach 1930 entstandenen Grabmale weitaus weniger Beachtung", so Stöcker. Abgelaufen – abgeräumt, so die Maxime. Auch in anderen Regionen Deutschlands werde wenig behutsam mit Grabmalen dieser Periode umgegangen. Deshalb befürchtet der Kulturhistoriker, dass weitere Abräumungen wertvolle Zeitdokumente einer ganzen Formengeneration (nämlich die der Nachkriegszeit bis heute) verschwinden lassen.

Historischer Leichenzug
Das Friedhofs- und Bestattungswesen Kölns wurde während der französischen Besatzung grundlegend neu gestaltet: Die vormals noch innerhalb der Stadtmauern auf Kirchhöfen beigesetzten Katholiken mussten aufgrund eines 1804 von Napoleon verfügten Dekrets außerhalb der Stadtmauern beerdigt werden. Die damit erforderliche Überführung der Verstorbenen aus der Stadt zum außerhalb liegenden Melatenfriedhof wurde Aufgabe städtisch bestellter Leichenfahrer. Anlässlich des Jubiläums veranschaulichte ein historischer Leichenzug des TrauerHaus’ Müschen­born eine Überführung der »Luxusklasse« mit reich geschmückter Kutsche, schwarz verhangenen Pferden und aufwändigen Draperien. Dem Trauerzug, angeführt von einem sog. Ordonnateur und der Geistlichkeit mit Assistenz sowie einer Kutsche, folgte eine große Zahl an interessierten Teilnehmern, begleitet von einem Blasorches­ter.

Reuzech – Leichenschmaus
Heute nicht immer üblich, gehörte das Versammeln nach dem Begräbnis zum sog. Reuzech oder Leichenschmaus in früheren Tagen unbedingt dazu. Diese Zusam­menkunft der Trauernden hatte eine stützende Funktion und gab der Familie gleichzeitig Gelegenheit, sich bei Nachbarn und Freunden für die Anteilnahme zu bedanken. Oft gab es Kaffee und Kuchen oder Schnaps und Schinkenbrot. Dabei aßen die Frauen mancherorts ge­trennt von den Männern, die zum Totenbier ins Wirtshaus gingen. Im Rheinland gibt es hierfür den Ausdruck: "Et Fell versuffe". Die Steinmetze ließ diesen zünftigen Brauch am 19. September wieder aufleben und luden alle Teilnehmer des Aktionstags am Ende zum traditionellen "Reuzech" ein.

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