Wettbewerb "Neue Wege auf dem Friedhof!"

Zwei Hauptpreise und einen Sonderpreis vergab die Jury am 4. Mai 2017 bei der festlichen Abschlussveranstaltung zum bundesweit erstmals ausgelobten Wettbewerb "Neue Wege auf dem Friedhof!" in Berlin. Alle 29 ein­gereichten Projekte waren vor Ort in einer kleinen Ausstellung zu sehen. 

Innovative und zukunftsfähige Ideen für die Gestaltung und den Betrieb bürgernaher Friedhöfe suchten Verbände der am Friedhof beteiligten Gewerke und Organisationen rund um den Friedhof im Rahmen des Wettbewerbs "Neue Wege auf dem Friedhof!". Diese sollten sich in den bestehenden Friedhof integrieren lassen, erweiterbar sein, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen und sich im Selbstverständnis des Friedhofs widerspiegeln. Ideeller Träger des Wettbewerbs ist die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, der Schirmherr Roland Schäfer, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.



Grabstättenkonzepte wie die Ruhegemeinschaft in Bovenden werden im Rahmen des Wettbewerbs gesucht. (Foto: Janine Füllgrabe)

Initiatoren, Kooperations- und Medienpartner
Die Initiatoren des Wettbewerbs sind der Zentralverband der Deutschen Naturwerkstein-Wirtschaft e.V. (ZDNW) mit dem Bundesverband Deutscher Steinmetze (BIV) und dem Deutschen Naturwerkstein-Verband (DNV) sowie der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) im ZVG e.V.; Kooperationspartner: der Verband der Friedhofsverwalter Deutschland (VFD) und der Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK). Medienpartner waren die Fachzeitschriften "Naturstein" und "Friedhofskultur".
 


Die Initiatoren und Kooperationspartner des Friedhofswettbewerbs
 

29 eingereichte Projekte
Am Wettbewerb teilnehmen konnten Arbeitsgemeinschaften, die mindestens aus einer Friedhofsverwaltung und zwei Gewerken (Friedhofsgärtner, Steinmetze, Bestatter) bestehen, mit begonnenen oder fertigen Planungen bzw. Umsetzungen für einen bzw. auf einem existierenden Friedhof. Die Einbeziehung der Bevölkerung vor Ort war ausdrück­lich erwünscht. Eingereicht wurden 29 Projekte, von denen die Jury sechs für die Preisverleihung nominierte.

Die Jury
Zur Jury gehörten Matthäus Vogel (Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal), Hermann Rudolph (stellv. Bundesinnungsmeister des BIV), Josef Kusser (Vorstandsmitglied des Deutschen Naturwerkstein-Verbands, DNV), Birgit Ehlers-Ascherfeld (Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, BdF), Dr. Martin Venne (Landschafts- und Friedhofsplaner), Jan Gawryluk (Vorsitzender des Verbands der Friedhofsverwalter Deutschlands, VFD) vertreten durch Herbert Schneider, und Andreas Mäsing (Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Friedhofskultur, VFFK).

Preisverleihung in Berlin
Die Preisverleihung fand am 4. Mai 2017 im Meistersaal des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin statt, der dafür einen festlichen Rahmen bot. Rund 80 Gäste waren gekommen, um der Veranstaltung beizuwohnen und mit den Auslobern und der Jury des Wettbewerbs über die Zukunft der Friedhöfe ins Gespräch zu kommen. Alle eingereichten Projekte wurden in einer Powerpoint-Präsentation vorgestellt. Außerdem konnten die Bewerbungsunterlagen vor Ort in Augenschein genommen werden.


Alle 29 Einreichungen konnten vor Ort in einer kleinen Ausstellung begutachtet werden. (Foto: Susanne Storath)


Zwei Hauptpreise, ein Sonderpreis
Die zwei mit 4.000 € dotierten Hauptpreise gingen an das Projekt "Das Hamburger Grab" und den "Garten der kleinen Ewigkeit" in Berlin. Einen mit 2.000 € dotierten Sonderpreis erhielt die "Route der Hagener Friedhofskultur". Das Preisgeld soll für das jeweilige Projekt vor Ort eingesetzt werden. Nominiert waren außerdem die Projekte "Erinnerungsgarten" (Aschersleben), "Leben und lernen auf dem Friedhof" (Essen) und "Der Lindenhain" (Nürnberg). Sie erhielten jeweils 500 € als Anerkennung. 

Gustav Treulieb, Bundesinnungsmeister
Gustav Treulieb, Bundesinnungsmeister der Steinmetze, erwähnte in seiner Eröffnungsrede u.a., dass die Idee zum Wettbewerb in einem Gespräch mit der Redaktion Naturstein entstanden ist, und bedankte sich bei allen Mitwirkenden, v. a. BIV-Geschäftsführerin Sybille Trawinski, für die gute Zusammenarbeit. "Die eingereichten Projekte geben einen guten Überblick über bereits existierende und geplante zukunftsfähige Gestaltungskonzepte. Diese müssen in der breiten Öffentlichkeit publik gemacht werden", so Treulieb. Stellvertretend für Schirmherr Roland Schäfer sprach Christian Brietzke, Referent für Bau, Umwelt, Ländliche Entwicklung und Friedhofswesen im Sächsischen Städte- und Gemeindetag. Ihn freute v.a., dass in den Wettbewerbskriterien die Zusammenarbeit mehrerer am Friedhof tätigen Gewerke gefordert wird.

Joachim Grüter, Präsident des DNV und Vizepräsident des ZDNW
Joachim Grüter, Präsident des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV) und Vizepräsident des ZDNW, stellte den Friedhof der Zukunft als "Lebens- und Kommunikationsraum mit Aufenthaltsqualität" heraus. Die Um­gestaltung vorhandener Friedhöfe, die dieses Kriterium noch nicht erfüllen, nannte er "eine Gemeinschaftsaufgabe vieler Beteiligter". Er warnte davor, die Friedhofshaushalte durch immer höhere Friedhofsgebühren sanieren zu wollen. Das würde alternativen Bestattungsformen in Urnenwäldern etc. nur noch mehr in die Hände spielen.

Hermann Rudolph, stellv. BIM und Jurymitglied
In Stellvertretung der Jury dankte Hermann Rudolph, stellv. Bundesinnungsmeister, allen Wettbewerbsteilnehmern für die eingereichten Projekte, die "eine Vielfalt an Ideen und gute Ansätze" gezeigt hätten. Etwas "richtig Innovatives" habe man allerdings vermisst, was eventuell auch an der Formulierung der Wettbewerbskriterien gelegen haben könne. Hier wolle man bei der nächsten Auslobung in voraussichtlich zwei Jahren nachbessern.

Präsentation aller 29 Projekte sowie Kontaktdaten
Eine Kurzvorstellung aller 29 Einreichungen in pdf-Form sowie eine Kontaktliste der beteiligten Arbeitsgemeinschaften sind hier verlinkt. Nähere Informationen zu den einzelnen Projekten erhalten Sie direkt bei den Verantwortlichen.


Die Siegerprojekte und Nominierungen stellen wir Ihnen hier vor:


Das Hamburger Grab (Hauptpreis)


Das "Hamburger Grab" wird mit einem Gedenkziegel (Mitte) markiert. (Foto: Arge Hamburg)

 


BIM Gustav Treulieb (l.) mit drei Vertretern der Arge "Das Hamburger Grab" (1. Reihe v.l.) und Jurymitgliedern (Foto: Susanne Storath)


Beim Projekt "Das Hamburger Grab" haben alle am Friedhof tätigen Gewerke in vorbildlicher Weise zusammengearbeitet", betonte Laudatorin und Jurymitglied Birgit Ehlers-Ascherfeld vom Bund deutscher Friedhofsgärtner. "Das Hamburger Grab" entspreche der Forderung nach einem für eine breite Bevölkerungsschicht bezahlbaren, attraktiven Grabstättenangebot unter Berücksichtigung von zeitgemäßen Bedürfnissen wie Flexibilität und Individualität.

In die Entstehung flossen Analysen und Erkenntnisse aus dem Projekt "Ohlsdorf 2050" maßgeblich ein, die u.a. durch Kundenbefragungen ermittelt wurden. Flächen- und Strukturanalysen, die Evaluation der Bevölkerungs- und Beisetzungszahlen sowie die Vorgaben des Denkmalschutzes waren daher Grundlagen der Planung. Weiteres Anliegen war es, die Bedeutung des Friedhofs in der Gesellschaft zu stärken. Das Ergebnis ist ein "neues Produkt", das über einen Markennamen das positive Image Hamburgs nutzt und die Integration religiöser und kultureller Besonderheiten zulässt.

Es wird als Komplettpaket zu einem fairen Preis in drei Kategorien angeboten und umfasst die Nutzungsgebühren, ein Grabmal inkl. Inschrift und Aufstellen sowie die Grabpflege. Außerdem können Vorsorgeverträge abgeschlossen werden. Hervorzuheben ist die geplante neue Gebührenstruktur, die keinen Preisunterschied bei der Grabnutzungsgebühr zwischen Erd- und Urnengräbern vorsieht. "Das Hamburger Grab" startet im mitt­leren Preissegment und schließt die Lücke zwischen Reihengrab und dem bisher günstigsten Wahlgrab. Trauerrituale an der Grabstätte sind möglich.

"Das Hamburger Grab" verbindet Vergangenheit und Zukunft behutsam miteinander: Durch die Integration in den Bestand sichert und fördert es erhaltenswerte Strukturen und die langfristige Wirtschaftlichkeit dieser Bereiche. Zusatzleistungen wie der identitätsstiftende aus Ton und heimischem Elbmarsch gebrannte "Hamburger Gedenkziegel", der historisch anmutende "Grabbrief" in Urkundenform, ein zentraler Gedenkort sowie ein Online-Trauerportal bedienen Tradition und Fortschritt. Das Projekt ist zunächst für zwei ausgewählte Areale auf dem Friedhof Ohlsdorf geplant. Bewährt es sich, soll es auf weiteren Friedhöfen des Friedhofsträgers Hamburger Friedhöfe AöR umgesetzt werden. Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und eine gute Zusammenarbeit mit den Friedhofsgewerken sind auf dem Friedhof Ohlsdorf bereits etabliert. Diese bestehenden Strukturen kommen dem "Hamburger Grab" zugute.

Einreicher:   
Hamburger Friedhöfe AöR, Carsten Helberg und Torsten Herbst; Landesinnung der Bildhauer- und Steinmetzbetriebe Hamburg, Michael Karbenk; Friedhofsgärtner-Genossenschaft Hamburg eG, Frank Bergmann; Bestatterinnung Hamburg, Frank Kuhlmann



Garten der kleinen Ewigkeit (Hauptpreis)


Der "Garten der kleinen Ewigkeit" mit Begegnungsplatz, der aus ausgedienten Grabmalen gestaltet wurde (Fotos: Nikolaus Seubert)


Vertreter der Arge "Garten der kleinen Ewigkeit" mit Jurymitgliedern und Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb (Foto: Susanne Storath)


Der "Garten der kleinen Ewigkeit" auf dem Zwölf-Apostel-Friedhof in Berlin-Schöneberg ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kirchhofsverwaltung, einer Landschaftsplanerin und dem Gestaltungskreis Zwischenraum (s. Naturstein 11/2014, S. 36, www.gestaltungskreis-zwischenraum.de). Bereits 2014 wurde auf 500 qm das neue pflegeentpflichtete Gräberfeld für Erd- und Urnenbestattungen mit Mustergrabmalen eröffnet. Inbegriffen sind eine Grabstelle mit einer Nutzungsdauer von 20 Jahren (verlängerbar), die Bepflanzung und gärtnerische Pflege für den Nutzungszeitraum sowie ein individuell gestaltetes Grabzeichen.

Alle Leistungen werden über die Friedhofsverwaltung vermarktet. Besonders hervorzuheben sind die hohe handwerkliche und gestalterische Qualität der Grabzeichen, die entweder direkt erworben oder in Absprache mit den Angehörigen gestaltet werden, und die anspruchsvolle Bepflanzung mit ganzjährig blühenden Staudengewächsen. Trauerhandlungen an den einzelnen Grabstellen sind möglich und ausdrücklich erwünscht. Außerdem gibt es einen Begegnungsplatz, auf dem auch kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Lesungen stattfinden. Erstellt wurde er von den sechs Steinmetzen/Steinbildhauern des Gestaltungskreises Zwischenraum, die dafür alte Grabmale auseinander gesägt und zu Sitzbänken bzw. einer Bodenfläche zusammengefügt haben.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen zeigen Besucherfrequenz und die positive Resonanz eine große gesellschaftliche Akzeptanz für den "Garten der kleinen Ewigkeit". Die Anlage ist bei Bedarf erweiterbar. Es gibt sowohl einen Flyer des Gestaltungskreises als auch eine Broschüre des Zwölf-Apostel-Kirchhofs sowie eine Fotoausstellung vor der Friedhofskapelle, die über das Projekt informieren.

Laudator Dr. Martin Venne, Landschafts- und Friedhofsplaner, lobte in Vertretung für die Jury insbesondere die gut gemeisterte Herausforderung, das neue Grabfeld in das historische Umfeld einzubetten, die Berücksichtigung des Wunschs nach pflegefreien Grabstättenangeboten und den gelungenen Einsatz des Mediums Film für die Öffentlichkeitsarbeit.

Einreicher:   
Gestaltungskreis "Zwischenraum" der Steinmetze und Steinbildhauer, Berlin; Kirchhofsverwaltung Zwölf Aposteln der Kirchengemeinde Berlin, Margret Burhoff; Dipl.-Ing. Landschaftsplanung/TU Berlin Agnes Hofmeister

 

Route der Hagener Friedhofskultur (Sonderpreis)


Die "Route der Hagener Friedhofskultur" verbindet die fünf bedeutendsten Friedhöfe der Stadt. (Darstellung: Arge Hagen)

 


Vertreter der Arge "Route der Hagener Friedhofskultur" mit Jurymitgliedern und BIM; Hermann Rudolph (hinten rechts) hat die Trophäen aus JURA-KALKSTEIN geschaffen. (Foto: Susanne Storath)

In der Stadt Hagen gibt es zehn kommunale Friedhöfe, für die der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) zuständig ist. Die fünf bedeutendsten, die "Big Five", wurden nun von einer Arbeitsgemeinschaft zur "Route der Hagener Friedhofskultur" zusammengefasst – in Anlehnung an die "Europäische Route der Friedhofskultur". Ziel ist es, nicht nur auf einzelne bedeutsame Gräber und Denkmale hinzuweisen, sondern den Friedhof als besonderen Ort stärker in das allgemeine öffentliche Leben einzubinden. Außerdem sollen seine Freiraumqualitäten als großes Naherholungsgebiet erlebbar werden.

Unter dem Motto "Andenken – Bewahren, entwickeln, gestalten" haben die Beteiligten einzelne standortgebundene Projekte nach den vorhandenen Begebenheiten entwickelt und umgesetzt: ein muslimisches Grabfeld mit Waschhaus (Friedhof Vorhalle), das Regenbogenfeld für Früh- und Totgeburten (Friedhof Altenhagen), Baumlehrpfad (Waldfriedhof Loxbaum), neuer Abschiedsraum (Friedhof Delstern) und der Ewigkeitsbrunnen, ein Ort für Endbestattungen von Urnen aus dem Kolumbarium als Erinnerungsort für Hinterbliebene auch nach Ablauf der Mindestruhezeit (Friedhof Haspe).

An allen Stationen gibt es die sog. Andenkenstelen aus heimischem Naturstein (s. Naturstein 11/2011, S. 39). In sie werden die Namen der Verstorbenen eingearbeitet, wenn die Grabruhefrist abgelaufen ist und das Grab aufgelöst wurde. So möchten Steinbildhauer Timothy Vincent aus Wetter, Initiator des Projekts, und der WBH verhindern, dass die Verstorbenen in der Namenlosigkeit verschwinden.

Auf die Route der Hagener Friedhofskultur soll mit verschiedenen Marketingmaßnahmen von der Plakatserie über Infopoints und Aktionen bis zum Radiospot aufmerksam gemacht werden. Besonders freute die Jury, dass das Projekt ein klares Bekenntnis der Stadt Hagen zu ihren Friedhöfen ist und sie mit deren Hilfe auch Werbung für sich macht. Mit den "Big Five" werde ein für alle Konfessionen und Religionen offener neuer Ort für Abschied und Trauer angeboten, so Laudator Andreas Mäsing vom VFFK.

Einreicher:
Steinbildhauerei Vincent, Dipl.-Ing. Timothy C. Vincent, Steinmetz; Verwaltung Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR, Friedhofsträger; Stadtverband Hagen im Bestatterverband NRW e.V., Bestatter; Agentur Baumeister, Köln, Marketing; Architekturbüro Heinze, Duisburg

 


Und hier die Nominierungen:



Vertreter der nominierten Projekte in Aschersleben, Essen und Nürnberg mit Jury und BIM (Foto: Susanne Storath)

 

Der Erinnerungsgarten


"Der Erinnerungsgarten" auf dem Zentralfriedhof in Aschersleben (Foto: Mario Fabich)


Im "Erinnerungsgarten" auf dem Zentralfriedhof in Aschersleben werden zehn verschiedene pflegefreie Bestattungsformen angeboten, darunter auch Mensch-Tier-Bestattungen, die als Bevölkerungswunsch über eine Online-Abstimmung ermittelt worden waren. Die 3.000 qm große Fläche, die im Zuge der Umgestaltung/Entwicklung des Friedhofs wieder für Beisetzungen nutzbar gemacht wurde, verfügt aufgrund ihrer durchgängigen Gestaltung und mehrerer Ruhezonen mit Sitzbänken Aufenthaltsqualität. Durch moderne Gestaltungsformen hat die Friedhofsverwaltung die neue Anlage in das historische Gewand des denkmalgeschützten Friedhofs eingebettet.

Verbindendes Element zwischen dem nördlichen und südlichen Abschnitt mit insgesamt über 3.600 Grabstellen ist der sog. Fluss des Lebens, ein Vegetationsband, das die gesamte Anlage durchzieht und den Lebensweg des Menschen versinnbildlicht. Auch Baumbestattungen sind in der Anlage vorgesehen. Die Vielzahl an Grabarten – alle mit Grabmal – soll eine Alternative zu den häufig in Anspruch genommenen anonymen Beisetzungen bieten. Obwohl der Anteil an Urnenbeisetzungen bei 90% liegt, sind in den Randbereichen der Anlage auch Erdbestattungen vorgesehen. Es gibt eine Website und eine Facebook-Seite, die über das Projekt informieren und für die Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden.

Einreicher:
Friedhofsverwaltung der Stadt Aschers­leben; Steinmetzbetrieb Axel Voigt, Inh. und GF Mario Hecker; Planungsbüro Landschaftsarchitektur, Katharina Baumgart, Berlin; Grabpflege Bauwirtschaftshof Aschersleben, André Könnecke

 

Der Lindenhain


"Der Lindenhain" auf dem Südfriedhof in Nürnberg (Foto: Weber und Hermann Metallgestaltung)


Für das Projekt "Lindenhain" auf dem Südfriedhof in Nürnberg haben die Metallgestalter Uwe Weber und Roland Hermann, von denen der Entwurf stammt, sowie der Steinmetzbetrieb Hirschbeck und die Friedhofsverwaltung kooperiert. Die um einen Brunnen gruppierte, vom Friedhofsträger gepflegte Gemeinschaftsgrabanlage mit 50 Grabstellen ist sowohl für Erd- als auch für Urnenbestattungen ausgelegt und bettet sich harmonisch in das Friedhofsgelände ein.

Die Grabzeichen bestehen aus heimischen JURA-KALKSTEIN-Stelen, die jeweils von einem geschwungenen Cortenstahlband "umschlungen" werden, das die individuelle Lebenslinie des Verstorbenen symbolisieren soll. Auch die Inschrift ist aus Cortenstahl und wird mit Lasertechnik zugeschnitten. Vor jedem Stein markiert ein Stahlrahmen die Fläche, die Hinterbliebene selbst gestalten bzw. bepflanzen und dort Trauerrituale aus­üben können. Das Grabstättenkonzept wurde beim Gestaltungswettbewerb Grabzeichen 2014 vom LIV Baden-Württemberg mit Bronze ausgezeichnet.

Einreicher:   
Metallgestaltung Uwe Weber und Roland Hermann, Langenzenn; Friedhofsverwaltung der Stadt Nürnberg; Steinmetz Bernhard Hirschbeck, Weigelshofen; Planung, Pflege der Bepflanzung von Ambiente Blumen Simkovic, Schwanstetten

 

Auf dem Friedhof leben & lernen


"Leben und lernen" auf dem Parkfriedhof in Essen-Huttrop (Visualisierung: Jan Schwalfenberg)


"Leben und lernen auf dem Friedhof" heißt das Motto des neuen Bestattungskonzepts für den Parkfriedhof in Essen-Huttrop. Die Arbeitsgemeinschaft orientierte sich dabei u. a. an botanischen Gärten, um den Parkcharakter und die Aufenthaltsqualität auf dem Friedhof mithilfe eines edukativen Angebots zu verstärken bzw. zu vergrößern. Das konzipierte Grabfeld für Urnen- und Erdbestattungen ist in verschiedene Themenbereiche aufgeteilt, die sich in der Gestaltung der Grabmale und der Bepflanzung sowie in den gewählten Natursteinen und Pflanzen widerspiegeln. Am Rand der Felder sollen Infokästen zur Wissensvermittlung beitragen. Eine zentrale Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein.

Das konfessionslose Angebot beinhaltet die dauerhafte Pflege der bereits bestehenden Bepflanzung. Im Bereich der Urnengräber sollen bereits gestaltete Grabmale aufgestellt werden, die von den Hinterbliebenen mit der Grabstelle erworben werden. Auch für die beiden Bereiche mit Wahlgräbern sind Mustergrabsteine vorgesehen, die jedoch von den Grabnutzern auch durch andere Steine ersetzt werden können. Allerdings gilt es hier, die Gestaltungsvorgaben einzuhalten (heimisches Material, handwerkliche Bearbeitung, thematisch-gestalterischer Bezug). Für die Urnenpartnergräber gibt es größere Gemeinschaftsgrabmale, bei denen man sich u.a. an architektonischen Werken von Ernst Bode, einem ehemaligen Baudezernent der Stadt und Architekt der Trauerhalle, orientieren will. Für Trauerrituale stehen Natursteinplatten auf den Grabstellen zur Verfügung.

Einreicher:   
Friedhofsverwaltung der Stadt Essen, Grün und Gruga, Hans Joachim Hüser; Friedhofsgärtnerei V. Meyer, Volker Meyer; Natursteinbetriebe Kalenborn KG

Susanne Storath

(Erschienen am 22.05.2017)