Ab in die Grube
Armengräber – in Europas reichster Stadt sind sie immer noch Realität. Wie die Badische Zeitung in ihrer Ausgabe vom 21. April berichtet, hatte ein Fuchs auf einem Friedhof des Londoner Stadtteils Battersea die Leiche eines kurz nach der Geburt verstorbenen Säuglings aus einer Grube gestohlen, in der das Kind in einem Pappkarton lag. Die Grube war offen geblieben, um in der Folgezeit weitere Kinder aufzunehmen. Zwölf Schachteln mit Kinderleichen lagen bereits in dem Massengrab, das nur notdürftig abgedeckt war.
Solche Armengräber gebe es nicht nur auf dem Battersea New Cemetary, sondern in vielen anderen Stadteilen Londons. Allein in den vergangenen drei Jahren seien mehr als tausend Tote an der Themse in Massengräber gelegt worden, vor allem Totgeborene, Säuglinge und Kinder, aber auch Erwachsene. Davon ausgenommen seien auch die Reichenviertel nicht. In Kensington und Chelsea würden bis zu 20 Kinder in einer Grube beigesetzt. Im Einzelfall könne ein solches Grab zwei Jahre lang aufnahmebereit bleiben, bevor es mit Erde aufgefüllt werde. Benutzt würden diese sogenannten kommunalen Gräber, wenn sich die Angehörigen keine private Beerdigung leisten können. Eine "Lage" in einem Armengrab koste die Gemeinde 60 Pfund pro Kind und 270 Pfund pro Erwachsenen. Ein Einzelbegräbnis würde dagegen mehr als 1400 Pfund kosten.
Christiane Weishaupt
(Erschienen am 26.4.2010)



